Riesling ‘Heiligenstein’ 2012

| 29. Juli 2014 | 0 Kommentare ...alles

Weisser Riese mit Anspruch und Niveau.

Kein Riesling aus dem Mainstream-Lager, sondern richtiger Charakterdarsteller. Investition in die Zukunft.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kamptal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der terrassierten Hanglage Heiligenstein im Kamptal.

Zöbing Heiligenstein 2012 Flasche/Etikett: Wie gewohnt beklebt Fred Loimer die Flaschen seiner Erste Lage-Weine nicht mit den üblichen knallig bunten, sondern mit in schlichtem gedeckten weiss gehaltenen Etiketten. Selbstverständlich tanzt in der Mitte das bereits bekannte polynesische Fruchtbarkeitssymbol über dem Namen LOIMER und am unteren Rand erfährt man was man in der Hand hält. Jahrgang und Ort in feiner Typo, Heiligenstein und Kamptal Reserve in fettem Druck. Eleganz und Einfachheit als Motto. Am Rückenetikett wie üblich alle wichtigen Informationen, sowie der Hinweis auf die Traditionsweingüter Österreichs und die Zugehörigkeit zum Verein respekt, dessen Gründer Fred Loimer ist. Verschlossen ist die Flasche mit einem Glasverschluss und bevor der Riesling angetrunken wird kommt er für eine Stunde in die Karaffe. Das hat sich in der Vergangeneheit bei Fred Loimers ‘Spitzenweinen’ hervorragend bewährt und sollte auch dem Heiligenstein ganz gut tun.

Im Glas: Hell wie ausgebleichtes Stroh steht der Heiligenstein im Glas. Leichte grüne Reflexe schimmern mit.

In der Nase: Dezente Marillennoten strömen in die Nase, unterlegt mit etwas Honig sowie einem Korb von weissen Blüten. Schmeichelhaft würde diesen Duft wohl am besten beschreiben. Es fühlt sich weich an, keine Spur von laut, sehr vornehm und auf gewisse Weise überhaupt nicht typisch nach Riesling. Ein Butterkipferl kriecht im Hintergrund herum und setzt dem atypischen Rieslingduft die Krone auf. Ein insgesamt runder Auftritt im Riechorgan, das sich wie in einem Blütenmeer aus weissen Lilien und Orchideen vorkommt. Botaniker hätten ihre Freude mit diesem Bukett.

Im Mund: Ebenso weich wie sich der Heiligenstein schon in der Nase angefühlt hat, nimmt er auf der Zunge Platz. Cremig, mild, rund, voluminös und ‘weiss’ in seiner farblichen Wahrnehmung. Auch im Mund keine Spur von ‘typisch Riesling’ oder was man sonst erwartet hätte. Als würde sich ein riesiges weisses Blütenmeer im gesamten Mundraum ausbreiten, weisser Honig und ebenso viel weisser Schotter steht im Raum und alles fühlt sich fein staubig und nebelig an. Erst im Abgang kommt so etwas wie Frucht hinzu, bestenfalls die Haut von einer Aprikose, sonst nur elegante und feine Mineralik. Mehr physisch als geschmacklich agierend macht der Heiligenstein mit seiner Dichte Druck im Mund und wird erst im Nachhall richtig rund und weich am Gaumen. Er bekommt noch eine weitere Stunde Sauerstoff und wird sich dann, wie all seine Vorgänger, noch wesentlich weiter entwickelt haben.

Wie erwartet hat der Heiligenstein enorm zugelegt. Jetzt, nach zwei Stunden riecht man auch mehr frische Marille, es ist generell etwas aufgefrischt im Glas. Auf der Zunge spürt und schmeckt man nichts als weisse Blüten und ebensolchen weissen Staub. Der Tropfen ist ein Mineralikfreak und definitiv nichts für fruchtbesessene Rieslingtrinker. Er schmeckt weiss, nicht gelb, fühlt sich weiss am Gaumen an und auch im Abgang. Das Butterkipferl schleppt er mit als hätte es sich an einen Stein angekettet. Lieber sterben als den Anschluss zu verlieren. Der Heiligenstein schmeckt ‘floral’ im Sinne von weissen Blüttenblättern. Unglaublich wie weich, wie mild, wie nebelig und trocken sich das alles auf der Zunge und am Gaumen anfühlt. Sollte das denn erst der Anfang dieses Weines sein? Ich gebe ihm weitere zwei Stunden um sich zu verwandeln.

Am Nachmittag steht eines fest: Der Heiligenstein bleibt cremig wie Labello und hat kein einziges Blatt seiner weissen Blüten verloren. Er ist noch frischer geworden, hat aber gerade was seine weissen Honig- und Blütenaromen betrifft noch einen drauf gesetzt und präsentiert sich als selbstbewusster ‘Weisser Riese’. Er ist dicht auf der Zunge, hat Speck an den Hüften und fühlt sich weich und rund im Mund an. Der Gaumen wird mit feinstem weissen Staub eingenebelt, im Abgang spürt man einen Hauch von Schotter und im Nachhall fängt man an mit dem zu spielen, was sich gerade eindrucksvoll verabschiedet hat. Man bleibt mit einem vollen, eingecremten Mund zurück, spürt Staub, Schotter, Orchideen und ganz viel Trockenheit. So schmeckt kein Riesling aus dem Mainstream-Lager. Das ist ein richtiger Charakterdarsteller. Und dann, am Abend, ist plötzlich die Marille da. Fein, saftig, leicht und rund. Am Gaumen haftet ein feiner herber Film und am Ende bleibt ein leicht herber Nachgeschmack.

Resümee: Im Grunde ist der Heiligenstein viel zu schade um bereits jetzt getrunken zu werden. Klar, er macht Spass und hat durchaus schon einiges zu bieten, ein paar Jahre in der Flasche lassen ihn aber garantiert zu einem wundervollen Wein reifen. Man kann jetzt nur ahnen wo diese Reise hingeht, aber eines ist gewiss: Wenn diese ‘Richtung’ beibehalten wird, dann hat man 2017, 2021 oder später etwas richtig Phänomenales im Glas. Kaufen, eine Flasche kosten um eine Vision zu bekommen und den Rest verbuddeln.

Tipp: Zwei Stunden mindestens karaffieren. 11-12º Trinktemperatur sind ideal. Anspruchsvolle Gemüseküche, weisses Fleisch und Fisch begleitet er gekonnt. Als Solist ein charaktervoller Faserschmeichler mit Niveau.

Einen Bericht über den Riesling Heiligenstein lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Zöbing Heiligenstein 2012 Kamptal DAC Reserve von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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