Silvaner trocken 2012

| 13. April 2016 | 0 Kommentare ...alles

Nahe so typisch, Silvaner so anders

Sicher ein Silvaner der etwas Eingewöhnung braucht, dann aber ein äusserst spannender und charaktervoller Begleiter ist.

Winzer/Weingut: Weingut von Racknitz, Odernheim, Nahe, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von alten Reben aus dem Elsass die auf Kalk- und Schieferböden stehen.

Racknitz Allgemeines: Die Nahe geht mir nahe. Besser gesagt so mancher Wein der von der Nahe kommt, und noch besser, wenn er von Luise Freifrau von Racknitz und ihrem Mann Matthias Adams vom Weingut von Racknitz aus Odernheim kommt. Da weiss ich nämlich immer was ich bekomme und ebenso, dass ich das mit 99%iger Sicherheit mag. Die beiden haben sich dem ‘Langsamen Wein’ verschrieben, halten nichts von allgemeinen Lärm des Marketings und produzieren in aller Ruhe ihre Weine, die so eigenständig wie auch unverkennbar sind. Einen davon habe ich heute im Zuge des Verkostungsthemas Hauptsache Silvaner hier am Tisch der Wahrheit stehen. Einen, der aufgrund der Rebsorte lange zu den irgendwie verschmähten, dann vergessenen, in letzter Zeit aber doch wieder aufkommenden Sternen am Weinhimmel zählt; der Silvaner. In diesem Fall der Silvaner trocken 2012. Spontanvergoren und im Edelstahl ausgebaut ist der Wein, dessen genetisches Pflanzmaterial sehr alt ist und aus dem Elsass stammt. Ich bin bereits sehr neugierig, denn was ich von den Rieslingen von von Racknitz kenne, sollte bei ihrem Silvaner wohl nicht allzu anders sein was Qualität angeht. Für eine halbe Stunde kommt der Silvaner 2012 aber vorher noch in die Karaffe um sich ausgehfein zu machen.

Im Glas: In kräftigem Gelb steht der Silvaner im Glas.

In der Nase: Leichter Spontiduft steigt auf, vermischt sich aber rasch mit der so typischen Nahe-Rauchigkeit die an feuchten Stein erinnert. Karamell, Ringlotten und reifes Steinobst riecht man. Dabei steht vom Empfinden her aber nicht wirklich die gelbe Frucht im Vordergrund, vielmehr ist sie in einer ebenso gelben wie zart braunen Würze eingebettet. Erst wenn sich die Spontinase ein wenig ausgetobt hat wird es klarer und auch mineralischer im Riechorgan.

Im Mund: Und dann geht´s auf zur Reise durch die Mineralikgärten. Von rescher Säure umspült schmeckt man kalten Stein und spürt, wie diese frisch und fröhlich über das Geröll fliesst. Knackig ist der Silvaner, saftig, gelb und sogar etwas salzig. Ausgesprochen frisch das Mundgefühl. Auf der Zunge tropft der Saft ringlottig vor sich hin, der Gaumen ist komplett der gelben Würze ausgeliefert. Die Kombination ein Mittelding zwischen etwas Frucht und ganz viel Stein. Es füllt den Mund, hat aber nicht wirklich Volumen. Vielmehr ist es die überbordende Mineralik die mächtig Eindruck schindet. Im Abgang leicht rauchig, was ich an den Racknitz-Weinen gar so liebe, gelbwürzig, steinig, säurebetont und saftig. Der Nachhall ebenso würzig wie mineralisch.

Wie erwartet mausert sich der Silvaner an der Luft zu einem immer mineralischer, immer würziger werdenden Tropfen. Wer die Frucht sucht der muss ganz tief graben, um letzte Reste einer Ringlotte aufzustöbern. Die ist so tief unter dem Geröll verschüttet, dass der Aufwand sich nicht lohnt. Dafür spürt man auf der Zunge weichen Saft der jetzt auch Haftung hat, der mit einer gewissen weissen Blütenherbheit aufgepeppt ist und sich am Ende mit einem kurzen salzigen Blitzer auf der Zungenspitze verabschiedet. Man spürt weiss, man schmeckt gelb, empfindet salzig und freut sich über feinen Rauch. Der Silvaner tanzt, ist frisch, hat Saft, ist weich und doch knackig, füllt den Mund, sättigt aber nicht. Ein gelbwürziges Erlebnis das so harmonisch ist, dass man es schmeckt und spürt zugleich. Silvaner kann so schön und eindrucksvoll sein. Tolle Show.

Immer mehr mischt sich zartes Karamell unter die gelbe Würze, man ahnt das reife Steinobst im Hintergrund, während vorne dichter Saft auf der Zunge steht. Mit seinen 12 PS ist der Silvaner ein echtes Leichtgewicht, schafft es aber trotzdem aufgrund seiner expressiven Würze kräftig zu erscheinen. Und am Gaumen weht der Wind des nassen Steines, welcher sich langsam aber stetig in feinem Rauch auflöst. Nahe so typisch, Silvaner so anders. Ein gelungener Vertreter seiner Gattung und einer, der dazu auch noch richtig Spass macht. Kernig und knackig, weil herrlich frische Säure alles unterspült, würzig-mineralisch im Mundgefühl und saftig-gelb im Geschmack.

Resümee: Sicher ein Silvaner der etwas Eingewöhnung braucht, dann aber ein äusserst spannender und charaktervoller Begleiter ist. Und wie eingangs schon vermutet, reiht sich der Silvaner lückenlos in das restliche von Racknitz’sche Weinsortiment ein. Ihr Silvaner trocken 2012 ist Trinkspass pur. Etwas anders, dafür aber umso eindrucksvoller.

Tipp: Unbedingt eine Stunde in die Karaffe damit. Zwei sind besser. Mit ca. 10° geniessen. Passt zu zahlreichen Süßwasserfischen, zu Gemüse- und Geflügelgerichten oder zur Hühnerbrust. Als Solist einer den man sich erarbeiten muss, der Ansprüche stellt, dann aber richtig grossen Spass macht.

Einen Bericht über den Silvaner trocken 2012 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Silvaner trocken 2012 vom Weingut von Racknitz aus Odernheim, Nahe, Deutschland. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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