Sauvignon ‘Lieben Aich’ 2010

| 24. Mai 2012 | 0 Kommentare ...alles

Exotisch vornehm und bezaubernd.

Sauvignon Blanc von seiner romantischen Seite. Weich, rund, stoffig und für echte Sauvignon-Aficionados.

Winzer/Weingut: Manincor, Kaltern, Südtirol.

Lage/Herkunft: Von der Lage Lieben Aich in Terlan, einem Südwesthang auf 300 m Meereshöhe.

Flasche/Etikett: Zum Etikett gibt es nicht mehr viel zu sagen, ausser, dass das der ‘Herz’-Linie verpasste Cororate Design auch hier kompromisslos umgesetzt wird, der Name sich in grossen Buchstaben in weinrot auf dem sandfarbenen Untergrund hervorhebt und darunter die Lage angeführt ist. Ergänzt von Krone, Jahrgang und dem Weingut und der Rest mit allen Informationen wie Trinktemperatur, Glasempfehlung und Dekantierhinweis am äussersten Rand des edlen Stück Papiers. Nobel, vornehm und verhalten der Gesamtauftritt der braunen Burgunderflasche. Eben adelig, wenn man so will.

Zur Belüftung kommt der Lieben Aich aber vorerst statt in die Weisswein-Karaffe in den Rotwein-Dekanter und darf dort eine halbe Stunde Luft schnappen. Entgegen der Empfehlung nehmen wir danach aber unser bewährtes Weissweinglas zur Hand und verzichten auf den Burgunderkelch. 2010 sollte zeigen was er unter ‘verschärften Bedingungen’ zu leisten imstande ist. Die Verkostung konnte beginnen.

Im Glas: Im Glas steht der Lieben Aich strahlend gelb und schmiert sich an der Innenwand wie Honig ganz fest entlang. Er funkelt wie Rapunzels goldenes Haar und wirkt dicht und fest wenn man ins Glas hinein schaut.

In der Nase: Die Nase wird sofort mit einem intensiven Duft von reifen Pfirsichen verwöhnt und man riecht förmlich die ‘Langsamkeit’ in diesem Wein. Es duftet richtig exotisch aus dem Glas heraus, nach Mangos und Papayas und eine frische mineralische Note steht darüber. Kein Sauvignon Blanc-Duft wie man es gewohnt ist, nichts Lautes, Schrilles, Hartes oder nervig ‘Paprikaeskes’ stört die Nase. Alles ist weich, verhalten, trotz seiner Intensität und in sich ruhend. Wohlig warm riecht es und man will tiefer tauchen mit der Nase.

Im Mund: Kaum auf der Zunge zeigt der Lieben Aich gekonnt wie Saft und Säure eine tolle, harmonische Symbiose eingehen können. Wirkt der Sauvignon erst körperreich, so setzt er kaum dass er die Zungenmitte verlassen hat zu einem mineralisch anspruchsvollen Aromenspiel an. Da schmeckt man nichts Grasiges oder Stachelbeeriges wie man es von ‘herkömmlichen’ Sauvignon Blancs kennt. Es ist vielmer rund, weich, trotzdem aktiv und lebendig und lässt einem richtig das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Lieben Aich wird vorwiegend von einer kühlen Mineralität als von lauter Frucht getragen und versteht es gekonnt, trotzdem einen letzten ‘Kick’ von exotischem Fruchtmix in den Abgang mitzunehmen. Phantastisch, einfach phantastisch diese nasse Würze die man schmeckt. Das ist ein Sauvignon Blanc zum Verlieben.

Was den Lieben Aich so toll macht ist seine Weichheit, seine Zurückhaltung im Mund, ohne deswegen an Attraktivität einzubüssen. Er füllt den Mund auf samtige Art aus, zeigt kurz Körper auf der Zunge und löst sich in einer noblen, mit fruchtigen Akzenten versehenen Mineralität auf. Dabei hinterlässt er einen Nachhall der leicht würzig und in kompletter Trockenheit endet. Ein gelungenes Beispiel dafür wie sich Aroma und Geschmack durch den Ausbau auf der Feinhefe verfeinern.

Resümee: Ich habe schon an anderen Stellen angeführt, dass ich etwas ‘säureempfindlich’ bin und es deswegen nicht so sehr mit den ‘marktüblichen’ Sauvignon Blancs habe. Der Lieben Aich aber reiht sich ohne Umweg in die Liste der paar wenigen ein, die ich wirklich gerne trinke. Und das sind nicht allzu viele. Dieser Sauvignon Blanc ist allerdings ein wahrer Genusstropfen. Einer der es perfekt versteht Säure und Saft so miteinander zu verbinden, dass das Ergebnis samtig-stoffig, wohlig-weich und saftig-süffig ist. Weingenuss in Reinkultur und ich will noch viel mehr von diesem Tropfen. 16-20 Euro, je nach Bezugsquelle, sind für diese Qualität ein mehr als werter Preis und wer sich einmal vom Unterschied zu Industrie- und Massen-Sauvignons überzeugen will, der findet hier ein Paradebeispiel lupenreiner biodynamischer Produktion. Für mich persönlich unter meinen Top 3-Sauvignons. Dabei habe ich den in der nächsten Runde am ‘Tisch der Wahrheit’ stehenden ‘Luxus-Liner’ von Manincor noch nicht einmal gerochen.

Tipp: Belüften Sie den Lieben Aich für eine Stunde im Dekanter und servieren sie ihn bei kühlen 11-13º. Schenken Sie ihn zu weissem Fleisch, gegrilltem Salzwasserfisch oder Krusten- und Schalentieren ein oder machen Sie es so wie ich, geniessen Sie ihn einfach weil es Spass macht solo.

Einen Bericht über den Sauvignon ‘Lieben Aich’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Sauvignon ‘Lieben Aich’ 2010 von Manincor aus Kaltern in Südtirol, Italien.

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Kategorie: Manincor, Verkostet

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