St. Magdalener Classico 2013

| 24. April 2015 | 0 Kommentare ...alles

Trinkspass pur.

Das ist Spasswein, das ist Saufwein, das ist Wein zum fröhlichen wie unbeschwerten Verputzen. Das ist schlichtweg Trinkspass pur.

Winzer/Weingut: Franz Gojer, Glögglhof, Bozen, Südtirol.

Lage/Herkunft: Von sandigen Kalkmergelböden vom Glögglhügel unterhalb des Glögglhofs.

St. Magdalener Flasche/Etikett: Ein relativ stark reduziertes Design macht das kleine Etikett auf der Flasche aus. Helles Beige als Untergrund, ganz oben steht schlicht und einfach Franz Gojer in schwarz. Durch die Mitte ziehen sich als einfache Linien die Südtiroler Berge und das ist auch schon alles was an Illustration zu sehen ist. Ganz unten noch ein dicker gewellter Strich mit der Silhouette einer Kirche drauf und fertig. Unterhalb steht Glögglhof neben der Abbildung einer kleinen Glocke. Zwischen den Linien liest man Südtirol, darunter St. Magdalener etwas grösser in schwarz und Classico in rot. Dann noch der Jahrgang und Ende Gelände. Am ebenso beige gehaltenen Rückenetikett dann noch einmal alles was was vorn schon drauf war, inklusive der Illustration in einem eigenen Rahmen ganz unten. Sonst nichts Wesentliches ausser dem was drauf sein muss. Für eine halbe Stunde kommt der St. Magdalener Classico in die Karaffe und dann ins polierte Glas.

Im Glas: Ausgesprochen hell leuchtet der St. Magdalener Classico in funkelndem rubinrot aus dem Glas heraus. Transparent bis auf den Boden ist es drin.

In der Nase: Heidelbeeren und Schlehe sorgen für die Farbe Blau in der Nase. Es duftet wunderbar würzig und frisch und man ertappt sich dabei wie man seine Nase am liebsten darin tränken möchte. Es ist aromatisch, wirkt kühl und am Ende scheint es sogar ein wenig fruchtig zu werden. Ein Duft zum schnüffeln. Letztlich aber dominiert eine blaue Würze das Geschehen im Riechorgan und macht grosse Lust auf ein erstes geschmackliches Kennenlernen.

Im Mund: Kaum auf der Zunge, raschelt es wie in der Sandkiste. Feinste Partikel, in diesem Fall Gerbstoffe, machen auf der Stelle klar, dass hier für Spass in der Futterluke gesorgt wird. Es schmeckt kirschig, es schmeckt rot und es fühlt sich traumhaft fein an was da auf der Zunge und am Gaumen abgeht. Nicht zu vergessen die äusserst edle blaue Würze die dem Ganzen noch den ultimativen Kick verleiht. Da ist richtig Feuer in der Bude und der St. Magdalener Classico sorgt für ein frisches wie auch saftiges, vor allem aber feinst sandgestrahltes Mundgefühl. Einfach wunderbar. Es ist als würde es knacken wenn man draufbeisst, man spürt den Saft der Kirsche und merkt gleichzeitig wie spröde alles wirkt. Vor allem am Gaumen spürt man den Wein so richtig aufgehen und wie er als feiner Nebel getarnt von ihm wieder abfällt, sich in ultrafeiner Körnigkeit auflöst. Schon jetzt steht fest, der Speck ist das perfekte Futter für diesen Klassiker.

So leicht wie der Wein auf der Zunge steht würde man niemals vermuten, dass er 13,5 PS unter der Haube hat. Wo sind die? Es ist schlichtweg luftig, fruchtig, würzig, saftig und weitmaschig. Fast schwerelos fliesst der St. Magdalener Classico über die Zunge, an ihren Rändern haftet kühler Saft in rot und blau und am Gaumen meint man etwas Nelke zu schmecken. Erst im Nachhall taucht eine leichte bittere Note (Schlehe) auf und sorgt dafür, dass es nicht kitschig wird ob dieser wunderbar leichten und fröhlichen Charakteristik mit welcher sich der Wein sonst zeigt. Das macht ihn aber noch attraktiver, weil, oh Wunder, der Appetit gewaltig angeregt wird. Ich habe definitiv ein neues “Spielzeug” gefunden! Von dem will ich mehr. Und auch vom Speck. Und vom Käse. Und vom… was für ein Charmeur!

An der Luft entwickelt sich der St. Magdalener Classico immer mehr hin zu einem erdigen, trockenen Gesellen, welcher aber niemals seine rote Frucht oder seine blaue Würze verliert. Es verschmilzt nur alles zu einem grossen Ganzen, um am Ende, auch dank der grandiosen Gerbstoffstruktur, zu einem äusserst delikaten wie auch griffigen Wein zu werden. Im Abgang jetzt viel kalkiger, im Nachhall dieser elegante Bitterton der für soviel herbe Eleganz sorgt. Während auf der Zungenspitze noch immer die freche kleine Kirsche steht und als Statist versucht vielleicht doch noch eine Nebenrolle zu ergattern.

Resümee: Das ist Spasswein, das ist Saufwein, das ist Wein zum fröhlichen wie unbeschwerten Verputzen. Das ist schlichtweg Trinkspass pur. Guter Speck, gute, auch fettere Wurst und natürlich guter Käse und ebensolches Brot sind für diesen Wein wie gemacht. Die Frage die sich dabei stellt ist nur: Wovon hat man mehr im Haus? Denn eines ist sicher. So wie sich der Wein trinkt, sollte man am besten ganz viel davon gebunkert haben. Von beidem. 11 Euro kostet dieser Spass pro Flasche. Ein Klacks im Vergleich zu dem was guter Speck und guter Käse kostet.

Tipp: Eine halbe Stunde Luft tut ihm gut. Mit 14-16º geniessen. Macht vieles mit, aber guten Speck, feine Wurst und Käse adelt er mit höchsten Weihen. Die Krönung jeder rustikalen Brettljause. Sogar als Solist entpuppt er sich als wunderbarer Entertainer.

Einen Bericht über den St. Magdalener Classico lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein St. Magdalener Classico 2013 von Franz Gojers Glögglhof in Bozen St. Magdalena, Südtirol. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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