Sauvignon vom Opok 2008

| 2. Oktober 2012 | 0 Kommentare ...alles

Vom Pfau zum Buddhisten.

Was zuerst dem Schauspiel eines Pfaues gleicht wird mit vermehrter Luft zu einem Wein der in sich ruht und grosse Harmonie ausstrahlt.

Winzer/Weingut: Weingut Maria & Sepp Muster, Leutschach/Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergelböden mit vermehrt tonigen Anteilen. Die steilen Hänge mit Neigungen bis zu 70% finden sich zum Teil in Kessellagen.

Flasche/Etikett: Braun ist sie, die schlanke Bordeauxflasche die da vor uns steht. Das Etikett geteilt in grün und gelb sprüht richtig vor Farbe und weckt Assoziationen an das saftige Grün der Hügellandschaft über dem die strahlend gelbe Sonne steht. Eingebrannt im unteren Eck der ‘Stempel’ MUSTER und links in Schreibmaschinentypo Sauvignon vom Opok. Ein insgesamt sehr saftig und sommerlich frisch wirkendes Stück Papier das nur die Farben für sich sprechen lässt.

Am schmalen Rückenetikett erfährt man alles über Wein und Boden, ein paar sensorische Angaben sind dabei und der Hinweis, dass es sich um einen Landwein aus biologisch-dynamischem Anbau handelt und man Demeter® zertifiziert ist. Ebenfalls der Hinweis auf die empfohlene Trinktemperatur die auch hier höher angegeben wird, nämlich um die 14º. Auch diesem ‘Jünger der Natur’ gewähren wir ein Frischluftbad und lassen ihn für eine Stunde in der grossen Karaffe nach Sauerstoff schnappen. Die Burgunderkelche sind bereit und werden explizit empfohlen, da auch dieser Tropfen eine grosse Oberfläche im Glas zu schätzen wissen und sich entsprechend dafür bedanken wird.

Im Glas: In der Farbe steht er goldgelb, knallig goldgelb und so intensiv und satt im Glas, dass man am liebsten reinbeissen möchte. Filmreif und neben jedem ‘konventionellen’ Weisswein gleich einem regelrechten Farbenrausch. Flüssiges Gold das duftet.

In der Nase: Im Vergleich zum EX VERO I den wir in dieser Runde ebenso verkostet haben, zeigt sich der Sauvignon vom Opok gleich beim Umfüllen vom Duft erst einmal wesentlich intensiver, ist nicht so verschlossen. Interessanterweise verhält sich der Sauvignon vom Opok genau umgekehrt zum EX VERO I, er zieht sich nach einer Stunde im Duft etwas zurück, wird ‘ruhiger’ und wesentlich mineralischer. Was zu Beginn förmlich rausgesprungen ist hat sich gesammelt und wirkt gezähmt. Man riecht Steiniges, Dillkraut und irgendetwas erinnert irgendwie an Senf. Trotzdem ist es ein frischer Duft der die Nase hochzieht, verwoben mit Kräutern und Gewürzen und überhaupt nicht hart. Es ist ein weicher, leiserer Duft geworden und man mag ihn einfach, auch wenn er anders als Gewohntes riecht.

Im Mund: Etwas völlig Ungewohntes strömt dann durch die Lippen auf die Zunge. Wer so etwas wie Frucht in diesem Wein sucht, der kann getrost bis Mittelerde graben, er wird keine finden. Wer erwartet hat gewohnten Sauvignon zu ‘schmecken’ der wird enttäuscht sein, weil er nicht verstehen wird, dass dies hier einer ist und nichts davon erkennen lässt. Da ist was ganz ‘Abgefahrenes’ im Mund. Weich und füllig fliesst der Sauvignon vom Opok über die Zunge um sich augenblicklich an den Seiten und am hinteren Ende mit einer kräutrigen Note festzusetzen. Umhüllt ist diese Kräuterwürze von einem ganzen Haufen mineralischem Gestein das mächtig aufzeigt und einen wissen lässt, dass hier der Berg im Wein regiert und für romantische Spielereien kein Platz ist. Auch bei diesem Wein ist eine ausgeprägte Salzigkeit vorhanden die frisch und frech über die Zungenränder gleitet und für richtig grossen Spass sorgt. Mineralik rules und schert sich nicht im Geringsten um irgendwelche Konventionen. Mit der Zeit wird es ein wenig grasiger im Mund, eine feine Kräuterwürze tritt in den Vordergrund und der Gaumen freut sich über einen leicht herben Film der sich über ihn legt. Entwaffnend ehrlich und entsprechend rücksichtslos lässt einen der Sauvignon vom Opok erkennen, wie anders Wein auch sein kann. Und kaum hat man sich ‘eingeschmeckt’ auf dieses Naturschauspiel, bleibt man ausgetrocknet, mit einem Hauch von feiner Bitterkeit und einem Salzrand auf der Zunge, alleine mit sich übrig. Ein paar Stunden später werden wir dann weiter kosten und sind sicher, dass wir noch einiges erleben werden.

