Strasser Weinberge 2014 Grüner Veltliner

| 22. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Flug in den Veltlinerhimmel

Perfekte Balance zwischen Frucht und Würze, zwischen Dichte und Feinheit, zwischen Opulenz und Kargheit. Veltliner kann so aussergewöhnlich sein!

Winzer/Weingut: Martin & Anna Arndorfer, Strass/Strassertale, Österreich.

Lage/Herkunft: Von den besten Lagen wie Gaisberg, Wechselberg und Hasel, von über 25 Jahre alten Rebstöcken.

Strasser Weinberge Allgemeines: Im Herbst 2015 hatte ich bereits zwei Weine von Martin & Anna Arndorfer aus Strass im Strassertale verkostet. Einen Roten und einen Grünen Veltliner. Beide waren traumhaft. Heute habe ich wieder einen Protagonisten von den beiden im Glas; der Grüner Veltliner Strasser Weinberge 2014 steht zur Inspektion am Tisch der Wahrheit. Die Grundlage für diesen Wein sind alte Weingärten in den wertvollsten Lagen in Strass. Die Trauben stammen aus den besten Lagen wie Gaisberg, Wechselberg und Hasel, von über 25 Jahre alten Rebstöcken. Ausgebaut wurde der Wein im Edelstahl und im grossen Holzfass bevor er in die klassische Schlegelflasche abgefüllt wurde. Nach den letzten zwei Pretiosen die ich von den beiden verkostet habe bin ich heute also mehr als nur gespannt, ob mir der dritte Tropfen auch so gut gefallen wird. Eine Stunde lasse ich ihn in der Karaffe stehen und trinke ihn dann mit frischen 10º an. Und weil es sich beim Strasser Weinberge um eine Lagenreserve, einen komplexen Wein handelt, entscheide ich mich dafür, ihn aus dem grossen Glas zu verkosten.

Im Glas: Kräftiges Gelbgold leuchtet aus dem grossen Becher raus.

In der Nase: Was die Nase hochdampft ist ein Feuerwerk an dichter Würze, hochreifer exotischer Frucht und feinem nussigen Rauch. Nach einer Minute verliert sich die anfängliche Opulenz und es steht ein ziemlich feiner, wenn auch kräftiger Duft im Glas. Melone, Pfeffer, ein paar Wiesenkräuter. Aromatisch, teils pikant und ausgesprochen gelbwürzig fühlt sich der Strasser Weinberge zwischen den Nasenflügeln an. Da steckt der Tiger im Tank.

Im Mund: So muss wohl der Nektar den sich die Römer hinter die Binde kippten geschmeckt haben. Was für eine sündige Opulenz fliesst da auf die Zunge? Und die ist nicht einmal dick, sie ist nur derart hoch konzentriert, dass man sie förmlich lutschen kann. Rauchig ist es am Gaumen, während auf der Zunge frische Birne und Melone um die Wette streiten. Eingehüllt sind beide von einer gelben Würze die einfach berauschend ist. Füllig in der Zungenmitte, säurebetont auf ihrer Spitze. Wie überhaupt die animierende Säure für den perfekten Gegenpart zu der Extraktexplosion sorgt. Sünde pur, unbändige Lust, die Gier nach mehr. Der Strasser Weinberge ist sinnlich und erotisch und sorgt mit seiner Wahnsinnsaromatik für wohliges Schaudern im Maschinenraum. Der Abgang würzig, gelb, zart rauchig sowie überraschend fein. Der Nachhall lang und intensiv.

Die Wahl des grossen Glases war richtig. In einem normalen würde der Wein wie in einem Käfig eingesperrt sein und sich in seiner Aromatik und seinem eigenen Extrakt selbst ertränken. So aber geht er auf, hat Platz, für welchen er sich auf der Zunge auch bedankt indem er sein ganzes Potential zeigt. Die Opulenz bereits nach einer halben Stunde gewichen, jetzt ausgesprochen trocken, unheimlich viel Grip auf der Zunge, der Boden schmeck- und spürbar. Saftige Frucht in einen feinen Nussmantel eingehüllt. Dunkle Birne, etwas Melone und eine reife Apfelscheibe vergnügen sich im Strasser Weinberge. Weisser Pfeffer oben drauf und das ganze in einen Körper verfrachtet aus dem am Ende wunderbare gelbe, staubtrockene Würzigkeit entweicht. Der Gaumen hat sich bereits aufgegeben, sein Schicksal angenommen und ist mit sich und dieser hocherotischen, gelbwürzigen wie auch dunkelfruchtigen Aromatik im Reinen. Was für ein Zaubertrank? Veltliner kann so aussergewöhnlich sein!

Was mir besonders gut gefällt am Strasser Weinberge ist seine dunkle Seite. Einerseits die Würze die sich in dunklem Gelb zeigt, andererseits dieser dezente nussige Rauch, der fast nicht wahrnehmbar und doch permanent vorhanden ist. Er steht in Form von feinstem Nebel am Gaumen, haftet dort richtig, pinselt ihn wie mit einer feinen Staubschicht ein. So sehr man anfangs den Saft auf der Zunge spürt, so trocken ist der Wein am Gaumen und trocknet im Anschluss auch auf der Zunge rasch auf. Pfeffer widersetzt sich allem und bleibt als einziger Protagonist am Ende übrig.

Resümee: Was opulent begonnen hat ist zu einem wunderbaren Saft geworden der die perfekte Balance zwischen Frucht und Würze, zwischen Dichte und Feinheit und Opulenz und Kargheit schafft. Ich liebe diesen Tropfen und empfehle nochmals: Geben Sie ihm Zeit und nehmen Sie unbedingt ein grosses Glas. Dann ist ein Flug in den Veltlinerhimmel garantiert.

Tipp: 1-2 Stunden in die Karaffe damit. Mit 10-12º am besten zu geniessen. Burgunderbecher ist angesagt. Zum Wiener Schnitzel, Backhendl, Saibling, Zander oder Sushi. Oder einfach zu ‘nem Butterbrot. Oder trinken Sie ihn solo und fliegen sie.

Einen Bericht über den Strasser Weinberge lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Strasser Weinberge 2014 Grüner Veltliner vom Weingut Martin & Anna Arndorfer aus Strass im Strassertale, NÖ. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

Tags: , , , , ,

Kategorie: 225 Liter, Verkostet

Ihr Kommentar