Rosé ‘Charvin’ 2010 Côtes du Rhône

| 2. Oktober 2011 | 0 Kommentare ...alles

Terroir als Hauptdarsteller.

Kein Rosé für Freunde feiner Früchte. Vielmehr ein heisser Tropfen für alle die Südfrankreich im Glas haben und im Mund spüren wollen.

Winzer/Weingut: Laurent Charvin, Domaine Charvin, Orange, Frankreich.

Lage/Herkunft: Die Domaine Charvin ist eine kleine bäuerliche Familiendomaine in Maucoil, nördlich von Châteauneuf-du-Pape.

Flasche/Etikett: Die Burgunderflasche ziert ein typisch französisches Etikett. Ja, es gibt tatsächlich so etwas wie ein typisch französische Etikett und dieses hier gehört dazu.

Würde es ‘Blindbestimmungen’ für Etiketten geben, dann würden französische wahrscheinlich den höchsten Wiedererkennungswert haben. Was drauf geht ist drauf, haufenweise verschiedene Schriftarten, ein Bild, ein paar Symbole und eine Hauptschrift, die den Musketieren alle Ehre macht. Grafisch eine Katastrophe und deshalb schon wieder klassisch.

Im Glas: Ein wunderschönes, fast kitschiges zartrosa funkelt im Glas und gewährt tiefe und klare Einblicke. Fast hat es den Anschein als wäre beim Befüllen der Flasche die Farbe ausgegangen.

In der Nase: Aus dem Glas schwebt ein sehr ‘leiser’ Duft. Nachdem dies nun bereits mein dritter ‘langsamer’ Wein ist und sich alle drei eindeutig mit einer sehr zurückhaltenden Nase präsentiert haben, steht für mich fest wie ‘langsam’ riecht. Ich bin überzeugt bei allen noch kommenden ‘langsamen’ Weinen das selbe zu erleben bzw. zu riechen. Das was hier aus dem Glas strömt ist eine dezente kräutrige Würze, keine Frucht. Genau so riecht Südfrankreich.

Im Mund: Der erste Schluck ist wie ein wohldosiertes Feuerwerk. Wer erwartet hat mit Frucht verwöhnt zu werden wird enttäuscht. Hier gibt es keine. Oder so gut wie keine. Hier dominieren eine Kraft und Würze am Gaumen die soviel Südfrankreich verströmen wie man sich nur vorstellen kann. Der Wein hat Kraft und Körper. Ein richtiger Brummer im Glas ohne deswegen aufdringlich zu wirken. Das was sich hier im Mund breit macht ist schlicht und einfach ein Erlebnis.

Eine ganz milde und sanfte Säure macht sich bemerkbar, lässt dabei jedoch den feinen Gerbstoffen den Vortritt. Gut balanciert unterstützen die beiden das würzige Aroma dieses Rosés der mit seinen 14% sicherlich nicht zu den Leichtgewichten gehört. Dieser Côtes du Rhône ist ein Charakterdarsteller, hat Persönlichkeit und pfeift auf Kollegen, die bestenfalls ‘fruchtige Mundwässerchen’ sind. Die typisch südfranzösische Paarung von Kräutern und Gewürzen steht hier perfekt nebeneinander im Glas und lässt Früchten aller Art keinen Platz auf der Bühne.

Ich würde sogar soweit gehen, diesem Tropfen einen Hauch von ‘Schärfe’ zu unterstellen. Ganz leicht, aber doch präsent. Nobel. Man kann diese würzigen Weine schwer mit anderen vergleichen. Man muss sie einfach wollen. Hier gibt es keinen Kompromiss. Entweder man mag das oder man ist am falschen Dampfer. Terroir und Klima muss man lieben. Ansonst ist man bei den Fruchtwässern besser aufgehoben.

Resümee: Ich persönlich mag frische, fruchtige, Duft verströmende und leichtfüssige Weine durchaus und immer wieder gerne. Aber wenn es drauf ankommt, dann greife ich wie ‘ferngesteuert’ fast immer auf Weine aus Südfrankreich. Das liegt vielleicht daran, dass man in diesen Weinen noch am ehesten von Terroir verzaubert wird. Ich bin mir sogar sicher, dass es das ist. Ich mag den Boden, das Erdige. 14% machen den Rosé nicht gerade zu einem luftig leichten Begleiter. Jedoch stehen sie diesem Wein bestens und weniger wäre dafür einfach zu wenig. Mit € 12,- kein Billigtropfen, dafür aber jeden Euro einzeln wert.

Tipp: 10-12ºC sind empfehlenswert. Zu würzigem Gemüse und Braten ein echter Hochgenuss.

Einen ausführlichen Bericht über den Rosé Charvin lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rosé ‘Charvin’ 2010 Côtes du Rhône von der Domaine Charvin aus Maucoil in Orange, Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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