Roter Traminer -H- 2009

| 18. September 2014 | 0 Kommentare ...alles

Wenn der Boden das Zepter schwingt.

Vom vormals etwas molligen Model hin zum schlanken Schwan entwickelt. Moderner, mineralischer Geselle, der gut zehn Kilo abgespeckt hat.

Winzer/Weingut: Weingut Tauss, Leutschach, Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen und sandigen Lehmböden der Lage Hohenegg.

Roter Traminer H Flasche/Etikett: Auf der klassischen Burgunderflasche klebt wieder das neu gestaltete und so frisch wirkende weisse Etikett. Oben in weinrot TAUSS in feiner Typo, unterhalb die mit ebensolchen feinen Linien gezeichnete Hügellandschaft mit einer Hütte im Vorder- und sanften Weinbergen im Hintergrund. ROTER TRAMINER -H- steht darunter, vormals der Name der Lage (Hohenegg) noch ausgeschrieben, jetzt nur mehr in Form von -H- dargestellt. In geschwungener Schreibschrift unterhalb Nach Alter Handwerklicher Tradion aufgedruckt. Das Rückenetikett gibt Auskunft über die Philosophie von Alice & Roland Tauss sowie über die Lage mit ihren Böden. Extra angeführt ist, dass der Wein im Rahmen der Umstellung auf Biologische Landwirtschaft hergestellt wurde. Eine sensorische Notiz ist auch noch angeführt und wie gehabt der Hinweis zur Trinktemperatur von 12-14º und dass der Wein in die Karaffe wandern sollte. Einfach und hilfreich für alle die ein wenig Unterstützung mögen wie auch für alle, die diese Weine noch nicht kennen. Den Roten Traminer 2007 habe ich zwei Stunden in der Karaffe Sauerstoff aufnehmen lassen, der 2009er kommt jetzt für eine Stunde in den Glaskanister. Danach wird er im grossen Glas erforscht.

Im Glas: Stand schon der 2007er ziemlich klar im Glas, so leuchtet der Rote Traminer -H- 2009 ebenso in strahlenden Goldorange aus diesem heraus. Ockergoldorangegelb, für meine Lieblingsfarben ist keine Variation unmöglich.

In der Nase: Was sofort in der Nase auffällt ist, dass der 2009 kalkiger, weisser, mineralischer duftet. Was an Marillenaromen vorhanden ist wirkt feiner, weitmaschiger und nicht so konzentriert wie 2007. Es fühlt sich leichter und eleganter in der Nase an. Ein Korb Dörrobst steht im Glas, ein Schuss Werther’s Original und jede Menge Erde haben sich zusammengefunden. Der Duft wird sich noch erheblich verändern, das steht auch bei diesem Jahrgang ausser Frage. Auf jeden Fall wird die Sache weitaus mineralischer als 2007.

Im Mund: Wie erwartet kommt der Rote Traminer -H- sehr fein auf die Zunge. Ich habe den Geschmack und das Gefühl des 2007er, diese Konzentriertheit und Dichte nie mehr vergessen und was hier und heute im Mund steht ist vom Geschmack her eindeutig gleich, vom Gefühl jedoch wie Tag und Nacht. Der Wein ist feiner geworden, weisser, noch kalkiger und erdiger. Hat 2007 die Marille den Taktstock geschwungen, so wird 2009 von purer Mineralik dominiert. Die Aromen sind die gleichen: Marille, Karamell, Erde, fein geraspelte Orangenschale. Nur sind sie diesmal verhaltener wahrnehmbar, machen weniger Druck auf der Zunge, fliessen feiner ab und auch am Gaumen zeigt sich alles von einer weitaus minerlischeren Seite. Als hätte der Wein zehn Kilo abgenommen. Charakterlich unverändert, geschmacklich entschlackt und gefühlsmässig fast schon elegant. Ich bin gespannt wie Luft diesen Wein im Lauf des Tages beeinflussen wird.

Schon nach zwei Stunden hat sich der Duft stark verändert. Man riecht jetzt mehr getrocknete Orangenschalen, den Tick einer Zitrusnote und noch mehr Karamell. Auf der Zunge ist er fülliger geworden, dabei aber trotzdem sehr von der kalkigen Mineralik getragen. Und auch diesmal kommt urplötzlich, neben der insgesamt hauchfeinen Herbheit, ein frecher Kick von Salz dazu. Über den Gaumen streift der Rote Traminer -H- wesentlich kalkiger als der 2007er. Im Abgang ist er leichter, einen Tick feiner und im Nachhall mit einer durchaus ausgeprägteren Haptik im Sinne von Herbheit ausgestattet. Er füllt weniger den Mund und macht den Geschmack zum Hauptdarsteller, der 2009er setzt mehr auf das mineralische Mundgefühl und lässt die Fruchtaromen erst weiter im Hintergrund von der Leine. Weitere zwei Stunden später haben sich endgültig Orangen- und Marillenaromen durch den Kalk gewühlt und es tatsächlich noch bis an die Oberfläche geschafft. Jetzt tanzt die Zunge ob soviel ‘Frucht’ auf ihr, es ist dichter geworden, trotzdem lässt die Mineralik die Zügel nicht locker und dominert das Mundgefühl.

Resümee: Es ist beim 2009er nicht der dichte Saft der dominiert, es ist der Boden der alles steuert und zusammenhält. Der Rote Traminer -H- 2009 ist ingesamt erdiger ausgefallen, hat weniger Saft, dafür aber wesentlich mehr Boden den er transportiert. Am Gaumen leichter, weniger druckvoll, weniger konzentriert, im Abgang weisser, nebeliger, herber und doch mit jener Dosis Saft versehen, die ihm eine ‘schlanke Opulenz’ verleiht. Ich weiss es hört sich blöd an, aber bildlich sollte man in der Lage sein sich ein Model vorzustellen, das von Grösse 38 auf 34 abgespeckt hat ;-) Insgesamt ist der Jahrgang 2009 ‘moderner’ als 2007. Er ist schlanker und feiner geworden. Der Jahrgang 2007 hat mehr Patina und einen Touch von Vintage-Charakteritisk. Was man am Ende mehr mag ist Geschmackssache und sicher auch von der Gemütsverfassung abhängig.

Tipp: 1 Stunde in der Karaffe atmen lassen. Nimmt laufend zu. 12-14º Trinktemperatur sind empfohlen und auch ideal. Grosses Glas verwenden. Am besten ohne alles für sich allein genossen. Über einen Tag, über zwei oder auch mehr. Traumhafter Wein für Geniesser mit Anspruch.

Mehr über den Roter Traminer -H- 2009

Einen Bericht über den Roter Traminer -H- lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Roter Traminer -H- 2009 vom Biologisch-dynamischen und Demeter-zertifizierten Weingut Tauss aus Leutschach in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Tauss, Verkostet

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