‘Singulier’ Arbois 2010

| 2. August 2013 | 0 Kommentare ...alles

Lebhaft, aktiv, pulsierend & ausgelassen.

Rotweinabenteuer für echte Abenteurer. Für Leute die gerne was riskieren um neue Erfahrungen zu machen. Grandioser Tropfen.

Winzer/Weingut: Stéphane Tissot, Domaine A. & M. Tissot, Jura, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Weinbergen auf den Hügeln rund um Arbois, im Herzen des französischen Jura.

Singulier Flasche/Etikett: Abgefüllt in der typischen ‘Tissot-Flasche’ welche an eine abgewandelte Form einer Sachsenkeule erinnert, klebt auf dieser ein hohes helles Etikett mit der simplen Illustration einer Weinpresse. In Grossbuchstaben SINGULIER ganz oben, mit einem goldenen Balken unterstrichen, darunter die Rebsorte und hochgestellt der Jahrgang. Klassisches ‘Tissot-Design’. Am unteren Rand Bénédicte & Stéphane Tissot und das war´s dann auch schon wieder. Auf der Flasche aufgeprägt ist JURA, damit man gleich weiss aus welcher Ecke Frankreichs dieser Wein kommt.

Am Rückenetikett erfährt man alles was man unbedingt wissen muss. Wichtig auf jeden Fall der Hinweis, dass der Wein aus Trauben aus biologischem Anbau stammt, Ecocert-zertifiziert ist und das Gütesiegel der AB trägt. Bevor der Singulier aber zu einer feudalen Schlachtplatte mit Käse, Schinken, Speck und Würsten serviert wird kommt er für eine Stunde in die Karaffe. Dann wird man schauen wie er sich im Verlauf der kleinen Schlemmerorgie entwickelt.

Im Glas: Schon die Farbe ist ein Hingucker. In hellem rot steht der Singulier im Glas, sieht ‘dünn’ ob seiner Klarheit und Transparenz aus, nichts deutet auf etwas kraftvolles oder körperreiches hin.

In der Nase: Der Duft… ungewöhnlich, rotfruchtig, markant, ergreifend. Viel Kirsche, viel Pfeffer und noch viel mehr Erdbeere. Auch Himbeeren mischen kräftig mit im Aromenpool. Da tanzt das Fruchtorchester Polka in der Nase und wirbelt braune Erde unterm Holzfussboden auf. Es riecht ungemein saftig, betörend fruchtig und die freche Pfeffernote sowie eine feine braune Würze runden diesen Beerentopf stimmig ab. So etwas riecht man nicht alle Tage und die zarten Veilchennoten die im Hintergrund für florale Begleitmusik sorgen setzen dem ungewöhnlichen Bukett die Krone auf.

Im Mund: Totalverwirrung ist das erste was der Tropfen im Mund auslöst. Spürt man im ersten Moment die volle Frucht auf der Zunge, so ist sie sogleich wieder weg und man findet sich in einem Meer aus Gerbstoffen wieder die so trocken sind, dass sie wieder weg sind bevor man noch begriffen hat was da abgeht. Mit reichlich ausgeprägter Säure drückt er auf die Zunge, quietscht vor frischer Kirschfrucht einerseits und dreht sich augenblicklich um 180º, um seinen spröden Charakter aus dem Sack zu lassen. Erfrischend kann man das nennen, man wird förmlich ‘überfallen’ von diesem Wein, die Zunge jubelt kurz in einem Bad von Kirschen, Erd- und Himbeeren auf und der Gaumen fasst es nicht wie trocken diese Gerbstoffe sind. Im Abgang spürt man den Singulier fruchtig über den vorderen Gaumen ziehen und bleibt am Ende mit einem trockenen, spröden und gleichzeitig süssen Belag auf selbigem übrig.

Nach der ersten entwirrten Verwirrung fängt der Singulier dann richtig Spass zu machen an. Man hat sich an das markante und ungewöhnliche ‘Aroma’ gewöhnt und kann sich voll auf seine Talente konzentrieren. Die frische Fruchtsäure die der Wein im Mund ablässt ist fantastisch, frech, pfeffrig, fruchtig, ein wenig süss und auch ein wenig ‘sauer’. Das suggeriert Leben, Aktivität, Puls und Ausgelassenheit auf der Zunge. Man leckt sich die Lippen ob der als süss empfundenen Fruchtaromen ab und geniesst die rustikale Ader der Gerbstoffe die so knackig sind, dass man sie zu lieben anfängt. Sie sind nicht kantig oder schroff, in ihrer Art sind sie sogar fast weich, was durchaus als Kunststück gelten mag. Ich kenne keinen Wein der auch nur annähernd so ‘schmeckt’ und sich so ‘anfühlt’ wie dieser hier. Seitens der Tannine herb, spröde, knochentrocken, seitens der Frucht frisch und frech und am Gaumen fast süss. Ein grandioses Weinerlebnis, und eines schon vorweg; das Fett der Schlachtplatte zu der er genossen wird löst er praktisch vollständig auf, erweist sich als Zaubertrank zu Cholesteringeschwängerten Holzbrettbelägen. Interessant ist auch der Nachhall dieses Weines. Fruchtig, trocken, ein wenig floral und auch dunkelwürzig. Mit einem Tick von Süsse die alles zu einem äusserst ungewöhnlichen Geschmackserlebnis werden lässt. Im Duft nimmt er mit Luft an brauner Würze und Pfeffrigkeit rasant zu, im Geschmack wird er immer saftiger, die Tannine werden runder ohne ihre trockene Sprödheit zu verlieren, der Singulier wird intensiver, charismatischer und noch betörender.

Resümee: Das ist Rotweinabenteuer für echte Abenteurer. Für Leute die gerne was riskieren um neue Erfahrungen zu machen. Dieser Wein ist eine ‘Waffe’ wenn es darum geht sich vor bösem Cholesterin zu schützen, der es einfach wegbläst und keine Zeugen hinterlässt. Der Singulier ergänzt ab sofort das Erste Hilfe-Paket welches feststoffliche, Fettablagerungen verursachende Probleme augenblicklich ‘aus der Welt schafft’. Dolcetto, Schiava (auch bekannt als Vernatsch) und ab sofort Trousseau. Auch wenn die Flasche 20 Euro kostet, in diesem Fall geht die Gesundheit vor und Naturmedizin ist halt immer noch ein wenig kostenintensiver als die getunte Pille aus der Apotheke.

Tipp: Eine Stunde in die Kanne und dann bei 15-17º geniessen. Zu Schinken, Speck, Würsten, Braten und sonstigen zu Fleisch verarbeiteten Produkten. Schreit nach Cholesterin am Teller und hat sogar das Zeug als Solo-Entertainer richtig gute Figur zu machen. Trauen Sie sich! Das ist echtes Abenteuer.

Einen Bericht über den Singulier lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Trousseau ‘Singulier’ Arbois 2010 von Stéphane Tissot aus Arbois im Jura, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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