Rosé ‘Corail’ 2011

| 8. Juli 2012 | 0 Kommentare ...alles

Rosé mit Dunstabzug.

Ein Rosé der schneller verdunstet als Sie ihn trinken können. Schöner lässt es sich bei 35º nicht leiden.

Winzer/Weingut: Raimond Villeneuve, Château de Roquefort, Provence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Reblagen auf einer Hochlage von 350 – 400 Metern die in verschiedenen Terrassen bis zum Mittelmeer abfallen.

Flasche/Etikett: Doch genug gebeichtet. Da steht er nun, mir in der Zwischenzeit bestens bekannt und trotzdem fasziniert mich immer wieder das aristokratisch angehauchte und gleichzeitig modern anmutende Design des Etiketts. So schön kann man Wein präsentieren. Ein echter Hingucker.

Für das komplette Corporate Design und den öffentlichen Auftritt des Château de Roquefort zeichnet übrigens die international anerkannte und auch in der ‘Weinszene’ ob ihrer Arbeiten geschätzte österreichische Designerin Cordula Alessandri verantwortlich. Sie vereint den geschichtlichen Hintergrund in Form des goldenen Familienwappens der Villeneuves aus dem 11. Jahrhundert (welches im 16. Jh. geändert wurde) mit dem Namen des Weins in einer klassischen 80er-Jahre Typo. Der Name des Châteaus aristokratisch edel drunter. Contemporary art meets Renaissance sozusagen.

Im Glas: Genug gelabert. Die Flasche aufgemacht und ab ins Glas mit der – wie der Franzose sagen würde – ‘Assemblage’ von Grenache, Syrah, Cinsault, Carignan, Vermentino und Clairette. Allein die Mischung ist ein Hit und ich freue mich wieder einmal meine Nase ins Glas zu stecken. Schon die Farbe bezaubert mit ihrem hellen Lachston den der Wein dank Direktpressung erhält.

In der Nase: Es duftet nach Wildbeeren, Waldbeeren, richtig würzig, höchst erfrischend und herb-fruchtig. Eine Nase wie man sie selten findet in den auf Masse konditionierten ‘Rosé-Abteilungen’. Knackig riecht es, man fühlt sich förmlich in die Provence gebeamt und sieht sich dort mit einem Glas Corail auf einem Hügel sitzen. Dieser Duft macht süchtig, auch nach der zehnten Flasche die ich schon von diesem ‘adeligen’ Tropfen hier vernichtet habe. Einfach unwiderstehlich.

Im Mund: Für mich im Mund dann nichts wirklich Neues. Aber nur deswegen weil ich den Wein bereits ‘in- und auswendig’ kenne und jedesmal wieder von ihm fasziniert bin. Obwohl der Corail 13% hat zischt er so federleicht, aber trotzdem präsent über die Zunge, dass es eine Freude ist während des Trinkens fast zu verdursten. So fühlt es sich nämlich an wenn staubtrockene Frische den Mund ausfüllt und unweigerlich nach mehr verlangt. Gerbstoffe zart und fein wie Seide und hochnöblichst verhalten, herbfrische Fruchtigkeit mit einer mineralischen Note die teilweise von den Feuersteinböden herrührt und ein Trinkfluss der waffenscheinpflichtig ist. Das ist der erste Eindruck (ich hatte ja dank meiner ‘Unartigkeit’ schon mehrere davon) von diesem Südfranzosen.

Wer glaubt, dass er deswegen aber einfaches Himbeerwasser bekommt, der irrt gewaltig. Das ist Rosé vom Feinsten. Ehrlich natürlich, unverblümt und mit jener Rasse und Klasse die es so nur in Südfrankreich gibt. Kein rosarotes Zuckerwasser, sondern richtig charaktervoller Roséwein. Kennen Sie rote Grapefruit? Auch diese findet sich im Corail. Ob dieses Aroma vom Vermentino oder der Clairette stammt wird nicht einmal mehr hinterfragt. Zu schnell verdunstet der ‘Korallentropfen’.

Wenn man den Corail über die Zunge zischen lässt merkt man eine frische und klare Säure, die aber nicht dominant ist, sondern der frischen Frucht und vor allem der herben Würze den Vortritt lässt. Das macht den Corail so animierend, so leichtfüssig und so belebend. Viel zu gefährlich, um ehrlich zu sein. Denn eines ist sicher, dieser Rosé zischt einem durch die Kehle, dass es fast erschreckt. Gerade wenn es heiss ist draussen ist der Corail Überlebensmedizin, und wer sich schon immer mal so richtig ‘provencalisch hitzegeschwängert’ fühlen wollte, dem ist der Corail die letzte Rettung.

Resümee: Mit soviel Saft und prickelnder Frische gibt es nur Rosé aus der Provence, behaupte ich einmal. Es ist diese typisch herb-würzige und animiernd pulsierende Trockenheit die Rosés aus der Provence auszeichnet und sie so beliebt macht. Es ist ein anderer Geschmack als den der in unseren Breiten vorherrscht, gegen den auch nichts einzuwenden ist. Wer aber erst mal dem spröden ‘Charme’ der Provence verfallen ist, dem fällt es schwer wieder auf ‘heimatliche’ Pfade zurück zu kehren. Ist nun mal so und ist nichts Schlechtes. Raimond Villeneuves Corail ist ‘Schlemperwein’ in Reinkultur und wer ihn erst einmal gekostet hat, der ist ihm garantiert und hoffnungslos verfallen. Unter 10 Euro zu erstehen ist er, der Corail, und wie mir Raimond die Tage am Telefon gesagt hat, ist er so gut wie ausverkauft. Also rasch zum Händler Ihres Vertrauens und eine Kiste (mindestens) davon bestellen. Schöner lässt es sich bei 35º nicht leiden.

Tipp: Gut kühlen (8 bis max. 10º), einschenken und wegtrinken. Der Stoff bedarf keinerlei grossen Empfehlungen ausser jener, besser eine zweite und auch dritte Flasche einzukühlen. Sie und ihre Gäste werden sie benötigen.

Einen Bericht über den Rosé Corail lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rosé ‘Corail’ 2011 Côtes de Provence vom Château de Roquefort in Roquefort la Bédoule, Provence, Frankreich.

Tags: , , , ,

Kategorie: Château de Roquefort, Verkostet

Ihr Kommentar