Roter Muskateller 2013 Kloster am Spitz

| 4. Juli 2015 | 0 Kommentare ...alles

Rosarote Sünde.

Rosafruchtig, zitrusfrisch und muskatsüss. Im Nachhall einfach “schmatz”. Das war definitiv nicht die letzte Pulle die ich davon aufgemacht habe. Grandios!

Winzer/Weingut: Kloster am Spitz, Purbach im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von lehmigen, sandigen Muschelkalkböden im Neusiedlersee-Hügelland.

Roter Muskateller Flasche/Etikett: Eine abgewandelte Form eines Patriachenkreuzes stellt das Hauptmotiv auf dem reinweissen Etikett dar. Gross platziert in der Mitte und unterhalb in grossen schwarzen Kapitalen KLOSTER AM SPITZ sowie in leuchtendem rot, ebenfalls ganz gross, ROTER MUSKATELLER. Thomas Schwarz darunter und fertig ist die Frontbeklebung. Alles zentriert, alles ohne jeden Schnickschnack. Ein sehr einfaches wie auch klares und äusserst dominant wirkendes Etikett. Am ebenso weissen Rückenetikett steht alles was es über den Wein zu wissen geben sollte, ebenso der Hinweis, dass es sich um einen “süssen” Vertreter seiner Sorte handelt. Oben noch das Bio-Siegel und unten lustige 10,5 %vol. die diesen Tropfen antreiben. Ein roter Stelvin-Schraubverschluss ergängt das Rot vom vorderen Etikett. Und weil der rosarote Rosenmuskateller keiner ist der sich erst sammeln muss um Spass zu machen, kommt er jetzt gut gekühlt und ohne Umweg in den frisch polierten Becher.

Im Glas: Wie frisch gepresster heller Erdbeersaft steht der Rote Muskateller im Glas.

In der Nase: Überraschend vielfältig, nicht nur auf die üblichen kräftigen Muskatnoten festgemacht ist der Duft der die Nasenflügel hoch strömt. Zwar klar erkennbar, doch umgeben von einer ganzen Kompanie anderer Aromen. Frische Zitrusnoten sind da, Litschi, etwas dezent kräutriges, Himbeeren und auch ein Schuss Pfirsich ist dabei. Die Muskatnote wirkt eher wie eine feine Hülle die alles umgibt und nicht wie die übliche ‘Domina’ die in der Regel alles überlagert und auf ihren Führungsanspruch pocht. Ein sehr animierender wie auch überraschend komplexer und angenehmer Duft.

Im Mund: Ist das Wein? Oder ist das ein neues, vollkommen abgefahrenes Sommergetränk? Erstens ist es süss, no na. Aber nicht pickig, was bei kräftig “restbezuckerten” Weinen schnell mal passieren kann. Zweitens ist es so spassig fruchtig, dass man am liebsten einen Riesenschluck davon nehmen möchte. Zitrusaromen strömen neben Pfirsich und Maracuja saftig wie auch füllig auf die Zunge und setzen diese unter Strom. Erinnert irgendwie an Cinzano oder ähnliches. Ist aber Roter Muskateller. Darf da auch Eis rein? Ich mach das glatt, später. Am Gaumen fruchtig, richtig saftig, rosarot und voll tropischer Exotik. Eine Süsse die betört, benebelt und einen jegliche Bedenken über Bord werfen lässt. Rosarot und süss, eigentlich die höchste Form von Kitsch, hier jedoch die angenehmste in der sich Sünde präsentieren kann.

Hat man sich nach dem ersten Staunen wieder gesammelt, merkt man, dass man tasächlich Muskateller im Mund hat. Roter Muskateller. Man schmeckt diese typischen Muskatnoten, nimmt diese typische kraftvolle Aromatik wahr und ist überrascht, wie wenig dominant der Faktor Muskat dennoch ist. So viel andere fruchtige Aromen die alles umtänzeln auf der Zunge, soviel Saft, soviel Fülle und doch niemals dick oder klebrig. Dafür sorgt eine sehr präsente Säure die allem eine agile Frische verleiht. Am Gaumen merklich aromatischer als auf der Zunge, weil er dort haften bleibt und am Schluss eine ganz feine herbe Spur hinterlässt, die dem Kalk geschuldet ist. Im Abgang die pure Sünde. Rosafruchtig, zitrusfrisch und muskatsüss. Im Nachhall einfach “schmatz”. Mehr davon. Jetzt gleich. Habe ich das wirklich gerade gesagt?

Resümee: Was aber macht diesen süssen rosaroten Panther nun so verführerisch? Es ist die Kombination der typischen Muskataromatik mit den saftigen roten wie auch exotischen Fruchtaromen. Da tanzt der reife Pfirsich mit der Litschi auf der Zunge, da rollt die Muskatnuss durch ein Bukett frischer Kräuter. Man schmeckt nicht vordergründig Wein, meint eher einen guten Schuss Cinzano im Mund zu haben. Es ist süss und doch fein, es schmatzt, klebt aber nicht. Der Gaumen saugt den Muskateller gierig auf und wer ihn schluckt will augenblicklich Nachschub haben. Ich gebe zu, ich war skeptisch. Rosa und süss. Und das mir, als trockenen Roséliebhaber der höchsten Ausbaustufe. Und dann das. Noch dazu in Muskateller. Und jetzt? Jetzt sitze ich da und überlege mir, ob ich nicht zum Abschluss einen Eiswürfel und eine Scheibe Zitrone in den Becher werfe. Roter Muskateller auf Speed, sozusagen. Einfach nur um auch was völlig Irres zu machen. So wie Thomas Schwarz, der mit diesem süssen Rosé aus Rosenmuskateller, aus dem BURGENLAND, etwas völlig Abgefahrenes in die Flasche gezaubert hat. Das war definitiv nicht die letzte Pulle die ich davon aufgemacht habe. Soviel steht fest. Und jetzt gehe ich Chili basteln und werde erkunden, wieviel Scoville der Spassbolzen verträgt.

Tipp: Auf 10º kühlen und zu Chilis, Currys, Gänseleber und allen etwas schärferen Gerichten servieren. Zur Alleinbespassung ein ganz gefährlicher Kerl, weil er zur totalen Sünde verleitet. Einfach grandioser Stoff.

Einen Bericht über den Roter Muskateller lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Roter Muskateller 2013 vom Weingut Kloster am Spitz in Purbach, Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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