Scheurebe 2015 Reserve

| 21. September 2016 | 0 Kommentare ...alles

Scheurebe der besonderen Art

Was Markus Brandt da abgefüllt hat ist eine Scheurebe die mehr als gelungen ist. Das ist ein perfekt gelungenes Barrique-Experiment und deshalb mehr als nur beachtenswert. Gratulation!

Winzer/Weingut: Weingut Brandt, Dittelsheim-Hessloch, Rheinhessen, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Kalksteinböden in den Weinbaugemeinden Hessloch, Bechtheim, Alsheim und Guntersblum.

scheurebe-reserve-2015 Allgemeines: Aus dem wunderbaren Wonnegau in Rheinhessen kommt der Wein der heute hier am Tisch der Wahrheit steht. Und zwar von einem jungen Winzer, der erst 2011 seinen ersten Jahrgang abfüllte und seither mit Riesenschritten in der Szene unterwegs ist. Damit es dann aber gleich richtig kracht in der Weinlandschaft, hat Markus Brandt aus Dittelsheim-Hessloch, experimentierfreudig wie er nun einmal ist, neben seiner “konventionellen” Scheurebe die er im Stahltank ausbaut, auch eine ins Barrique verfrachtet um zu sehen was sich dort entwickelt. Quasi als Gegenteil von dem was er üblicherweise macht, nämlich glasklare Weine die aus dem Edelstahltank kommen. Seine im Barrique ausgebaute Scheurebe Reserve 2015 wird nun hier verkostet und ich bin mehr als neugierig was da auf mich zukommt, ist es doch meine allererste “holzgetäfelte” Scheurebe. Entsprechend gross ist Vorfreude. Für eine halbe Stunde wandert der Tropfen in die Karaffe und dann kann es losgehen mit dem grossen Abenteuer.

Im Glas: Weiss, oder fast weiss ist das neue zitrusgelb. Oder so ähnlich. So steht die Scheurebe Reserve nämlich im Glas. Wie ein Albinohase.

In der Nase: Dafür tanzen in den Nasenflügeln frische Zitrusnoten mit grünen Kräutern, Litschis mit Pfirsich und etwas nasser Stein ergänzt das Fruchtkonzert. Sehr frisch, sehr knackig, vom Holz keine Spur im Duft und vor allem wird der Speichelfluss gefördert. Ein sehr anregender, animierender und lebenslustiger Duft der da aus dem Glas strömt. Wunderbar!

Im Mund: Erstens ist es weich und zweitens ist es weiss. Und zwar weissblütig. Mit etwas Honig unterlegt, darauf ein Pfirsich und alles in einem Körper endverpackt, welcher sich leicht cremig vorsichtig im Mund ausbreitet. Man spürt, dass die Hefe aufgerührt wurde, denkt irgendwie an die Loire dank dieses weichen Mundgefühls und kaut genussvoll an dem Tropfen rum. Dadurch findet man auch wieder die Zitrone, die sich im Gegensatz zum Duft, im Mund ein wenig rücksichtsvoller auf der Zunge präsentiert. Es fühlt sich frisch an, es schafft gekonnt den Spagat zwischen knackig und hefeweich, betört mit einer sehr weichen Textur und erfrischt mit einer gelbfruchtigen Aromatik die sehr schön mit der agilen Säureader harmoniert. In des Wortes Sinn kann man schon sagen, dass die Scheurebe Reserve ein sehr “feiner” Wein ist.

So richtig sexy macht die Scheurebe Reserve eine kleine Zuckerspur, welche am Ende auf der hinteren Zunge übrig bleibt. Diese wirklich dezente Zitrusfrische in Kombination mit dem weichen Körper und des kleinen Zuckerstichs ist äusserst sexy, sehr charmant und fühlt sich grandios gut an. Auf der Zunge steht der Tropfen weich wie Marshmallow und am Gaumen ist er fein und fühlt sich nach weissen Blumen an. Um im Abgang sogar eine feine Herbheit zuzulassen aus welcher letztlich wieder Pfirsich und Zitrone austreten. Der Nachhall hat etwas charmant Fruchtiges wie auch leicht herb Weisses anzubieten und insgesamt trinkt sich der Wein derart einfach, dass es eine reine Freude ist. Eine erfrischende noch dazu. Vom Holz zeigt sich bestenfalls eine Ahnung, aber auch nur dann, wenn man sich darauf konzentriert. Da hat der Markus Brandt was ausgesprochen Tolles ins Gebinde abgefüllt.

Und weil das natürlich lange noch nicht alles sein kann, verwandelt sich die Scheurebe Reserve an der Luft in einen richtig griffigen Wein, lässt einen Staub und Kalk auf der Zunge fühlen, baut Haftung am Gaumen auf und zeigt sich von einer komplett anderen, hoch mineralischen Seite. Da ist enorme Textur vorhanden, der Zuckerstich komplett verschwunden, nur mehr Gefühl im Mund sowie ein Rest von gelber Frucht im weichen Körper. Ein Traum von Haptik welche sich da zeigt und sehr beeindruckt.

Resümee: War dieser Wein von Markus Brandt ein Experiment, dann muss man anerkennend sagen, dass es perfekt gelungen ist. Daumen hoch für eine Scheurebe der besonderen Art. Gratulation!

Tipp: Etwas Luft in der Karaffe ist fein, muss aber nicht sein. 10-12º Trinktemperatur lassen ihn aufblühen. Zu guter Gemüseküche, zum Wiener Schnitzel oder zur rustikalen Brettljause. Universell einsetzbar und als Solist ein entzückender Begleiter.

Einen Bericht über die Scheurebe Reserve lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Scheurebe Reserve 2015 vom Weingut Brandt aus Dittelsheim-Hessloch im südlichen Wonnegau, Rheinhessen, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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