Roero Arneis Ave DOCG 2012

| 19. November 2014 | 0 Kommentare ...alles

Bitter ist sexy.

Wer südfranzösische Weissweine mag, der wird die Blütenaromatik, die Würze und die Trockenheit des ‘Piemonter’ Tropfens ebenfalls zu schätzen wissen.

Winzer/Weingut: Cascina Luisin, Barbaresco, Piemont, Italien.

Lage/Herkunft: Von Weingärten mit Kalkmergelböden in der Region Roero.

Roero Flasche/Etikett: Auf der leicht modifizierten Burgunderflasche klebt ein elegantes, crémefarbiges Etikett. Eingerahmt von einem zarten dunkelgrünen Rahmen steht im oberen Teil Cascina Luisin in einer geschwungenen Schrift, ebenfalls in dunkelgrün mit Metalliceffekt. ROERO ARNEIS in Kapitalen unterhalb und ebenso die Herkunft wie der Jahrgang 2012. Im unteren Teil der Name Ave, wieder in geschwungener Typo. Rechts aussen am Etikett in gelb ganz gross die Initialen CL geschwungen eingedruckt. Ein sehr stimmiges wie auch ruhiges und elegantes Etikett, das farblich sehr schön mit der grünen Flasche harmoniert. Am Hals der Flasche ist ALBEISA geprägt, was die spezielle Form angeht, welche aus dem 18. Jahrhundert stammt und Bezug auf die Gegend Alba nimmt. Nur Weine von den Langhe- und Roero-Hügeln mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung dürfen in diese Flaschen abgefüllt werden. Rückenetikett gibt es keines, dafür eine schöne knallgelbe Halsmanschette und dem DOCG-Nachweis darauf. Ohne weiteres Zuwarten wird der Ave geöffnet und ins Glas verfrachtet.

Im Glas: In kräftigem goldgelb steht der Ave im Glas.

In der Nase: Äusserst verhalten zeigt er sich im Duft. Da riecht man saftiges Obst, weisse und gelbe Blütenaromen und einen schöne gelbe Würze. Es ist ein ruhiger Duft, mild in der Nase, weich und rund. Mehr mineralisch als fruchtig, obwohl doch recht dichte Noten von reifen Äpfen auftauchen. Mit verschlossenen Augen denkt man eher an einen grossen Strauss von Herbstblumen, welcher sich mit seinem ganzen Duftspektrum die Nasenflügel hoch arbeitet. Ungemein aninmierend ist die gelbe Würze die sich im Hintergrund herum treibt und für erhöhten Wasserstand im Mund sorgt.

Im Mund: Oh ja! Das ist wieder etwas das ich mag. Nichts mit Frucht, nur endlose, leicht herbe Trockenheit im Mund. Dabei fühlt es sich saftig auf der Zunge an, zeigt, obwohl Arneis an sich eine recht säurearme Rebsorte ist, doch eine relativ präsente Säure. Schmeckt mehr salzig, fühlt sich auf der Zungenspitze auch sehr salzig an und sorgt für Staunen, weil sich alles in einer Wolke aus Nichts auflöst. Vertrocknet bereits während man noch dem runden und vor allem dichten Saft hinterher schmeckt. Fühlt sich am Gaumen erst frisch und auch sehr animierend an und endet in einer zarten Bitterkeit im Abgang. Ein weisses und gelbes Blütenmehr im Mund trifft das Geschmackserlebnis wohl am besten. Alles eingebettet in eine warme weiche Aromatik, welche für einen langen Nachhall sorgt.

Es ist schwer den Ave für jemanden zu beschreiben, der im Wein nach Frucht und fruchtiger Harmonie sucht. Mit Sicherheit ist es auch sinnlos. Wer aber dieses Gefühl von leichter Bitternote auf der Zunge und am Gaumen mag und kennt, der wird den Ave lieben. Erst spürt man dichten Saft weich und voll auf der Zunge stehen, dann spürt man diesen frechen Salzstich und sobald man ansetzt ihn eine Etage tiefer zu befördern, merkt man wie sich dieser feine herbe Film plötzlich in den Vordergund drängt. Man spürt den warmen Lehm der für die Dichte einerseits sorgt, aber auch den Kalk, der dem Ave seine weisse Trockenheit im Finale mitgibt. Während die Zunge noch ‘nass’ ist, sind die Lippen bereits zur Gänze wieder aufgetrocknet und mit einem Rest von weissem Kalk belegt. Wer südfranzösische Weissweine mag, der wird den Ave ebenfalls zu schätzen wissen. Blüten, Aromatik, Würze und eine Trockenheit, die ein Thema für die nächste Klimakonferenz sein muss.

Resümee: Immer mehr entwickelt sich der Ave hin zu einem Meer aus Blumen und Blüten. Orchideeen, Chrysanthemen, Gladiolen und vieles mehr ziehen so verführerisch die Nase hoch, dass man sie fast schmecken kann. Man atmet den Ave förmlich ein während er mit seinem milden weichen Saft im Mund steht, man spürt wie er an den Lippen, den Wangen und am Gaumen auftrocknet, noch während er sich saftig auf der Zunge vergnügt. Und man beginnt den Bitterton zu lieben und ihm hinterher zu seufzen, weil man sich plötzlich auf diese Trockenheit eingestellt und an sie gewöhnt hat. Ich möchte jetzt auf der Stelle nur noch eine simple Pasta mit Salz und Pfeffer und vielleicht einem Blatt Basilikum darauf. Der Ave hat mein Herz erobert und entgegen der wahrscheinlich mehrheitlichen Meinung den Wein nur mit Begleitung aus der Küche zu geniessen, ist mir das egal, weil ich diesen Tropfen jederzeit auch solo ohne alles, einfach zum Verlieben haben will. Ave, und wo Maria bleibt ist nebensächlich.

Tipp: Einfach auf mit der Flasche und ab in den Becher damit. Um die 12º trinken. Eher wärmer als zu kalt genossen. Küchentechnisch von der einfachen Pastafraktion bis hin zur bäuerlichen Brotzeit vom Waldviertel bis ins Piemont. Geht auch als Solotänzer wenn man trocken, herb und eben ‘individuell’ mag.

Einen Bericht über den Roero Arneis Ave lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Roero Arneis ‘Ave’ 2012 DOCG von Cascina Luisin aus Barbaresco/Piemont, Italien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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