Vinsobres ‘Les Hauts de Julien’ 2007

| 10. Oktober 2012 | 0 Kommentare ...alles

Mineralisch, erdbetont und fein geräuchert.

Ein perfektes Beispiel dafür, wie sich Ertragsreduzierung bemerkbar macht und was ‘Alte Reben’ in der Lage sind zu ‘leisten’.

Winzer/Weingut: Famille Perrin, Perrin & Fils, Orange, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von einem Weinberg nördlich von Châteauneuf du Pape, der gleichzeitig mit 90 Jahre alten Reben von Syrah und Grenache bepflanzt ist.

Flasche/Etikett: In der klassischen Burgunderflasche steht der Vinsobres nun am Tisch und unterscheidet sich, das Etikett betreffend, wesentlich von seinen Vorgängern. Das kleine Château das die Beklebungen des Gigondas ‘La Gille’ und des Vacqueyras ‘Les Christins’ verziert hat ist verschwunden und stattdessen wird auf diesem so richtig mit Herkunft Dampf gemacht. Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. In Riesenlettern VINSOBRES aufgedruckt um gleich mal klaruzustellen wo man herkommt. Darunter nicht viel kleiner der Name des Weinbergs um auch da keine allfälligen Zweifel über seine Abstammung aufkommen zu lassen.

Am Rückenetikett steht alles was sonst noch interessant zu wissen ist, ein wenig über Vinsobres selbst, etwas über den Weinberg und viel über die Herstellung des Weines. Ganz interessant der Hinweis, dass davon nur 6000 Flaschen abgefüllt wurden und der Wein unfiltriert in selbige gelangt ist. Was uns dazu veranlasst den Les Hauts de Julien in den Dekanter umzufüllen um etwaige Ablagerungen im Glas zu vermeiden.

Im Glas: In dunkelstem Karminrot steht der Les Hauts de Julien im Glas, dicht, konzentriert und schwer. An den Rändern nur leicht aufgehellt und sonst so dunkel wie die Nacht. Fette Kirchenfenster fliessen an der Glaswand ab und weisen auf einen richtig gehaltvollen Wein hin.

In der Nase: Aus dem Glas strömt vordergründig eine rauchige Note auf welcher der Duft von saftig-reifen Johannisbeeren und Brombeeren schwebt. Vanilletöne riecht man und auch geräuchertes Holz. Je mehr man an dem Bukett schnüffelt und je tiefer man seine Nase ins Glas steckt umso intensiver, saftiger, fast schon likörhaft wird der Duft. Ein dichtes, dickes Konzentrat von Aromen steht im Glas und es dampft förmlich im ‘Kessel’ ohne dabei heiss zu werden.

Im Mund: Und dann ein schlichtes aber umso ehrlicheres WOW! Wer geglaubt hat, dass ob des reifen und saftigen Duftes ein ebenso dicker, fetter Tropfen auf die Zunge kommen wird, der war am falschen Dampfer unterwegs. Der Les Hauts de Julien kommt glasklar, überraschend kühl und schnurgerade auf die Zunge. Er fühlt sich schlank an, obwohl er Kraft hat, er füllt nicht den Mundraum aus oder verklebt ihn gar. Nein, der Les Hauts de Julien kommt mit einer Nonchalance in den Mund die einfach verzaubert. Klar wie ein Bergsee könnte man fast sagen. Trotz seines vollen Körpers fühlt er sich nicht aufgebläht an, er wirkt fein im Mund und spielt mit einer ebenso feinen Note von Holzkohle und rauchiger Frucht. Von soviel kühler und frischer Eleganz erst einmal überrascht, merkt man erst beim zweiten Schluck wie mineralisch dieser Wein ist. Da spürt man Graphitnoten, etwas ledriges, Stein und Staub in des Wortes Sinn und man ist geneigt die roten Früchte die daneben herziehen fast zu ignorieren. Bei all dieser eindrucksvollen Mineralik wirkt der Les Haust de Julien niemals nur wie eine rustikale Mineralikbombe. Da ist nichts von spröde über die Zunge und den Gaumen ratternden Gerbstoffen, im Gegenteil. Wunderbar eingebettet in eine beeindruckende Textur fühlen sich die Tannine seidig weich an und gleichen dem Hauch einer frischen Brise.

Der Les Hauts de Julien ist ein tolles Beispiel dafür, wie sich starke Ertragsreduzierung bemerkbar macht und was ‘Alte Reben’ in der Lage sind zu ‘leisten’. Es ist ein pures Vergnügen diesen Wein auf den Lippen, auf der Zunge und am Gaumen zu spüren. Soviel Tiefe er hat, so schlank fühlt er sich gleichzeitig an. Soviel Kraft und Körper er hat, so leicht und klar ist er im Mund. Da fliesst kein dicker klebriger Saft über die Zungenränder ab, vielmehr zieht der Wein in einer schnurgeraden Linie über selbige um sich in einem langen, rauchigen Finale auf seinen Weg in die Kehle zu machen. Lässt man den Tropfen auf der Zunge ruhen merkt man wie er dort genau in der Mitte liegenbleibt und seinen in eine Wolke rauchigen Holzes eingehüllten Saft freigibt. Spielt man ein wenig rum mit ihm freuen sich die Lippen über diesen fruchtigen Saft der sie umspült und über die ebenso seidigen Tannine, die sich wie eine Lippenmassage anfühlen. Am Gaumen hinterlässt der Les Hauts de Julien eine frische rauchige Note, eine Spur von Lavendel und insgesamt ein angenehm wohliges, leicht herbes Mundgefühl. Im Abgang ist er mineralisch, erdbetont und fein geräuchert, um danach in einem lange anhaltenden Nachhall zu enden. Dabei lebt er seine Mineralik vollends aus und verzaubert mit einem Gerbstoffgerüst das sich wahrlich sehen bzw. fühlen lassen kann.

Resümee: Haben mir persönlich bis jetzt die beiden ‘rustikalen Burschen’ La Gille und Les Christins am besten gefallen, so schlägt der Les Hauts de Julien die beiden noch um Längen. Das ist mein Lieblingswein aus diesem Sortiment, eindeutig. Und das sage ich obwohl ich den zweiten in dieser finalen Runde, den Châteauneuf du Pape ‘Les Sinards’, noch nicht einmal gekostet habe. Der Les Hauts de Julien ist mein erklärter Liebling, das steht fest. Knappe 30 Euro kostet der Tropfen aus Vinsobres, was ihn nicht gerade zu einem Wein für jeden Tag macht. Aber das will und soll er auch nicht sein.

Tipp: Am besten bei 16-18º genossen. Leicht kühl ist er eine echte ‘Erfrischung’. Auf jeden Fall in den Dekanter umfüllen und ein paar Minuten stehen lassen. Begleitet regionale Küche ebenso perfekt wie kräftige Kräuterküche sowie rotes Fleisch und Lamm. Persönlicher Tipp!

Einen Bericht über den Les Hauts de Julien lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Vinsobres Vieilles Vignes ‘Les Hauts de Julien’ 2007 von Famille Perrin aus Orange in Frankreich.

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Kategorie: Perrin & Fils, Verkostet

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