Nach 6 1/2 Stunden Luftaufnahme verkosten wir das zweite Glas vom Sauvignon vom Opok. Das Bukett hat sich total verändert und im grossen Kelch riecht es nach ‘indischer Küche, etwas nach Cumin (Kreuzkümmel) und nach Curry, eingepackt in einer satten Kräuternote. Im Mund ist der Wein noch weicher geworden, wirkt fast warm und glänzt mit einer toll eingebundenen und doch sehr lebendigen Säureader. Was auffällt ist, dass der ‘Opok’ erheblich milder, dabei aber auch um einiges mineralischer geworden ist. Butterweich ist er am Gaumen und definiert sich insgesamt auch nur darüber. Um nach dem Abgang diese unwiderstehlich animierende Salzigkeit zurück zu lassen die noch lange nachwirkt, sich förmlich einbrennt und für ein permanentes ‘Zungenspiel’ sorgt. Im Abgang fliesst er sanft wie Öl die Kehle runter und beschert einen mittellangen Nachhall bei dem man sich wieder entscheiden muss welche Eigenschaft man bevorzugt. Das leicht herbe Finale oder die freche Salzablagerung in der Zungenmitte. Morgen geht es weiter.

Tag 2

24 Stunden später verkosten wir den ‘Opok’ erneut und stellen fest, dass das Bukett sehr verhalten geworden wird, es hat sich sehr weit zurückgezogen und man muss seine Nase schon ganz tief in den Burgunderkelch stecken um noch etwas zu erhaschen. Denn alles was jetzt noch im Glas seine Runden dreht ist pure Mineralik. Im Mund ist der Sauvignon Blanc ganz weich geworden, von Salz ist so gut wie nichts mehr zu spüren, dafür fühlt sich der Sauvignon vom Opok sehr cremig an. Die gestern noch sehr lebendige Säure hat sich voll in den Wein eingebracht und zeigt sich nur mehr sehr verhalten in einem wohlig weichen Körper. Der Wein ist ganz leise geworden, er wirkt in sich ruhend, lässt einen selbst ein wenig ruhiger werden. Es herrscht Harmonie im Kelch, fast möchte man sagen es wirkt ‘friedlich’. Auf der Zunge ist es weich und rund geworden, irgendwie sogar leicht nussig mit einem Touch von Hefeteig. Getragen von der verbliebenen feinen Säure. Am Gaumen wirkt er frisch und warm und im Abgang mineralisch mit einem Hauch Erde. Im Nachhall gar nicht allzu herb, mittellang und trocken.

Resümee: Der Sauvignon Blanc vom Opok ist ein Wein der mit der Zeit immer mehr in sich selbst geht, der am ersten Tag sein Pfauenrad aufzieht und zeigt was er so alles drauf hat, um sich dann darauf zu besinnen, dass langsam auch eine Alternative ist. Er wird fast zum ‘Buddhisten’, kehrt in sich ein und wird ein ruhiger, besonnener Geselle. Der verbliebene Rest wird auch hier noch über einen Tag verfolgt, ganz einfach weil wir neugierig sind. Insgesamt empfielt es sich den ‘Opok’ innerhalb eines Tages zu geniessen um seine unterschiedlichen Gesichter zu erleben. Wer mitverfolgen will wie sich sein Wesen mit der Zeit verändert, dem empfehlen wir das über zwei zu tun.

Tipp: Unbedingt 2-3 Stunden atmen lassen und über den Tag verteilt geniessen. 13-15º sind empfehlenswert. Wenn Sie innere Einkehr finden wollen trinken sie ihn über zwei Tage und entschleunigen Sie so den Alltag.

Einen Bericht über den Sauvignon vom Opok lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Sauvignon vom Opok 2008 von Maria & Sepp Muster vom Weingut Muster in Leutschach in der Steiermark, Österreich. Das Weingut Muster ist Mitglied der Wertevereinigung Schmecke das Leben.

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Kategorie: Schmecke das Leben, Verkostet

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