Vindemia No.10

| 31. August 2017 | 0 Kommentare ...alles

Rezeptfreier Suchtstoff

Schrauber runter und rein ins Weinvergnügen. Zu Schokokuchen, Sachertorte, und vielleicht sogar im Schokoladepudding. Einfach grandios!

Winzer/Weingut: Kloster am Spitz, Purbach im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von lehmigen, sandigen Böden im Neusiedlersee-Hügelland.

Vindemia No.10 Allgemeines: Von Thomas Schwarz´ Weingut Kloster am Spitz im burgenländischen Purbach, habe ich im Lauf der letzten beiden Jahre bereits einige ausgesprochen interessante wie auch ungewöhnliche Weine verkostet (hier nachzulesen). 2005 hat Thomas Schwarz das Weingut übernommen und sofort begonnen es auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Seit September 2008 ist der Betrieb zertifiziert. Auch heute habe ich wieder etwas nicht Alltägliches von ihm am Tisch der Wahrheit stehen, und zwar den Vindemia No.10. Ein Likörwein aus 100% Blaufränkisch (Lemberger). Ausgebaut wurde der Wein im Barrique-Fass, in welchem er für sechs Monate lagerte. Aufgespritet wurde der Vindemia No.10 mit ca. 15 Jahre altem, fassgelagertem Weinbrand, um die Gärung zu unterbrechen und den Zuckerrest zu erhalten, was am Ende dann eben einen typischen süssen Likörwein ergibt, der von flotten 18 PS angetrieben wird. Ich bin gespannt wie Blaufränkisch in süss schmeckt und dreh´ dem Ding jetzt einfach seinen Schrauber ab.

Im Glas: Wie ein dunkelroter Rubin funkelt der Vindemia No.10 im Glas.

In der Nase: In der Nase zeigt sich der süsse Tropfen überraschend fein, obwohl man deutlich riecht, dass da Power in der Hütte ist. Schwarzer Holunder, schwarzer Tee und ganz tief eingegraben ein paar Brombeeren die als Fruchtbegleitung dienen. Äusserst positiv fällt auf, dass dem Duft die Hitze fehlt, das alkoholische, das so vielen Süssweinen oft anhaftet. Er ist für einen Vertreter seiner Gattung ausgesprochen fein in der Nase und hat hohen Schnüffelfaktor.

Im Mund: Kaum auf der Zunge angekommen, schreit das Geschmackszentrum auch schon “Blaufränkisch”. Vollkommen sortentypisch, nur halt süss, ist der Vindemia No.10. Wobei, das mit dem süss ist auch nicht so ganz richtig. Ja, es ist süss, ABER, und das muss man gross anführen, da ist so viel frische Säure drin, so viel grandioser Gerbstoff und so viel Würze, dass man aus dem Staunen nicht mehr raus kommt. Ist das nun wirklich süss oder ist es nur die geniale Vorstufe dazu? Ceylon-Tee auf der Zunge, feiner Rauch am Gaumen, dunkle Würze, saftig ohne fett oder gar heiss zu sein, kompakt und kernig, ein einziges eindrucksvolles Mundgefühl das einen einfach überwältigt.

Was für ein Spass! Dieser würzig-süsse Rauch, der da am Gaumen Richtung Rachen zieht, dieser dichte, von seidig-feinen Gerbstoffen durchzogene Saft der auf der Zunge steht und dieses dezente Fruchtspiel, welches Wald- und Brombeeren bestenfalls eine Idee verleiht. Und dann natürlich diese Säureader, die schlichtweg hammergenial ist. Dunkle Schokolade reibt sich am Gaumen ab, das Kommando führt aber Schwarztee feinster Herkunft. Stecken Sie einmal ihre Nase in eine Dose mit frischem Ceylon-Tee, dann sollten alle Fragen dazu beantwortet sein. Der Vindemia No.10 ist definitiv gefährlich, weil er nämlich noch weit entfernt von süss ist, aber trotzdem schlappe 18 Volt hat, die sich sicher irgendwann bemerkbar machen. Das Problem ist nur; er trinkt sich einfach göttlich und schmeckt gar so köstlich.

Es ist einfach unglaublich aufregend, wie sehr man diese typische Blaufränkisch-Aromatik schmeckt und dann diese, ich sage bewusst “Nicht-Süsse” spürt. Die derart tief in einer dunklen Würze verbuddelt ist, dass man einen Spaten braucht um sie freizuschaufeln. Mir kommt Amarone in den Sinn, weil dieser Saft zwar auch relativ hoch im Alkohol ist, weil er ebenso ungemein saftig und dicht ist, aber eben auch nicht wirklich süss oder gar likörig ist. Natürlich pfeift der Wind im Mund, aber der ist derart fein und rauchig, dass man unweigerlich und ständig weiter nuckelt an dem Zeug und einfach nicht mehr aufhören will.

Resümee: Ich bin dafür, dass ich von dem Teil zumindest ein paar Flaschen brauche, weil der Inhalt nämlich schlichtweg grandios ist. Der Vinemia No.10 ist einfach reiner Suchtstoff. Und das sogar rezeptfrei.

Tipp: Schrauber runter und rein ins Vergnügen. Zu Schokokuchen, Sachertorte, Muffins und vielleicht sogar verrührt im Schokoladepudding! Zu Rebhuhn und Fasan, zum Osterhasen und zu vielem mehr geeignet. Zum Süffeln ohne alles hoch gefährlich, weil so fein und köstlich. Ein Verführer!

Einen Bericht über den Vindemia No.10 lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

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Wein: Vindemia No. 10
Winzer: Weingut Kloster am Spitz
Rebsorte(n): Blaufränkisch/Lemberger
Anbaugebiet: Neusiedlersee-Hügelland
Anbau: Biologisch
Ausbau: Barrique-Fass
Empfehlung: Likörwein süss
Verschluss: Schraubverschluss

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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