Spätburgunder Rosé 2013

| 26. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Ein echter Macho und alles andere als charmant.

Griffig, stoffig, alles andere als charmant. Schert sich null und nichts um Konventionen und macht sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste.

Winzer/Weingut: Enderle & Moll, Münchweier, Baden, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Münchweier Kirchhalden mit 25-35 Jahre alten Rebstöcken auf Buntsandsteinböden.

Spätburgunder Rosé Flasche/Etikett: Im gewohnt klassischen Anti-Design ist auch das Etikett des Spätburgunder Rosé gehalten. Leicht vergilbt, mit einer dünnen Linie als Rahmen umzogen, prangt oben das Wappen von Münchweier, welches eine blaue Sichel zwischen zwei grünen Nadelbäumen zeigt. Geschwungen steht ganz gross in schwarz Spätburgunder Rosé in der Mitte und ganz unten wie gewohnt ENDERLEMOLL. Mehr gibt´s vorne nicht zu sehen und auch am Rückenetikett steht gerade einmal drauf was unbedingt auf einem Etikett stehen muss. Oben liest man LANDWEIN OBERRHEIN sowie die Losnummer. Links unten gross die lustigen 11,5 PS die in dieser Flasche für Vortrieb sorgen. Weil auch der Rosé unfiltriert abgefüllt ist und man etwas Trub erkennen kann, wird auch er in die Karaffe umgefüllt damit sich dieser setzen kann. Ausserdem, so vermute ich, tut dem rosaroten Tropfen ein wenig Umgebungsluft ganz gut und so darf er sich für eine halbe bis dreiviertel Stunde an selbige anpassen bevor er in den Kelch kommt.

Im Glas: Dunkelrosaerdbeerrot. Genau so sieht der Spätburgunder aus im grossen Becher.

In der Nase: Direkt nach dem Umfüllen in die Karaffe zeigt er sich als Stinker vor dem Herrn, was sich auch eine Stunde lang nicht ändert. Deshalb wird Skunki noch einmal zurück geschickt. Nach knapp zwei Stunden beginnt er sich zu öffen und Aromen von Himbeeren, Kirschen und grünen Kräutern schaffen es immer mehr an die Oberfläche zu kommen. Erdig wird es, Johannisbeeren werden erkennbar und auch jene Würze, die schon bei den beiden Liaisons mit einem frischen Minzblatt oben drauf beeindruckt hat.

Im Mund: Rosaroter Spätburgunder der mit Zitrusfrucht am Gaumen antanzt. Was ist das denn? Gnadenlos salzig ist die Mineralikladung die von der Zunge über deren Ränder abfliesst, beängstigend agil die Säure. Frisch ist untertrieben, hier wird mit purer Lebenslust geprotzt. So weich und mild der Wein vom Mundgefühl her ist, so rassig ist er dank seiner Säure und Mineralik. Dabei überrascht er mit einem ganz feinen herben Grip auf Zunge und Gaumen, man spürt ein samtiges Gerbstoffgerüst das sich breit macht und staunt nach wie vor über dieses ausgeprägte Säure- und Mineralikspiel. Richtig knusprig ist der Spätburgunder Rosé und dabei weich und mild im Mund. Es scheint als würde er nach knapp drei Stunden erst so richtig Fahrt aufnehmen.

Vier Stunden an der Luft haben den Spätburgunder Rosé ein wenig ‘nachgeben’ lassen hinsichtlich der knackigen Säure. Immer mehr verwandelt er sich hin zu jenem Spätburgunder, der an den Liaison erinnert, nur dass er rosa ist. Es ist kräutrig am Gaumen, man schmeckt Johannisbeeren, das ominöse Minzeblatt ist wie es scheint ein Markenzeichen und, trotz seiner gewissen Fruchtigkeit, ist der Tropfen alles andere als fruchtig. Vielmehr dominiert seine Knusprigkeit mit der er sich durch den Mund bewegt, die Säure ist feiner geworden, die Mineralik gibt nach wie vor den Ton an und alles wird von einem dezent herben Mundgefühl begleitet. Ahnend wie sich der Spätburgunder Rosé entwickeln wird beschliesse ich, den Rest davon am nächsten Tag zu verkosten.

Wie erwartet hat sich der Wein enorm verändert. Er jetzt fleischiger im Mund und doch fühlt es sich leicht und fein an. Es ist etwas fruchtiger geworden, aber auch herber auf der Zunge und am Gaumen. Der Wein hat Grip bekommen, die Säure ist nach wie vor ausgesprochen präsent, doch milder in ihrem Angriffsverhalten. Was nach wie vor den Ton angibt sind die kecken Zitrusnoten und die extreme Mineralik. Kaum steht er auf der Zunge, spürt man wie der Wasserpegel ansteigt und der Speichelfluss sich an den Rändern verstärkt. Hinten tropft es, vorne ist es bereits herb und trocken. Von gestern auf heute hat der Rest in der offenen Flasche übernachtet. In der Früh wurde dieser noch einmal in die Karaffe verfrachtet und jetzt tut der Tropfen so als wäre das die normalste Sache der Welt. Als würde er sagen “he, ich brauche halt ein wenig Zeit um meine Ausgehuniform anzulegen”.

Resümee: Er ist ein wilder Hund, der Spätburgunder Rosé. Schert sich null und nichts um Konventionen und macht sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste. Lässt einen ewig warten um dann furztrockener als echter Macho aufzutreten. Griffig, stoffig, alles andere als charmant. Alles verflogen, jetzt hat er sich gefunden und erst jetzt merkt man so richtig, dass man eigentlich den Liaison im Mund hat. Nur eben rosarot.

Tipp: Braucht mindestens zwei Stunden im grossen Dekanter. Drei und mehr sind besser. Oder überhaupt erst am nächsten Tag antrinken. Mit max. 8-10º aus dem grosssen Burgunderglas geniessen. Geht locker zu Fleischgerichten und zu deftiger Gemüseküche. Zur Alleinunterhaltung bedarf es viel Geduld. Am besten erst am zweiten Tag.

Einen Bericht über den Spätburgunder Rosé lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Spätburgunder Rosé 2013 vom Weingut Enderle & Moll aus Münchweier in Baden, Deutschland.

Tags: , , , , ,

Kategorie: Enderle & Moll, Verkostet

Ihr Kommentar