Riesling Deidesheimer Herrgottsacker 2015

| 13. Mai 2017 | 0 Kommentare ...alles

Wein des Bodens

Das Teil hat 12,5 Umdrehungen UND Dichte, das muss man erst einmal zusammenbringen. Das ist grosses Rieslingkino.

Winzer/Weingut: Weingut von Winning, Deidesheim/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Herrgottsacker, die zwischen den großen Gewächslagen Kalkofen und Forster Ungeheuer liegt.

Herrgottsacker Allgemeines: Von Winning; kennt man. Oder? Ungeheuer, Forst, Kirchenstück, 500 und viele Namen mehr wecken augenblicklich Assoziationen. Stephan Attmann ist der Name, der untrennbar mit den Weinen von von Winning aus Deidesheim in der Pfalz in Verbindung steht. Er lenkt die Geschicke des Betriebes und hat eine Stilistik eingeführt, die auf jeglichen Mainstream verzichtet. Ausgebaut werden die Weine der Pfälzer Spitzenlagen im Holzfass, das handgelesene Traubengut wird rigoros selektioniert, es wird spontan vergoren und bis zur Füllung auf der Vollhefe belassen. Einer seiner Weine aus der Lage Herrgottsacker, welche zwischen den großen Gewächslagen Kalkofen und Forster Ungeheuer liegt, steht heute hier am Tisch der Wahrheit. Der Riesling Deidesheimer Herrgottsacker 2015. Und weil ich einige von Winnings kenne, wandert auch der Herrgottsacker jetzt erstmal für eine 30 bis 60 Minuten in den Dekanter und danach wird aus dem grossen Glas verkostet.

Im Glas: Allerhellstes strohgelb dreht der Herrgottsacker im grossen Becher seine Runden.

In der Nase: Ein Schuss Limette zeigt sich als erstes, dann folgen Apfel, etwas Grapefruit und ganz viel feuchter Feuerstein. Leicht rauchig zieht der Duft die Nasenflügel hoch, ist animierend und lässt ein wenig Speichelfluss aufkommen. Eine frische feine Kräuternote weht im Hintergrund vorbei und bringt ein wenig grün ins Spiel. Was macht das Spass, wie lustig fühlt sich alles in der Nase an, wie ungeduldig giert man einem ersten Schluck entgegen.

Im Mund: Oh ja, so macht das wirklich Spass! Zuerst so richtig knackig auf der Zunge, rassig, flott, rasant und zitrusfrisch, so schnell verändert sich der Herrgottsacker in einen höchst mineralischen, dabei weichen und ungemein dichten Wein. Der kracht vor feuchter Feuersteinaromatik, ist schlank und hat einen Zug drauf der gewaltig ist. Auch am Gaumen spürt man wieder diesen Hauch Menthol, ganz fein, unterfüttert von Limette und von Grapefruit. Auf der Zunge aber ein rasanter Tropfen der keine Kompromisse macht. Glasklar, präzise und dann doch am Ende ein überraschend sanfter Ausklang. Nach einer Weile wird es immer reduzierter, man bleibt mit nichts als Erde, Kalk und Stein zurück. Mineralik pur im Mund und ewig lang das Nachspiel.

Je länger der Tropfen in der Karaffe vor sich hindümpelt und sich mit Sauerstoff versorgt, umso dichter wird alles im Mund. Der Herrgottsacker erinnert von seiner Konsistenz an ein Grosses Gewächs, seine physische Dichte ist enorm, die Haftung im Mund aussergewöhnlich. Er wird weicher, zeigt ungemein viel Textur auf der Zunge und am Gaumen, fühlt sich richtig druckvoll an und ist doch sehr frisch und klar geblieben. Nur was das Thema Frucht angeht zeigt er sich von seiner sparsamen Seite. Er ist ein Wein des Bodens, einer, der richtig stolz drauf ist und gern auf alles andere verzichten kann. Nach wie vor ist es der feuchte Feuerstein der für feinsten Rauch im Rachen und damit für einen langen Abgang sorgt.

Immer mehr entwickelt sich der Herrgottsacker weiter, legt an Textur zu und fühlt sich immer eindrucksvoller an. Normal ist rassig hart, hier ist es weich, normal ist Klarheit strahlig, hier ist sie fein und sanft. Das Mundgefühl trotz aller Knackigkeit ein weiches, die Kombination von Feuerstein und Zitrusfrische ein Erlebnis. Ich mag den Wein, verfalle ihm immer mehr und bin gespannt wie er sich in den nächsten Stunden noch verwandeln wird. Denn das wird er sicher und ich wette, dass es noch ein ganz grosser Spass und eine noch grössere Wohltat werden wird den Herrgottsacker im Mund zu spüren.

Resümee: Das Teil hat 12,5 Umdrehungen UND Dichte, das muss man erst einmal zusammenbringen. Das ist grosses Rieslingkino das man nicht versäumen sollte. Ich gönn mir noch ein Glas und lass dann Fünf mal grade sein.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe sollte er bekommen. Unbedingt ein grosses Glas nehmen und nicht zu kalt geniessen. Ein universeller Speisenbegleiter und als Solist ein eindrucksvoller Charakterdarsteller.

Einen Bericht über den Deidesheimer Herrgottsacker lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Deidesheimer Herrgottsacker 2015 vom Weingut von Winning aus Deidesheim in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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