Rosé Heideboden 2012 No.3

| 3. August 2013 | 0 Kommentare ...alles

Sanft, mild, leise und ein wenig schüchtern.

Keine Feierpulle für den schnellen Durst. Das ist ‘langsamer’ Rosé der Zeit braucht um sich zu entfalten.

Winzer/Weingut: Thomas Lehner, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Heideboden die an der Oberfläche mit humusreicher Schwarzerde bedeckt und leicht schottrig ist.

No.3 Heideboden Rosé 2012 Flasche/Etikett: Mit einem relativ einfach gehaltenen, Tradition vermittlendem Etikett steht die Bordeauxflasche des Heideboden No.3 am Tisch der Wahrheit. Auf hellem Créme in dunkelgrau der Name Thomas Lehner in Kapitalen in einem Balken, welcher von floralen Ornamenten umrankt ist eingedruckt. Nicht modern gestaltet und doch modern erscheinend ist das Design das ‘Gewachsenes’ vermittelt. Trotz der relativ viel Platz einnehmenden Illustration im oberen Teil des Etiketts wirkt es schlicht und einfach, weil der Rest für nicht viel mehr als Name und Lage verwendet wird. No.3 in rot als Blickfang, Heideboden als Herkunft und ROSÉ wieder in rot. Stimmig und schlicht vermittelt es edlen Charakter.

Am Rückenetikett nicht viel Informatives, nur das was drauf stehen muss. Immerhin der Hinweis auf die Rebsorten. Wie eingangs erwähnt war ich bereits neugierig und habe eine Flasche von diesem Rosé verkostet. Allerdings erst nach zwei Tagen in der Karaffe weil der Wein vorher nicht einmal zu riechen war. Am zweiten Tag war er perfekt ‘belüftet’ und so habe ich diese Flasche, nachdem der der Wein bereits seit ein paar Wochen hier gelagert wurde, am Vorabend umgefüllt und am Tag darauf mit der Verkostung begonnen.

Im Glas: In zartem erdbeerrot dreht der Rosé Heideboden No.3 seine Kreise im Glas.

In der Nase: Dank bereits gemachter Erfahrung und entsprechender ‘Sauerstoffverabreichung’ steht jetzt kein Stinker mehr im Becher, es duftet nun verhalten würzig, leicht floral und mit jeder Menge Erdbeer- und Himbeeraromen aus selbigem heraus. Auch rosa Grapefruit riecht man leise im Hintergrund und insgesamt duftet es ein wenig verhalten. Irgendwie riecht man am Ende auch so etwas wie leichte Mandelaromen die dem Bukett noch einen gewissen Extra-Kick mitgeben. Es fühlt sich frisch an in der Nase, weich und absolut ‘erschnüffelnswert’. Keine Rede mehr von stinkig, jetzt duftet es im Becher und die Nase hat Spass an diesem verhalten würzigen und durchaus fruchtigem Aromenspiel.

Im Mund: Gut gekühlt kommt der Heideboden No.3 relativ weich auf die Zunge, fühlt sich rund im Mund an und erfrischt mit einem attraktiven Säurespiel auf der Zunge. Keine Explosion, eher verhalten, vorsichtig und fast ein wenig schüchtern lässt er sie ihr Spiel abhalten während man damit beschäftigt ist der feinen herben Note hinterher zu schmecken. Es fühlt sich einerseits recht ‘knackig’ an am Gaumen, man schmeckt Himbeere und auch die Mandeln die schon in der Nase für den letzten Kick gesorgt haben sind wieder mit dabei. Andererseits ist der Tropfen mild und weich, sanft auf der Zunge und im gesamten Mundraum, schüchtern im Charakter, so als hätte er Angst voll aus sich heraus zu gehen. Er zeigt sehr schön seine feinen Fruchtaromen, lässt seine attraktive Säure mit Bedacht auf die Zunge los und pinselt den Gaumen äusserst sanft und mild mit seiner feinen Mandelnote ein, um im Abgang fruchtig-würzig zu erscheinen und für einen langen Nachhall zu sorgen.

Langsam aber stetig macht der Heideboden No.3 auf, wird kraftvoller und auch klarer. Eine ganz feine Phenolik macht sich bemerkbar, er wird würziger, auch die Säure wagt sich mehr aus ihrem Versteck hervor und bringt noch einen Tick mehr Frische auf die Zunge. Es fühlt sich jetzt ein wenig herber an im Mund, ‘erwachsener’, man schmeckt mehr den Boden als die Frucht, die zwar nach wie vor da ist, sich aber nun mehr hinter dem steinigen Charakter des Heideboden No.3 aufhält. Der Tropfen hat endgültig Fahrt aufgenommen und zeigt sich jetzt wesentlich mineralischer, weniger fruchtbetont, aber nach wie vor sehr weich und mild im Mundgefühl. Der leichte Mandelton hat sich so gut wie verabschiedet, über den Gaumen ziehen rosa Grapefruit- und Himbeeraromen, unterlegt von jeder Menge steinigem Geröll. Erfrischend, leicht und fein würzig geht der Wein seines Weges und hinterlässt eine fruchtige Trockenheit.

Resümee: Der Heideboden No.3 braucht nach wie vor Zeit um aus sich herauszugehen, soviel steht fest. Dafür belohnt er dann aber mit einer erfreulich milden Frische, er überfällt weder Zunge noch Gaumen sondern zeigt sich als verhaltener, leiser Wein der keinen Lärm um sich macht. Er präsentiert sich als unprätentiöser Rosé unter unzähligen banal fruchtgesteuerten Rosaweinen, wagt Charakter indem er einen ‘warten’ lässt um ihm entsprechend nahe kommen zu dürfen (was vielleicht gerade bei Roséweinen nicht unbedingt vorteilhaft ist, will man diese doch einfach aufmachen und verputzen). Hat er sich aber erst ‘ausgehfein’ gemacht, dann erlebt man sanfte Frische im Mund, fruchtige Herbheit und eine würzige Mineralität die sich allesamt in einem milden Mundgefühl bemerkbar machen. Das ist ‘langsamer’ Rosé, keine Feierpulle für den schnellen Durst, auch wenn er, erst richtig vorbereitet, zum flotten Trinkspass animiert und einen die Pulle letzten Endes doch recht rasch verputzen lässt.

Tipp: Drei, vier Stunden vorher in die Karaffe sind sicher gut für diesen Wein. Persönliche Erfahrung ist am Abend vorher öffnen und am nächsten Tag geniessen. 8º maximale Trinktemperatur und unbedingt auf dieser halten. Bei Aussentemperaturen von 35 und mehr Grad geht es rasant auf 12º und mehr hinauf! Zu sommerlichen Gerichten und frischen Salaten ein perfekter Begleiter, als Solist ein effizienter Luftbefeuchter.

Einen Bericht über den Rosé Heideboden No.3 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rosé Heideboden 2012 No.3 von Thomas Lehner aus Gols im Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Thomas Lehner, Verkostet

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