Riesling Kabinett Royal 2012

| 12. September 2013 ...alles

Königlicher Wein für jeden Tag.

Spasswein der einfach unterhalten will, in Durstlöscherdosis zu vernichten und alles andere als aristokratisch verzopft ist.

Winzer/Weingut: Prinz von Hessen, Johannisberg/Rheingau, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Löss/Lehm- sowie sandig-lehmigen Böden aus den Weinbergen rund um den Johannisberg.

Kabinett Royal Flasche/Etikett: Wie alle Schlegelflaschen des Prinz von Hessen ist auch diese mit dem eleganten und stilvollen, in créme gehaltenen Etikett beklebt. Eine grosse weisse Fläche in der Mitte, in gold gerahmt und unterhalb der ‘Abstammung’ des Weins das goldene Wappen derer zu Hessen eingedruckt. Im unteren crémefarbigen Teil des Etiketts in klassischer Typo der Jahrgang und darunter Riesling Kabinett Royal angebracht. Johannisberg im Rheingau zeigt ganz unten noch seine Herkunft an und das war´s dann auch am grossen vorderen Etikett. Auf der Rückseite der Flasche erfährt man auch nicht viel mehr über den Wein, nur das Nötigste ist angeführt und vor allem das Logo des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter), dessen Mitglied man ist. Luftige 12 vol.% lassen schon vor dem Öffnen der Flasche auf ein leichtes Trinkvergnügen schliessen und deshalb darf der royale Riesling jetzt ins Glas.

Im Glas: Blass wie ein Albinohase, oder um es vornehm auszudrücken, “in nobler königlicher Blässe’ steht der Kabinett Royal im Glas. Ganz leichte grünliche Reflexe blitzen auf.

In der Nase: Schon von 20 Zentimeter Entfernung riecht man frischen Pfirsich, saftige Grapefruit und eine expressive Frische. Augenblicklich läuft einem ob dieser ausladenden Saftigkeit das Wasser im Mund zusammen. Erst wenn man die Nase ins Glas steckt verwandelt sich der Duft zu einem grüngelben Aromenkorb, wirkt weich und zeigt weisse Blütenanklänge. Es duftet frisch, saftig und auch durchaus lebendig, was auf ein ebenso lebendiges Säurespiel im Mund schliessen lässt. Ein Duft dem man gerne lange hinter riecht.

Im Mund: Wie erwartet ist das Erste was man von seiner ‘königlichen Hoheit’ zu spüren bekommt eine ausserordentlich präsente Säure auf der Zunge wie auch am Gaumen. Erst danach merkt man wie zitrusfruchtig, wie saftig und auch mineralisch die Gesamterscheinung ist. Aber zuerst muss man durch die Säureader die mehr als frech im Mund agiert. Da wird nicht nicht gekleckert, da wird geklotzt damit. 7,7 g/l machen Party auf der Zunge und wenn sie über den Gaumen ziehen weiss man was es heisst von einer Zitrone eingerieben zu werden. Doch ist es nicht unangenehm, vielmehr witzig, frech und lebenslustig. Man wird förmlich zu einem Grinsen gezwungen wenn Fräulein Säure ihren grossen Auftritt hinlegt. Ist man erstmal durch und hat sich auf sie eingestellt merkt man wie feingliedrig der Wein ist, wie viel von weissen Blütenaromen schmeckbar ist und wie weich und mild der Kabinett Royal in Wirklichkeit ist.

Nach der ersten ‘Eingewöhnunsphase’ und mit etwas Luft im Glas entwickelt sich der Kabinett Royal plötzlich hin zu einem saftigen und auch durchaus mineralischen Riesling. Man schmeckt jetzt auch die Pfirsiche, spürt wie Grapefruit mitmischt und erahnt die knappen 11 Gramm Restzucker die im Kabinett Royal schlummern. Man schmeckt sie nicht, man spürt sie nicht, man fühlt nur ein ultrafeines Zuckerschwänzchen, das aber aufgrund der hohen Säure absolut nicht süss schmeckt oder sich süss anfühlt. Vielmehr wirkt es rund und füllig im Mund, weich, mild und wie ein echter Wonnepfropfen. Bemerkenswert wie ein paar Minuten Luft im Glas diesen Wein mineralischer werden lassen, wie sich die anfängliche zitrusfruchtige Charakteristik zurücknimmt und den Blütenaromen und dem Gestein den Vortritt lässt.

Resümee: Der Kabinett Royal braucht etwas Luft um sich zu finden, dreht dann aber elegant auf, zeigt sich plötzlich mit unerwartet fein eingebundener Säure die nicht mehr das Kommando hat und lässt seine fruchtigen Begleitaromen äusserst vornehm neben seiner ausgeprägten Mineralik nebenher laufen. Er wird immer süffiger, immer prägnanter und am Ende schmeckt man sogar so etwas wie Aprikosen. Ein Wein der überrascht wenn man bedenkt, wie der erste Eindruck im Mund war. Ungezügelt in der Säure und jetzt, beim zweiten Glas, ein mineralisch anspruchsvoller Tropfen der völlig unprätentiös daherkommt und für wirklich grossen Trinkspass bei ebensolchem Trinkfluss sorgt. Eine echte Überraschung, die ich persönlich – nach all den bisher verkosteten Weinen des Prinz von Hessen – zu meinen Favoriten zählen würde. Kein Kunstwerk, aber ein ‘Königlicher’ den man sich problemlos jeden Tag hinter die Binde kippen könnte. Das ist Spasswein der einfach unterhalten will, der in Durstlöscherdosis zu vernichten ist und der alles andere als aristokratisch verzopft daher kommt. Daumen hoch für diese Interpretation von ‘royal’.

Tipp: Um die 10-12º sind ideal für diesen Wein. Eher 10 als 12. Macht Spass zu Fisch, Gemüse und sonstigen leichten Gerichten. Oder einfach als Solist genossen. Weil Dienstag, Freitag oder Allerheiligen ist. Ein Wein der keinen speziellen Grund braucht um von seinem Schraubverschluss befreit zu werden.

Einen Bericht über den Kabinett Royal lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Kabinett Royal 2012 vom Weingut Prinz von Hessen aus Johannisberg im Rheingau, Deutschland. Das Weingut Prinz von Hessen ist Mitglied des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter).

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Kategorie: Prinz von Hessen, Verkostet

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