Riesling Steinreich 2011

| 26. Februar 2014 | 0 Kommentare ...alles

Riesling der von selber läuft.

Ein Riesling der sowohl sanft und mild wie auch frisch, lebendig und richtig rassig sein kann. Wein zum verputzen ohne viel zu denken.

Winzer/Weingut: Ansgar Clüsserath, Trittenheim/Mosel, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Steillagen mit harten Schieferterrassen der Trittenheimer Apotheke an der Mittelmosel.

Riesling Steinreich Flasche/Etikett: Auf der klassischen dunkelgrünen Schlegelflasche klebt ganz unten ein eher schmales, dafür aber umso auffälligeres Etikett. Steht im oberen Teil davon auf einem lindgrünen Untergrund in schwarz und weiss schlicht und einfach Ansgar Clüsserath – Steinreich – Riesling drauf, so ist die untere Hälfte einzig und allein einem Bild gewidmet, welches den Boden dem der Steinreich entspringt zeigt; Schiefer. Nichts als einige übereinanderligende Schieferplatten legen eindrucksvoll Zeugnis von der Herkunft dieses Weines ab. Einfaches, aber wirkungsvolles Etikett.

Das weisse Rückenetikett gibt ausser über das was unbedingt notwendig und vorgeschrieben ist keine weiteren Auskünfte. Was jedoch sofort ins Auge springt ist die Zahl 11,5, welche auf ein recht lustiges und flottes Trinkvergnügen schliessen lässt. Als ‘Sponti’ steht dem Steinreich ein 30 minütiges Luftbad in der Karaffe zu, bevor er endgültig zum ‘verputzen’ in die blank polierten Gläser kommt.

Im Glas: In strahlendem goldgelb mit einem saftigen grünen Schimmer steht der Steinreich im Glas.

In der Nase: Aromen von Birnen, Pfirsichen und Mirabellen strömen in die Nase. Man riecht den ‘Sponti-Charakter’, es duftet konzentriert, dicht und kraftvoll. Deutliche Schiefernoten treten hervor und je länger der Steinreich an der Luft ist umso mineralischer wird auch sein Duft. Was bleibt ist die Dichte in der Nase, man kann sie fast greifen. Kraftvoll legen sich Quitten- und Pfirsicharomen an den Nasenwänden an und pressen förmlich ihren Saft darauf. Eine gewisse Opulenz kann man dem Tropfen in der Nase nicht abstreiten. Volles, intensives Dufterlebnis.

Im Mund: Der erste Eindruck den der Steinreich im Mund hinterlässt ist so verwirrend wie überraschend. Ungemein weich strömt er auf die Zunge um dort ganz plötzlich mit frischer Säure aufzutrumpfen. Es fühlt sich mild an und doch merkt man eine gewisse Rasse die sich ausbreitet. Als würde das komplette Leben in diesem Wein Tropfen für Tropfen langsam von innen heraus kommen. Weich im Körper, konzentriert, warm, sogar etwas rauchig am Gaumen. Steinobst schmeckt man, Quitten sind dabei und alles unterwirft sich einer ausgeprägten Mineralik welche für ein durchaus steiniges Mundgefühl sorgt. Fein und leicht schwebt der Steinreich im Mund und hat doch soviel Gewicht, dass man ihn unendlich lange am Gaumen wie auch im Nachhall spüren kann.

Nach einer Weile an der Luft zeigt sich der Steinreich äusserst finessenreich was die Balance zwischen Fruchtaromen und Mineralik angeht. Man merkt die geringen Erträge die sich in saftigem Körper manifestieren, man kann das bisschen Fett auf seinen Rippen fühlen, wie es sich sanft und weich im Mund anlegt, ohne dabei dick zu werden. Der Wein bleibt aber immer leicht und fein und verblüfft mit seiner frischen Säure, die sich perfekt in diese weiche Gesamthaptik einfügt. Ich würde dieses Mundgefühl als ‘schlanke Opulenz’ bezeichnen. Unverkennbar ist ein langes Hefelager, die dichte Konsistenz lässt den Tropfen vom Gefühl her ‘so viel’ erscheinen, ohne wirklich viel zu sein. Es kommen Melonen zum Vorschein auf der Zunge, auch ganz feine Zitrusnoten. Kern- und Steinobst sind relativ präsent in diesem mineralischen Gesamtgefühl integriert. Saftig, dicht, harmonisch, weich und mild auf der Zunge, zieht der Tropfen leicht rauchig, auch mit etwas Speck behaftet über den Gaumen, legt dort den Staub von Schiefer ab und verabschiedet sich in einem wohligen, nebligen Rauch von Steinobst und staubigem Geröll. Man schmeckt ihm lange hinter und spürt dabei eine wohlige Wärme im Mund.

Resümee: Es überrascht wie ‘voll’ ein Wein mit 11,5% sein kann, wie dicht er sich anfühlen und wieviel Charakter in so einem Leichtgewicht stecken kann. Was er braucht ist Luft, viel Luft. Dann dreht er auf und trinkt sich wie Wasser. Nur mit wesentlich mehr Geschmack und Gefühl. Richtig rassig wird der Steinreich dann am Abend bei der Nachverkostung. Lebendige, freche Säure trägt ihn jetzt über die Zunge und sorgt für reichlich Speichelfluss wenn er über die Ränder abfliesst. Jetzt will man nur mehr eines, ihn einfach laufen lassen bis er alle ist.

Tipp: 1-2 Stunden in der Karaffe sind ideal, ebenso 8-10º Trinktemperatur. Flexibler Speisenbegleiter und als Solist ein Wein den man sehr rasch sehr lieb gewinnen kann.

Einen Bericht über den Steinreich lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling ‘Steinreich’ 2011 von Ansgar Clüsserath aus Trittenheim an der Mosel, Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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