Riesling Wunschkind 2015

| 14. Dezember 2016 | 0 Kommentare ...alles

Ein Wein wie ein Stein

Man staunt weil dieser Wein gerademal die Basis ist, was wiederum die Frage aufwirft, wie dann die Spitze aussieht. Ganz grosser Rieslingspass.

Winzer/Weingut: Materne & Schmitt, Winningen, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von verschiedenen Lagen der Terrassenmosel.

wunschkind-riesling-2015 Allgemeines: Wenn zwei Frauen über ein Wunschkind reden sollte man besser zweimal hinhören um sicherzustellen, dass es sich dabei nicht um Nachwuchs im herkömmlichen Sinn, sondern um Wein handelt. So heisst nämlich der Einsteigerwein von den beiden Winzerinnen Janina Schmitt und Rebecca Materne vom gleichnamigen Weingut Materne & Schmitt aus Winningen in Rheinland-Pfalz. Und der ist, wie könnte es für Moselwinzer anders sein, ein Riesling. Der Riesling Wunschkind 2015 ist quasi der “Kleinste” der beiden Damen die den Titel Dipl.-Ing. Oen. tragen. Weinbau studiert haben beide in Geisenheim und während Janina Schmitt unter anderem bei Robert Weil ein Praktikum absolvierte, tat Rebecca Materne dies bei Heymann-Löwenstein. Doch zurück zu ihrem Basisriesling, einer Cuvée aus verschiedenen Lagen der Terrassenmosel. Mit nur 11% kündigt sich ein flottes Weinvergnügen an und was der “Kleine”, der im Stahltank aufgezogen wurde alles drauf hat, dem werde ich jetzt auf den Grund gehen.

Im Glas: Helles gelbgold lacht mir aus dem Glas entgegen.

In der Nase: Was der Wunschkind auf der Stelle riechen lässt ist reifer Apfel. Danach kommt ein Schuss Melone in Begleitung ein paar feiner Wiesenkräuter aus dem Hinterhalt hervor. Frisch steht der Duft in den Nasenflügeln, fühlt sich reif und saftig an und löst leichten Speichelfluss aus. Auch ein paar steinige Noten sind dabei die allem eine feine Minerliät verleihen. Riecht gut, fühlt sich gut an, macht Lust ihn auch im Mund zu spüren.

Im Mund: Steinwein. Das ist das Erste was mir dazu einfällt. Cremig kommt der Wunschkind auf die Zunge, weich ist er und wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine herrlich dunkle Würze auf der Zunge auf. Ganz kurz schmeckt man noch Pfirsich, Apfel und Melone, bevor sich alles hin zu einem ausgesprochen steinigen Erlebnis aufbaut. Knochentrocken steht der Wein im Mund, es fühlt sich feucht-rauchig an, ungemein mineralisch und vor allem dunkelwürzig. Da ist Druck am Gaumen, die 11% widersprechen sich auf wundersame Weise, weil einerseits der Trinkfluss wirklich leicht, das Mundgefühl jedoch so richtig dicht und füllig ist. Ein Riesling der Bodenhaftung hat und grossen Spass im Mund macht.

So richtig Fahrt nimmt der Wunschkind aber erst an der Luft auf. Da merkt man wie er im Körper abnimmt, wie er feiner wird, noch trockener und sogar Haftung auf der Zunge und am Gaumen aufbaut. Er wird schlanker in seiner Struktur, die steinige Mineralität tritt noch stärker in den Vordegrund und der Trinkfluss wird immer rasanter. Feine Zitrustöne haben sich eingestellt, auf der Zunge schwebt der Wein jetzt mehr als er drauf steht. Der Druck ist weg, alles fliegt und ist herrlich leicht. Der grösste Spass ist aber, dass der Tropfen weit entfernt von jedem Zuckerschwänzchen ist, dass Stein und Würze dominieren und sich Trockenheit trotzdem so saftig anfühlen kann. Am Gaumen steht der Wein fast weiss, zeigt zarte Blütentöne und verheimlicht nicht, dass da eine klitzekleine herbe Note mitspielt. Sehr schön.

Resümee: Was mich am Riesling Wunschkind wirklich fasziniert ist seine Vielschichtigkeit. Das einerseits weiche, sanfte Auftreten im Mund im totalen Gegensatz zur ausgeprägten Mineralität, die so enorm steinig ist. Stein und weich, das geht nicht denkt man, und doch schafft es dieser Tropfen beides in seltsamer Harmonie nebeneinander agieren zu lassen. Ebenso die so untypische Umkehr des Frucht- und Würzeverhältnisses. Man schmeckt zwar Frucht, doch das Gefühl schreit Würze so laut es kann. Alles zusammen lässt einen staunen, eben auch weil dieser Wein gerademal die Basis ist, was wiederum die Frage aufwirft, wie dann die Spitze aussieht. Ich werde es erkunden und gönne mir jetzt noch ein Glas von diesem Riesling, der auch zu meinem Wunschkind werden könnte. Das Zeug schmeckt einfach, macht allergrössten Spass und kostet nicht einmal 10 Euro. Ein Witz!

Tipp: Etwas Luft in der Karaffe, 10º im Glas und einfach drauf los getrunken. Zu Schnitzel, Beuschel oder Backhuhn. Oder einfach solo. Haben Sie einfach Spass damit.

Einen Bericht über den Wunschkind lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Wunschkind 2015 vom Materne & Schmitt aus Winningen, Rheinland-Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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