Viña Tondonia ‘Cosecha’ de 1991 Gran Reserva

| 28. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Rassig, saftig, leicht & fit wie ein Turnschuh.

Ein Weinerlebnis der ganz besonderen Art. Unglaublich fein, elegant, leicht, saftig und rassig. Voll pulsierendem Leben. Wein für ganz grosse Momente.

Winzer/Weingut: Lopez de Heredia, Haro, La Rioja, Spanien.

Lage/Herkunft: Aus der Rioja Alta die auf circa 400 bis 600 m Seehöhe liegt wo die Nächte bereits relativ kühl sind.

Tondonia Cosecha de 1991 Flasche/Etikett: Mit dem typischen Heredia-Etikett beklebt, steht die Bordeauxflasche nun da. Auf dem hellen, cremefarbigen Untergrund ist links oben in einer Art Stichzeichnung ein Bild des Betriebes zu sehen und schräg über die Mitte zieht sich über die volle Breite in geschwungener Typo Lopez de Heredia Viña Tondonia. Unterbrochen durch einen dicken schwarzen Balken steht in diesem VIÑA TONDONIA in grossen Kapitalen und unterhalb, im wieder hellen Teil COSECHA DE 1991. Ein ‘klassisches’ Etikett, mit dem richtigen Schuss nostalgischem Sentiment versehen. Das Rückenetikett konträr zu dem was vorne drauf klebt. Ein buntes, ministerielles Garantiezertifikat auf dem ganz unten der Hinweis steht, dass es sich um eine Gran Reserva handelt. Die Flasche selbst ist mit dem allseits bekannten goldenen Netz, dem Alambrado, umwickelt. Was heute nur mehr Dekoration ist war früher effektiver Schutz vor gefinkelten Weinhändlern, die den ‘guten’ Wein oft gegen minderwertigen austauschten und so ihren Reibach erheblich steigerten. Mit dem Netz konnte man dies perfekt unterbinden. Entgegen der oft verbreiteten Meinung hat es aber nichts mit der Qualiät des Inhalts zu tun.

Und jetzt ist Schluss mit der Geschichtsstunde. Die Gran Reserva, die mittlerweile 22 Jahre auf dem Buckel hat wird aufgemacht und mit grösster Erwartung und Neugier ins Glas gelassen. Unterstehe sich einer diesen Schatz zu dekantieren!

Im Glas: Fast schon transparent kommt die Gran Reserva ins Glas. Es sieht mehr bernsteinfarbig als rot aus und ist glasklar.

In der Nase: Die Nase steigt ein ungewohnt morbider Duft hoch. Es ist einerseits würzig und man riecht feuchtes Holz, nicht verrottet sondern mit kraftvollen Vanilletönen getränkt. Getrocknete rote Beeren stehen im Glas, alles fühlt sich kräftig an und trotzdem fein und frisch. Was dominiert ist aber dieser ausgeprägte morbide Nebel der über allem schwebt und den Duft eigenartig, ungewohnt, verwirrend, vor allem aber unendlich neugierig macht. Zu all dem blitzen die getrocknenten Beeren zwischendurch ganz frech hervor und vermitteln so etwas wie Saft in der Nase.

Im Mund: Und dann die grosse Überraschung im Mund. Der Wein ist frisch wie ein junger Hüpfer, mit einer agilen und lebhaften Säure gesegnet. Plötzlich ist da nichts morbides mehr, alles ist fast schon fruchtig, die Beernfrüchte sind plötzlich nicht mehr getrocknet sondern bestenfalls etwas weich geworden. Es ist würzig, vanillig und so lebhaft im Mund, dass man fragt wo die 22 Jahre wohl geblieben sind. Quicklebendig steht der Wein auf der Zunge, lässt einem förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen während er über die Zungenspitze richtig frech abläuft. Alles fühlt sich unglaublich leicht an, als würde man eine leere Tasche tragen. Es ist die pure Freue die da im Mund abgeht und man ist geneigt ein richtig grosses Maul voll von diesem Tropfen zu nhemen. Dazu gesellen sich Gerbstoffe die so charmant und weich integriert sind, dass einem der nanofeine, sogar leicht fruchtige Nebel, wie ein Geschenk des Weingotts erscheint.

Kork Viña Tondonia Ich gebe zu, dass ich nach dem Öffnen der Flasche und der Sauerei mit dem Kork das Allerschlimmste befürchtet hatte. Was dieser Wein aber ablässt ist ganz grosses Kino. Der ist süffig, hat einen Trinkfluss, dass einem schwindelig wird. Seine 12% unterstützen seine Leichtigkeit noch mehr und im Mund fühlt sich die Gran Reserva sogar rassig an. Es wird beim zweiten Glas noch beeriger, unheimlich saftig und frisch, der Wein pulsiert förmlich auf der Zunge und der Gaumen fasst es nicht wie fein und edel dieser Tanninnebel über ihn hinweg zieht. Im Abgang merkt man wieder etwas Holz, nicht stark, vielmehr vanillig und rotbeerig. Im Nachhall trocken, fruchtig-herb und mit der ‘Nachricht’ “Mund sofort wieder auffüllen“ versehen. So wie der Wein sich präsentiert möchte man ihn einfach ‘vernichten’, die Flasche austrinken, lässt es aber, aus Respekt vor seinem Alter und der Qualität wie auch der eleganten Noblesse die sich einem offenbart.

Resümee: Ich merke wie ich mir permanent mit der Zunge über die Lippen lecke und bescheuert grinse ob dieser lebhaften Säureader die über die Zungenspitze und deren Ränder abläuft. Saftig ist es, frisch ist es, quietschvergnügt tanzt die Gran Reserva ihren Tango. Ich pumpe die Flasche ab um zu vermeiden, dass bis zum Abend Luft dazukommt. Denn dann will ich den Rest geniessen von diesem Wein, der so viel Spass im Mund macht, dass man locker eine zweite hinstellen kann und niemals nicht auf die Idee kommt, dass man es hier mit 22 Jahre altem Wein zu tun hat. Manch junger Tropfen schaut dagegen ziemlich alt aus. Ein echtes Abenteuer. Beeindruckend, aussergewöhnlich, und jeden der 55 Euro wert die dafür aufzuwenden sind. Kein Blockbuster á la Neuzeit, sondern grosses Kino im Stile eines echten Klassikers.

Tipp: Aufmachen, einschenken und geniessen. Grundsätzlich zu Fleischgerichten jeglicher Zubereitungsart geeignet, ist aber fast zu schade als Essensbegleitung. Um die 18º genossen am besten. NICHT dekantieren!

Einen Bericht über den Cosecha Gran Reserva lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rioja ‘Viña Tondonia’ Gran Reserva 1991 von Lopez de Heredia aus Rioja Alta, Spanien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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