Rieslingsekt brut 2015

| 9. Dezember 2017 | 0 Kommentare ...alles

Wär´s kein Sekt dann wär´s Champagner

Würde man den diesen Sekt als Pirat in eine Champagnerverkostung einschleusen, man hätte grösste Mühe ihn als solchen zu enttarnen.

Winzer/Weingut: Weingut Jülg, Schweigen-Rechtenbach, Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen Weinbergen die auf deutschem wie auf französischem Territorium liegen.

Rieslingsekt brut 2015 Allgemeines: Bei Klaus Peter Keller und bei Werner Schönleber hat er gelernt und auch auf der berühmten Clos des Lambrays im Burgund hat er sich immenses Wissen angeeignet. Die Rede ist von Johannes Jülg, der gemeinsam mit seinem Vater rund 18 Hektar im Grenzland zwischen Vogesen und Pfälzerwald, dort wo das Elsass die Pfalz berührt, bewirtschaftet. Dort besitzt man kalkhaltige Weinberge auf deutschem wie auf französischem Territorium (40% der Weinberge des Weinguts Jülg liegen auf französischem Staatsgebiet in Wissembourg). „Französische Tradition vereint sich bei uns mit deutscher Innovation und ergibt so einen einzigartigen individuellen Stil”, bringt Johannes Jülg die Philosophie des Hauses auf den Punkt. Neben hervorragenden Weinen macht man aber auch einen Rieslingsekt, der sich keineswegs vor seinen französischen “Kollegen” verstecken muss. Ganz im Gegenteil. Die “Weinwirtschaft” verlieh ihm sogar den Deutschen Sektpreis in der Kategorie Riesling. Ich habe den Rieslingsekt brut 2015, jetzt am Tisch der Wahrheit stehen und freue mich, diesen Sprudel zu verkosten.

Im Glas: Lustig perlt der Rieslingsekt in der Tulpe in hellem strohgelb vor sich hin.

In der Nase: Die totale Überraschung findet dann im Riechorgan statt. Da tummeln sich Aromen von frischem Brot, von Aprikosen und weissen Blüten, von Honig und von Butter. Was für ein Traum, das soll “nur” Sekt sein? Ein feiner Tick von Salz ist riechbar, eine Frische die verzaubert und eine Sanftheit macht sich in der Nase breit, die man so auf keinen Fall erwartet hätte. Ich bin hin und weg von diesem Duft und stecke meine Nase noch einmal ganz tief rein ins Glas um einen tiefen Atemzug nu nehmen.

Im Mund: War die Überraschung in der Nase schon sehr hoch, so ist sie im Mund noch um einen Level höher. Was zischt da mit rasantem Tempo auf die Zunge? Was treibt da für eine enorme Frische ihr ausgelassenes Spiel auf ihr? Zitrusfrucht in der Mitte, an den Rändern Brot und Aprikosen, etwas Salz und weisse Blüten. In der Mitte aber, ja da geht voll die Post ab. Ein wahrer Tempobolzer ist der Rieslingsekt, zieht rassig und sehr klar seine Spur, während man am Gaumen diese wunderbare, kalkige Trockenheit spürt. Der Sprudel ist sprichwörtlich straff und rasant, und doch lässt er einen auch seine “sanfte” Ader spüren. Um gleich danach wieder mit seiner rassigen Säureader für richtig Zirkus in der Luke zu sorgen. Das ist wahrlich riesengrosser Sprudelspass.

Ich muss gestehen, der Rieslingsekt rockt die Hütte, macht einen an mit seinen verführerischen Noten von weissem Honig und fein gesalzenem Buttercroissant. Mit seiner Kalkigkeit und seinem – trotz aller Straffheit – sanftem Wesen. Der Salzton reicht bis an den Gaumen, wo er sich mit Kalk vermengt und zu einer unglaublich grandiosen Kombination vereint. Das muss man schmecken, das muss man spüren. Einfach phänomenal. Auf der Zunge keck und frech unterwegs, flott und ausgesprochen frisch, am Gaumen seriös wie feinster Schampus, für den man diesen Blubber locker halten kann. So viel Charakter, so viel Mineralität, so viel Charme. Ein Glücksfall von einem Sekt.

Resümee: Eines ist sicher: Würde man den Rieslingsekt als Pirat in eine Champagnerverkostung einschleusen, man hätte grösste Mühe ihn als solchen zu erkennen. Zu nah ist er an dem dran, was Champagner ausmacht. Zu sehr täuscht seine brotige, kalkige Charakteristik über die Rebsorte hinweg, die sich letztlich bestenfalls aufgrund ihrer frischen Säureader selbst verraten könnte. Und doch würde man, auch aufgrund der enormen Salzigkeit mit diesem typisch brotig-kalkigen Finale, auf Champagner tippen. Der Witz an dem Stoff ist jedoch sein Preis. Keine 12 Euro kostet dieser Sprudel, was im Grunde eine Beleidigung für ihn ist, weil er sich ohne jeden Zweifel, locker mit so manchem Schampus messen kann. Bunkern Sie was sie kriegen können. Weihnachten steht vor der Tür, Silvester auch. Mit diesem Teil schiessen Sie auf jeden Fall den Bock ab. Persönliche Kaufempfehlung.

Tipp: 6-8º sind perfekt. Und dann ab ins Vergnügen. Zu Meeresfrüchten, kalt und warm. Zu edlen Desserts oder am besten einfach ohne alles. Das ist Stoff zum Träumen.

Einen Bericht über den Rieslingsekt lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rieslingsekt brut 2015 vom Weingut Jülg aus Schweigen-Rechtenbach in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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