Riesling Silberbichl 2013 Erste Lage

| 21. Dezember 2015 | 0 Kommentare ...alles

Charakterkopf mit Charme & Stil

Ein Wein der etwas Zeit braucht, dann aber eindrucksvoll beweist, dass Riesling mehr kann als immer nur nett und brav zu sein.

Winzer/Weingut: Stift Göttweig, Furth, Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Lage Silberbichlmit altem, von Löss überlagertem Donauschotter und Verwitterungsgestein.

Silberbichl Flasche/Etikett: Wie alle Etiketten ist auch dieses schlicht und einfach gehalten. In der Mitte in grossen schwarzen Buchstaben STIFT GÖTTWEIG – Das Weingut der Benediktiner und am unteren Rand Riesling Silberbichl 1 ÖTW Kremstal Reserve. Ganz oben dann wieder ein kleiner Aufputz in Form eines Engels der in einer Kampfausrütung inklusive Helm und Lanze durch die Lüfte fliegt. Die Zahl 1083 weist auf das Gründungsdatum von Stift Göttweig hin. Am Rückenetikett neben dem vollständigen Namen des Weins noch der Jahrgang 2013, eine ausführliche Beschreibung über die Lage und ihre Namensgebung sowie in der Mitte wieder das Siegel der ÖTW (Traditionsweingüter Österreich). Der himmelblaue Stelvin-Drehverschluss ist wieder mit dem Abgeordneten des Himmelreichs der sich von zwei Pferden über die Wolken kutschieren lässt bedruckt. Das war’s dann auch schon und jetzt wird der edle Tropfen in seine wohlverdiente Freiheit entlassen.

Im Glas: In hellem gelb mit zarten grünen Reflexen steht der Silberbichl im Glas.

In der Nase: Exotisch duftes es in der Nase. Orange, Mandarine und ein Löffel Honig tropfen einem entgegen. Im Hintergrund eine feste Würze die von weissen Blütenaromen umweht wird. Am Schluss richtig rauchig, etwas speckig, nasser Glimmer. Entwickelt sich an der Luft zu einem höchst mineralischen Duft der tief und dicht ist und sich kraftvoll in der Nase anfühlt.

Im Mund: So rauchig-mineralisch sich der Silberbichl in der Nase bemerkbar gemacht hat, genauso kommt er auch in den Mund. In seiner Konsistenz weich, rund, leicht mit Speck behaftet, setzt er auf der Zunge auf. Schon bevor man ihn schmeckt spürt man diese nasse Mineralik und den feuchten Rauch am Gaumen entlang ziehen. Erst dann überrascht er einen mit seiner Frische, seiner feinen gelben Frucht und seinem dezenten Säurespiel. Während auf der Zunge eine gewisse Fülle steht, massiert der Wein den Gaumen frisch und frech mit zitronigen Anklängen. Danach taucht etwas weisser Honig auf und das Finale fühlt sich weiss und blütenhaft an, wenngleich es doch sehr fruchtbetont wie mineralisch ist. Der Abgang saftig, rund und gelb, der Nachhall zärtlich herb und lang.

Schön langsam tauchen vermehrt Pfirisch- und Birnenaromen auf, am Gaumen entwickelt sich eine gewisse Griffigkeit, es wird fast stoffig, auch auf der Zunge. Nach wie vor butterweich, fast cremig, umspült der Silberbichl die Zunge, doch hat sich wie es scheint endgültig die “herbe Seite” durchgesetzt. Dabei ist es fruchtig wie auch saftig und am Ende steht ein Film im Mund, der fast mit einem kleinen Pelzchen verglichen werden kann. Nicht sofort, aber zum Ende hin wird es immer griffiger hinter den Lippen und man merkt wie man lustvoll diesem herben Film hinterher leckt. Dabei steht noch immer diese dezent zitronige Note im Hintergrund und sorgt für sanften Speichelfluss. Ein Verführer mit tiefer, in diesem Fall rauchiger Stimme, ist er, der Silberbichl.

So verführerisch saftig er zu Beginn ist, so maskulin fast wird der Wein mit der Zeit. Als würde ihn Sauerstoff in der Sekunde befeuern, seinen exotisch anmutenden Sex-Appeal in ein kühles nordisches Licht verwandeln. Frucht und Rundungen zu Beginn, dann nimmt er ab und wird am Ende ein richtig herber mineralischer Typ, der ganz schön Staub und Schotter in der Futterluke hinterlässt. Was bleibt ist karg, puristisch und so gar nicht süss und lieb, Der Silberbichl ist erwachsen, hat Charakter und zeigt Zähne. Ohne dabei seinen Charme zu verlieren. Denn davon hat er reichlich, nur ist der eher unterkühlt als herzlich, dafür aber umso sympathischer und verführerischer.

Resümee: Ein Wein der etwas Zeit braucht, dann aber mit Vollgas durch die Pampa düst und eindrucksvoll beweist, dass Riesling mehr kann als immer nett und brav zu sein. Charakterkopf mit Charme und Stil.

Tipp: Muss nicht, sollte aber etwas Luft aufnehmen. Um die 10º am besten zu geniessen. Zum Backhendl, zum Wiener Schnitzel oder zu gebratenem Süsswasserfisch. Als Solist einer mit dem sich vorzüglich entspannen lässt.

Einen Bericht über den Silberbichl lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Silberbichl 2013 vom Weingut Stift Göttweig aus Furth, Österreich.

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Kategorie: Stift Göttweig, Verkostet

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