Rosé Premier Cru de Fourny & Fils

| 22. Dezember 2013 | 0 Kommentare ...alles

Schaumteppich edelster Güte.

Als würden sich Millionen von ultrafeinen Perlen zu einem einzigen, vorsichtig pulsierenden Ganzen zusammenfinden. Grandioses Mundgefühl!

Winzer/Weingut: Vve. Fourny & Fils, Vertus, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Mosten, die ausschließlich aus der ersten Cuvée gewonnen und im traditionellen Fuderfaß ausgebaut werden.

Rosé 1er Cru Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt ein Etikett in altrosa, durch die Struktur des Papiers wirkt es wie Perlmutt. Viel nöblicher und typisch ‘fraunsösischär’ kann man Schampusbeklebungen wohl nicht mehr gestalten. In Form eines Schildes ist das Etikett geschnitten, in der Mitte oben im goldenen Siegel mit dem Fourny´schen F darin. Umrankt von in gold gehaltenen Gewächsen. In eleganter Schrift darunter Champagne Premier Cru aufgedruckt. Vve. Fourny & Fils in Kapitalen drunter und Vertus Brut damit man weiss woher der Sprudel kommt und wie trocken der Spass wird.

Das Rückenetikett dafür die totale Entgleisung. Ein grosses rosarotes Stück Papier auf dem die Infos ganz oben in einer Schriftgrösse stehen, die einem das Letzte abverlangen. Erinnert stark an Verbraucherinformationen auf Lebensmittelpackungen. Das halbe Etikett dann unbedruckt, einfach da, völlige Verschwendung. Eigentlich unverständlich weil das Label vorne wirklich elegant ist. Und jetzt wird eingegossen. In die Weissweingläser, nicht in die Flöten.

Im Glas: Erdbeerrosarot treibt sich der Sprudel im Glas herum und zeigt somit sofort, dass er ein echter ‘Saignée’ ist. Lebhaftes Mousseux zeigt sich, ultrafein und prickelnd.

In der Nase: Äusserst verhalten präsentiert sich der Champagner in der Nase. Ein wenig rotbeerig ist es was die Nasenwände hochzieht, es fühlt sich weich an und von schöner Dichte. Etwas rosa Grapefruit in Kombination mit Erdbeeren trifft es wohl am ehesten. Auch ein paar schwarze Johannisbeeren sind dabei. Ein sehr zurückgezogener Duft der geheimnisvoll wirkt und so noch neugieriger macht auf das, was man im Mund ‘serviert’ bekommt.

Im Mund: Die Frage die sich stellt wenn der Rosé Premier Cru in den Mund kommt lautet: “Trinkt man hier Rosé der etwas ‘lebhaft’ ist, oder trinkt man Champagner der sich als rosaroter Stillwein tarnt?” Viel feiner und vornehmer kann man Perlage wohl nicht mehr definieren. Ein ganz ganz feines Kitzeln auf der Zunge stellt man fest, man muss sich richtig darauf konzentrieren. Es fühlt sich mehr nach Wein als nach Champagner an, und doch tänzelt ganz leise ein schüchterner Film von Kohlensäure über den Zungengrund. Obwohl auf 6 g/l dosiert und somit offiziell als Brut zu werten, fühlt sich der Rosé Premier Cru staubtrocken an im Mund. Im Grunde ist man schwer verwirrt, weil man noch immer rätselt ob man Schampus oder Wein trinkt.

Edel herb schmeckt der Rosé Premier Cru, ist trocken wie ein Staubtuch und feinste Gerbstoffe nimmt man wahr. Nichts von Frucht ist zu schmecken, es ist vielmehr ein physisches Erleben auf der Zunge und am Gaumen. Geschmacklich erinnert es an eleganten südfranzösischen Roséwein, der von den Gewürzen der Provence dominiert wird. Dabei fühlt sich alles weich und mild an und ist doch so erwachsen. Eleganz im Mund, Understatement, noble Zurückhaltung und ähnliche Attribute fallen einem zu diesem sinnlichen Erlebnis ein. So fein und sanft wie der Rosé Premier Cru im Mund perlt ist man verleitet ein ganzes Maul voll zu nehmen, um festzustellen ob sich dann ein wenig mehr tut. Es ist ein Gefühl als würden sich Millionen Perlen zu einem einzigen, vorsichtig pulsierenden Ganzen zusammenfinden und den Gaumen massieren. Nicht dieses leidige Gefühl als würden tausende grosse Perlen im Mund platzen. Es ist ein Schaumteppich edelster Güte der hier im Mund sein Spiel treibt.

Resümee: Schliesst man die Augen und lässt den Rosé Premier Cru etwas länger am Gaumen verweilen, kann man den Hauch von Erdbeeren und Himbeeren erahnen, fühlt seidigste Gerbstoffreste und das Leben das in diesem Champagner schlummert. Und dann, wenn sich der rosarote Panther endgültig verflüchtigt hat, bleibt im Mund ein leicht kalkiges Gefühl zurück. Trocken, weich, weiss und… eben kalkig, mit einem Hauch von Pink. Das ist kein rosaroter Tütü-Blubberer, das ist erwachsener, roséfarbiger Luxussprudel welcher einen in eine Champagnerwelt entführt, die fernab vom Massenmarkt in einem eigenen Paralleluniversum existiert. Nach soviel Blasen-, Blubber- und Sprudelerlebnissen in dieser Runde fällt es mir schwer, wieder in die Welt der stillen Weine zurückzukehren und ich beschliesse, von nun an viel mehr Schampus zu mir zu nehmen. Rein zu Lernzwecken, selbstverständlich. 38 Euro kostet dieser Blubber übrigens. Gibt´s auch in kleinen Flaschen, was am Ende aber erheblich teurer kommt. Also wenn dann gleich ‘in die Vollen’ gehen. Man braucht nicht jedes Jahr einen neuen Flatscreen!

Tipp: 8º im Glas und sonst nichts bedarf es für den Genuss dieses Edelsprudels. Vergessen Sie das Essen dazu. Dieser Schampus will getrunken, will ERLEBT werden. Aufmachen und geniessen. Mehr braucht es nicht.

Einen Bericht über den Rosé Premier Cru lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Champagner Rosé Brut Premier Cru von Veuve Fourny & Fils aus Vertus in Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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