Ruländer AL 2006

| 28. Januar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Begehrenswerter Saft

Macht einen irre mit seiner Erotik die er ausstrahlt und der Art mit welcher er den Mund ausfüllt. Man will ständig Nachschub haben.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kamptal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Lagen mit mit Gföhler Gneis-, Braunerde-, Kalk-, Lehm- und Lössböden.

Rulaender 2006 AL Allgemeines: Sagen Sie niemals Grauburgunder zu ihm. Der erste “gereifte” Wein der heute aus dem Sortiment Fred Loimers intensiv verkostet wird, ist eine Ruländer Auslese 2006. Habe ich bisher so gut wie ausschliesslich “junge Hüpfer” von Fred Loimer verkostet, so steht heute erstmals ein etwas in die Jahre gekommener Wein am Tisch der Wahrheit. Wenngleich zehn Jahre auch nicht wirklich viel sind, aber immerhin, es ist ein Anfang. So vielfältig die Böden mit Gföhler Gneis, Braunerde, Kalk, Lehm und Löss sind denen dieser Ruländer AL entstammt, so selektiv wurde aus den verschiedenen Lagen aussortiert. Die überreifen und edelfaulen Trauben wurden separat gepresst und im großen, traditionellen Eichenfass vergoren. Bis zur Füllung lagen sie dann auf der Feinhefe im Stahltank. Für die Analytiker sei angemerkt, dass diese Auslese 22ºKMW hat, was 102,96 Oechsle und somit in etwa 14,2 %vol entspricht. Soviel dazu. In der Zwischenzeit hat die Auslese 10 Jahre auf dem Buckel und darf sich mit Recht “gereift” nennen. Wie das schmeckt und sich auch anfühlt, dem gehe ich jetzt wie gewohnt akribisch auf den Grund.

Im Glas: In sattem Gelbgrün dreht der Ruländer AL seine Runden im Becher.

In der Nase: Unmittelbar nach dem Öffnen ziemlich oxidativ in der Nase, löst sich aber relativ rasch auf. Danach wird es morbide, dicht und richtig reif im Riechorgan. Zermatschte Birne, feuchte Erde, lang gelagerte Zitrone die um ihre letzte Pressung bettelt. Typische Grauburgunderaromen, nur äusserst reif und fortgeschritten. Dichte braungelbe Würze, ein paar feuchte Zweige, etwas Laub und nasser Boden. Intensiver Duft der nichts für Anfänger ist, Kenner und Könner aber sicherlich betören dürfte. Ein Hauch Exotik weht dank überreifer Papaya hinterher. Hoher Schnüffelfaktor.

Im Mund: Ohne Vorwarnung trifft die morbide Sünde auf die Zunge und den Gaumen und auf einen Schlag ist man gefangen in einer dichten, saftigen und dunkelwürzigen Nebelschwade. Man beginnt zu kauen, die Zunge an die Wangen zu pressen und den letzten Rest von brauner Zitrone von ihnen runter zu lecken. Man schmeckt die Birne die kurz vor ihrem Abgang ins Fruchtnirvana steht und man spürt wie überraschend frisch der Wein im Mund ist. Fast trocken fühlt sich der Ruländer AL an, wenn da nicht dieser unendlich würzige wie braungelbe Saft für eine noble Breite die alles andere als breit ist sorgen würde. Und hinten raus, im Abgang, feuchter Rauch mit ganz viel feuchter Erde. Als Hülle für die Papaya und die Zitrone. Der Gaumen schreit vor Glück, die Zunge bettelt um die nächste saftige Befeuchtung. Was bleibt ist eine reife Würze die sich selbst in ihrem Saft ertränkt. Auf wienerisch würde man einfach “bist du deppert” sagen. Auf hochdeutsch “Wahnsinn, was für ein feudaler Tropfen”.

Ich würde mir am liebsten die Nase abmontieren und sie einfach ins Glas werfen. So brachial betörend ist der Duft. Wenn man morbide Reife liebt. Im Mund ist der Ruländer AL ein ebensolches Vergnügen. Überreif und edelfaul waren die Trauben bei der Lese und genauso sorgen sie im Mund für Eindruck. Man kann es gut mit der Entwicklung von Stilton vergleichen; jungen und sehr reifen. Nur dass das hier nicht nach Käse, sondern nach der Essenz von Birnen und Papayas schmeckt. Von der Zitrone leicht beträufelt und mit reichlich nasser Erde beworfen. Man kann den Wein richtig atmen, spürt diesen dichten Rauch im Rachen der so saftig wie auch würzig ist. Lässt man ihn auf der Zunge stehen, dreht und kaut ihn, dann spürt man wie sich aus dem Saft Aromen von Alpenkräutern quetschen und ihn so richtig “spicy” machen. Und dann kommt dunkler Honig noch dazu und sorgt für wohlig weiche Fülle.

Substanz ist glaube ich das passende Wort für diesen reifen Tropfen. Reich in der Aromatik, dicht und saftig, dabei überraschend leicht und fein im Mund. Man spürt zwar das “Gewicht” der Reife, wundert sich aber über diese fast schwerelos wirkende Charakteristik. Man schmeckt voll und fühlt fein, man spürt Druck und nimmt ihn bestenfalls als einen leichten Windstoss wahr. Man atmet diesen Hauch Morbidität und schmeckt dabei bloss richtig reife Frucht. Der Ruländer AL macht mich irre mit seiner Erotik die er ausstrahlt, mit seiner Art mit der er meinen Mund ausfüllt und mich noch während ich ihn kaue schon das nächste Maul voll Wein begehren lässt.

Resümee: Das ist Wein wie ihn wohl Mastroianni beim Grossen Fressen in sich geschüttet hätte bevor er elendiglich in seinem Bugatti erfroren ist. So wird man nie erfahren welcher Tod wohl schöner war. Ich stoppe deshalb jetzt und gebe mir den Rest der Flasche dann am Abend. Mal schauen ob ich mich dann vollends damit ertränke. Ab 32 Euro kann man sich diesem süssen Tod hingeben und ihn beliebig oft auch wiederholen.

Tipp: Veträgt locker eine Stunde Luft um aufzugehen. Um die 14º genossen macht er am meisten Spass. Zu weissem Fleisch an heller Sosse oder zu frischem Süsswasserfisch passt er perfekt. Ohne Essbegleitung ein Tropfen der zum Verweilen einlädt.

Einen Bericht über den Ruländer Auslese lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Ruländer 2006 Auslese von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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