Vecchie Viti 2014 Ruggeri Prosecco

| 4. November 2016 | 0 Kommentare ...alles

Knochentrocken & charaktervoll

Kein Billigsprudel von der Tanke. Das ist feinster Stoff aus bestem Traubenmaterial. Edler und eleganter kann man Prosecco nicht geniessen.

Winzer/Weingut: Ruggeri & Cie, Valdobbiadene, Treviso/Veneto, Italien.

Lage/Herkunft: Von 80-100 Jaher alten Reben aus dem besten Teil des Prosecco-Anbaugebietes in Venetien.

ruggeri-vecchie-viti-2014 Allgemeines: Proseccos gibt es wie Sand am Meer. Leider ist das meiste was man bekommt einfach “Müll” um es vorsichtig zu bezeichnen. Hergestellt für eine Gesellschaft, die sich lieber zum Bussi-Bussi-Smalltalk trifft und über das neueste iPhone diskutiert. Der Sprudel muss billig sein. Was jedoch aus dieser Flasche blubbert ist allerfeinster Spumante wie man ihn bis jetzt nicht kennt. Aus limitierter Produktion von nur ein paar tausend Flaschen steht heute hier der Spitzenblubber Vecchie Viti 2014 von Ruggeri & Cie. am Tisch der Wahrheit. Paolo Bisol nimmt für seinen besten Prosecco nur allerbestes Traubenmaterial von den ältesten Reben der Region, was am Ende auch die magere Ausbeute von eben jenen 5000 Flaschen erklärt. Ich habe eine davon aufgemacht und bin gespannt was dieser Sprudel drauf hat. Und bitte, noch eins, nehmen Sie ein Weissweinglas und werfen sie die Flöten endlich weg. Sie werden es nicht bereuen.

Im Glas: Hellstes strohgelb glitzert aus dem Glas heraus, fast weisslich scheint die Farbe zu sein. Am Rand ein wenig Schaum und im Glas selbst blubbert es, dass es eine Freude ist dabei zuzusehen.

In der Nase: Wie aus einem Geysir steigt in der Mitte die Kohlensäure hoch und haucht dem Vecchie Viti so richtig Leben ein. Es duftet ein wenig nach grünen Äpfeln, nach frischer wilder Wiese und auch weissen Blüten, nicht allzu intensiv, eher vornhem verhalten aber doch sehr präsent. Sehr frisch fühlt es sich in der Nase an und man würde diese feinen Aromen keinesfalls in einer Flöte so intensiv riechen können. Irgendwie erinnert mich der Duft auch ein wenig an mineralischen Grünen Veltliner. Nur ein wenig weicher ist alles was aus diesem Glas entweicht.

Im Mund: Auf die Zunge kommt der Vecchie Viti erstens knochentrocken, zweitens frisch und fruchtig und drittens mit einer Cremigkeit die einen staunen lässt. Trotz aktiver Perlage fühlt sich der Blubberer weich und cremig an, wirkt dabei mild und weich und man meint die perfekte Mitte zwischen Wein und Sprudel im Mund zu fühlen. Man schmeckt die Grundweine, welche nicht von ausser Kontrolle geratener Kohlensäure abgetötet werden, und man spürt gleichzeitig das puslierende Leben dieses Sprudels auf der Zunge und am Gaumen. Als Vergleich könnte man sich dazu vorstellen wie es ist, wenn man von einem Allerweltsprosecco einen grossen Schluck nimmt; man ist geneigt die aggressive Kohlensäure mittels gepflegten Bäuerchens sofort wieder entweichen zu lassen um Luft für den nächsten Nipper zu bekommen. Nicht so hier. Diese Perlage hat Stil, ist nobel, elegant und mild. Sie begleitet den ‘Wein’ und brüllt nicht einfach ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gegend.

Interessant zu beobachten ist die feinherbe Note welche dieser Spumante am Gaumen hinterlässt. Fast fühlt es sich ein wenig bitter an, ohne aber bitter zu sein. Vielmehr mündet alles in ein relativ fruchtiges Finale ohne deswegen aber süss oder allzu saftig zu werden. Der Vecchie Viti bleibt trocken wie die Sahara, versteht es aber trotz allem seine frischfruchtigen Aromen auf Zunge und Gaumen zu hinterlassen. Sehr lange hält sich der Spumante am Gaumen und man spürt im Abgang eine gewisse Bitterkeit auf der Zunge welche an feine Gerbstoffe erinnert. Man spürt die alten Reben, man merkt, dass die Beeren auf der Maische gestanden haben um dem Blubberer Charakter angedeihen zu lassen. Und den hat er, ohne Zweifel.

Resümee: Der Vecchie Viti zeigt sehr schön den Unterschied zwischen Allerwelts- und Qualitätsprosecco. Fast noch intensiver als bei Wein bekommt man hier aufgezeigt wie guter Schaumwein schmecken, sich aber vor allem im Mund anfühlen kann. Mann muss seinen Gaumen nicht mit den üblichen ordinären Kohlensäureabfüllungen malträtieren, man kann ihn auch stilvoll, weich und elegant, mit einem Gefühl von Lebendigkeit, von Charme und trotzdem weicher, angenehmer Bläschenmassage erfreuen. Man muss sich nur entscheiden was man will. Auf Massenplörre kann man sicher besser rülpsen, Blubberer mit Niveau verzichten auf dieses Benefit und begeistern durch Charakter und Persönlichkeit. Klar, 19 Euro sind nicht billig. Was man dafür allerdings geboten kriegt ist jeden Euro wert. Einzig auf die Rüplserei muss man verzichten, was andererseits wieder von Stil und guten Manieren zeugt, welche bei Billigsprudel schwer gefährdet sind. Versuchen diesen edlen Italiener mal, Sie werden einfach begeistert von ihm sein.

Tipp: Bei 6 bis max. 8º servieren und geniessen. Macht grossen Spass zu Meeresfrüchten kalt und warm und ist solo ein perfekter Sprudel, um jede Minute des Tages (und des Abends) damit zu zelebrieren.

Einen Bericht über den Vecchie Viti lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Prosecco Vecchie Viti 2014 von Ruggeri aus Valdobbiadene, Veneto, Italien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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