Touraine Rosé ‘Pineau d´Aunis’ AOC 2009

| 28. September 2011 | 0 Kommentare ...alles

Das hässliche Entlein.

Wer in einem so banalen und fürchterlichen ‘Gewand’ daherkommt muss mit schiefen Blicken rechnen. Umso erfreulicher wenn sich die Ente dann zum Schwan entpuppt.

Winzer/Weingut: Veronique und Dominique Barbous, ‘Domaine des Corbillières’, Oisly an der Loire, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus der Touraine, einer historischen Provinz Frankreichs. Ein weitläufiges Weinbaugebiet mit dem Status einer Appellation d’Origine Contrôlée (AOC).

Flasche/Etikett: Dieser Rosé ist insofern bemerkenswert, als er entgegen den typischen vom Marketing gesteuerten Auftritten mit einem Etikett daherkommt, das schlimmer nicht sein könnte. Es ist dermassen ‘neben der Spur’, dass es schon wieder exzellent und aussergewöhnlich ist.

Es hat den Anschein, dass man gerade mal was drauf schreibt weil es unbedingt sein muss. Mit einem kleinen und vor allem klischeehaften französischen Männchen drauf und fertig. Es würde nicht wundern wenn der Mann am Etikett Dominique Barbous persönlich wäre. Genau das macht den Wein aber schon wieder sympathisch und interessant. Weil es hier den Anschein hat, dass es wichtiger ist die optische Erscheinung so weit wie möglich auszublenden und dafür den Fokus ausschliesslich auf den Inhalt zu lenken.

Im Glas: Im Glas steht dann eine sehr schöne, ganz helle und zarte rosa Farbe. Sie erinnert ein wenig an Himbeersaft mit zu wenig Sirup drin. Sehr klar und vornehm strahlt sie aus dem Kelch.

In der Nase: Kein Gebrüll in der Nase, keine überschäumende Frucht- oder andere Duftexplosion. Vielmehr ‘leise’ und äusserst zurückhaltend gibt der Touraine seine Aromen frei. So also riecht ‘langsam’ denke ich mir. Ist es doch mein erster ‘Langsamer Wein’ überhaupt. Sehr interessant, sehr aufschlussreich und sehr angenehm. Ein völlig anderes Geruchserlebnis.

Im Mund: Der erste Schluck dann ein ähnlich vornehmes Erlebnis wie schon in der Nase. Ein ganz feiner Wein verteilt sich im Mund und man hat fast das Gefühl, dass er sich ganz vorsichtig, fast schüchtern versucht bemerkbar zu machen. Was aber gar nicht nötig wäre da er mit einer frischen Säure brilliert ohne sie übereinzusetzen.

Nicht die Frucht dominiert diesen Rosé sondern blumige Aromen, eingebunden in einer dezenten Säure verbunden mit einer schönen leichten Würze, vermitteln ein leichtfüssiges Trinkvergnügen allerfeinster Güte. Irgendwie filigran und doch fest im Auftritt gibt er eine schöne und florale Note preis. Im Nachhall fein herb, angenehm am Gaumen und wie von Zauberhand verschwindend. Man will mehr davon.

Resümee: Ich ertappe mich immer wieder dabei wie ich meine Nase tief ins Glas stecke um mich an dem fast schüchternen Bukett zu erfreuen. Es ist eine sehr schöne Erfahrung wenn man an das übliche ‘Gebrüll’ gewöhnt ist. So edel und vornehm kann eine ‘Nase’ sein. In Verbindung mit dem Geschmack ein fein ausbalancierter Wein der keine Ecken und Kanten hat. Ein rundum harmonischer Tropfen für viele Anlässe und auch solo ein Begleiter der viel Freude macht. Die 12,5% unterstützen frisch die entsprechende Leichtigkeit des Seins und lassen den Touraine zum wundervollen Weinerlebnis werden. Mit Euro 7,40 verkauft sich dieser Tropfen weit unter Wert.

Tipp: 10-12ºC würde ich empfehlen. Zu kalt serviert würde das blumige Aroma vertreiben. Eine zweite gekühlte Flasche kann nicht schaden, geht der Wein doch weg wie nichts.

Einen ausführlichen Bericht über den Pineau d´Aunis lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Touraine ‘Pineau d´Aunis’ AOC 2009 von Veronique und Dominique Barbous´ ‘Domaine des Corbillières’ aus Oisly an der Loire, Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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