Vacqueyras ‘Les Christins’ 2010 AOC

| 16. September 2012 | 0 Kommentare ...alles

Bombastisch rustikal.

‘Take it or leave it’ ist das Motto dieses Tropfens und wer Mitgefühl sucht, der sucht hier vergeblich. Kein Wein für Weicheier.

Winzer/Weingut: Famille Perrin, Perrin & Fils, Orange, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von auf Lehm-und Sandböden angelegten steinigen Terrassen aus Sarrians, südlich der Dentelles de Montmirail.

Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche mit dem aristokratisch wirkenden Halsetikett klebt, wie bei allen anderen ‘Lagenweinen’ von Perrin, das weisse Etikett mit dem einer kleinen Festung gleichenden Château. Im Vordergrund in Reih´ und Glied die Rebstöcke und der Name der Lage ‘Les Christins’ darunter. Selbstverständlich gross und rot die Herkunft dieses Tropfens und der Hinweis, dass es sich dabei um einen Wein aus der Appellation Vacqueyras Controlée. Ich mag diesen ‘Herkunftskult’ weil er mir irgendwie eine Landkarte der Region ins Gedächtnis ruft und mich so auf eine Art von Reise schickt.

Auch auf dieser Flasche steht am Rückenetikett ein wenig über den Wein, über die Famille Perrin und über Lage, Klima und den Boden. Kurz, prägnant und einen raschen Überblick verschaffend. Auch dieser Wein ist ein echter ‘Brummer’, drauf lassen die 14,5% schliessen. Weil wir vom Gigondas bereits wissen, dass die rustikale Art nach Luft schreit, geben wir dem Vacqueyras gleich von Beginn an 90 Minuten im Dekanter um sich auszutoben. Natürlich nicht ohne uns einen Schluck ohne grössere Luftzufuhr genehmigt zu haben. Wir wollen ja sehen ‘wo der Les Christins beginnt’ und wie er sich verändert.

Im Glas: ‘Tiefdunkeblutrot’, fast schon schwarz leuchtet der Les Christins im Glas. Konzentriert sieht der Saft im Kelch aus und ein fetter Film fliesst nur ganz langsam an dessen Innenseite ab.

In der Nase: Es duftet kräftig und würzig, vermischt mit einer herben Ledernote. Auch ein wenig Holz kann man riechen. Ein sehr intensives und auch forderndes Bukett welches die Nase aber auch mit dem Saft von fleischigen, hochreifen dunklen Kirschen verwöhnt. Man steckt seine Nase gern ganz tief ins Glas um sich an dem satten und wohlige Wärme versprühenden Duft zu erfreuen. Die Vorfreude auf den ersten Schluck ist entsprechend gross.

Im Mund: Von dieser ‘gerochenen’ wohligen Wärme bleibt im Mund nichts übrig. Dort trifft der Les Christins kraftvoll, mit sehr präsenten Gerbstoffen auf die Zunge um gleich einmal zu zeigen wo die Reise hingeht. Nichts da mit wohlig weich, charmant und rund, es darf gerattert werden zwischen den Zähnen. Nicht unangenehm wenn jemand gerbstoffbetonte Weine mag, ein brutaler Angriff aber für all jene die einfallslose Fruchtbomben bevorzugen. Eine mehr als ‘feindliche Übernahme’ des Gaumens sozusagen. Ja, man erkennt dunkelste Brombeeren und ja, man erkennt auch überreife Kirschen. Die beiden dürfen aber in diesem Spiel von würzigen Kräutern, Holz, Leder und sonstigen ‘derben’ Wahrnehmungen bestenfalls kurz aufzeigen um zu bestätigen, dass sie auch da sind.

Der Les Christins schmeisst dermassen kraftvoll mit seinen Tanninen um sich, dass man anfangs Schwierigkeiten hat sich auf all die nebenher trabenden Eigenschaften zu konzentrieren. Diese sind nämlich nicht minder interessant. Hat man sich erst einmal an die Gerbstoffe gewöhnt merkt man, dass der Wein trotz seiner durchaus präsenten, wenn auch nur kurz aufblitzenden Frucht, knochentrocken in die Kehle zieht. Zurück bleibt ein herber Hauch von Holz und Leder am Gaumen und die Zunge kommt mit dem nachschmecken, dem lechzen nach ein wenig Saft nicht nach. Sogar die Lippen schreien nach mehr und geniessen es gleichzeitig wenn die Zunge den pelzigen Belag abstreift.

Nichts für Warmduscher

Der Les Christins fasziniert, soviel steht fest. Ohne Rücksicht auf Verluste demonstriert er, dass er nur aufgrund seiner Persönlichkeit gemocht werden will und ihm alles andere egal ist. ‘Take it or leave it’ ist sein Motto und wer Mitgefühl sucht, der sucht hier vergeblich. Früher hiess es ‘Männer nehmen Pitralon’, der Les Christins setzt ‘richtige’ davor. Auch wenn die Zunge ihn freundlich aufnimmt und sich über den spärlich freigegebenen Saft freut, kaum hat sie ihn wahrgenommen nimmt der Tropfen den Gaumen in Beschlag und zieht richtig mineralisch, erdig über ihn hinweg und ‘verendet’ förmlich in vollkommener Trockenheit. Was zurückbleibt ist etwas das fast an Masochismus grenzt. Man will es nämlich sofort noch einmal erleben wie es ist beim Trinken auszutrocknen. Trotz seiner Kraft und seines Volumens wirkt der Les Christins nicht heiss oder breit, vielleicht liegt es daran dass wir ihn hier bei 16º trinken.

Resümee: Am Abend darf er dann zeigen was er bei 18º zu erzählen hat. Und das ist definitiv mehr als erwartet. Der Wein ist einerseits saftiger geworden, man spürt mehr von der Frucht ohne dass diese deswegen zu präsent wird, und er fühlt sich molliger an. Er wirkt nicht fett, füllt aber den Mund und was die Tannine angeht sind diese ein wenig weicher geworden, haben aber nichts von ihrer Kraft verloren. Der Les Christins wirkt jetzt weniger rüde, ist runder geworden, zeigt aber trotzdem, dass er kein Wein für Warmduscher und schon gar nicht für zärtliches Geschmuse geeignet ist. Durchschnittlich 16 Euro kostet der rustikale Bursche und der geduldige Weinfreund wird in ein paar Jahren sicher mit einem kraftvollen, üppigen und terroirgeprägten Muskelprotz belohnt werden. Wer ihn heute bereits öffnet, der sollte sich die Lederhose anzieh´n und ein fröhlich-uriges Weinvergnügen zelebrieren.

Tipp: Zwei Stunden sollten Sie dem Wein schon Zeit in der Karaffe geben. Danach zu kräftigen Rind- und Lammgerichten servieren und ebenso vorzüglich zu Ratatouille á la kurz angebraten und im Backrohr mit Ziegenkäse und Parmesan überbacken.

Einen Bericht über den Vacqueyras ‘Les Christins’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Vacqueyras ‘Les Christins’ 2010 von Famille Perrin aus Orange in Frankreich.

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Kategorie: Perrin & Fils, Verkostet

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