Riesling C.A.I. ‘Escheburg’ 2009

| 28. Juli 2014 | 0 Kommentare ...alles

Rasse, Frische, Frucht & Mineralik.

Weinerlebnis, das fülliger, konzentrierter und gleichzeitig charaktervoller nicht sein könnte. Grosser Spass für Leckermäuler mit Anspruch.

Winzer/Weingut: Immich-Batterieberg, Enkrich an der Mosel, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von einer Selektion der besten Parzellen aus Enkircher Steillagen mit Schiefer- und Quarzitböden.

Escheburg 2009 Flasche/Etikett: Das Etikett das auf der bläulich grünen Schlegelflasche klebt erzählt eine ganze Geschichte. Von der Lage am Fluss, den Weingärten und von der Geschichte des Batteriebergs. Dafür steht die Kanone, mit welcher zwischen 1841 und 1845 die gleichnamige Lage an der Mosel mittels Sprengbatterien praktisch in die Landschaft geballert wurde. Einzig die Bedeutung der zwei kleinen Kinder mit den Engelsflügel auf ihren Gewändern bleibt zu entschlüsseln. ESCHEBURG steht in schwarzen Kapitalen links über dem Bild und rechts in orange überdimensional gross der Jahrgang. Links unten im weissen Teil IMMICH-BATTERIEBERG und die Internetadresse. Der Rest an Informationen steht im rechten weissen Teil des Etiketts. Unten ebenfalls in orange das Logo des Batteriebergs, jenes von C.A.I. was für Carl August Immich, den ‘Erschaffer’ des Batteriebergs steht, sowie ein kleiner Engel, dessen Bedeutung mir noch unbekannt ist. Der Wein braucht Luft, das ist so überliefert, und deshalb darf er sich eine Stunde in der Karaffe auf seinen Auftritt vorbereiten.

Im Glas: Aus dem Glas schimmert der Escheburg in hellem strohgelb.

In der Nase: Steckt man die Nase rein hüpft einem auf der Stelle der Begriff ‘Sponti’ ins Gesicht. Dahinter merkt man bereits fette Aprikosen, matschige Ananas und eine richtig prickelnde Mineralik in der Nase. Es schiefert, ist nass, irgendwie verregnet. Man muss sich erst gewöhnen an dieses doch etwas modrig wirkende Dufterlebnis, das intensiv, dichtmaschig und kraftvoll ist. Erst nach und nach klart alles ein wenig auf, wird feiner und heller. Eine Stunde ist das Minimum, die der Wein in der Karaffe stehen sollte. Am besten in einer mit grosser Bodenfläche um viel Sauerstoff ran zu lassen. Dann hat die Nase auch ein wenig Spass mit der dichten Aromatik.

Im Mund: Süss-sauer. Der erste Gedanke, der, noch nicht einmal fertig gedacht, alles schon wieder vorbei sein lässt und den Wein cremig, dicht und kugelrund im Mund zeigt. Extrakt pur, ohne wirklich süss zu sein. Da hält eine Säure dagegen, die dem Ganzen ein unglaublich intensives Mundgefühl beschert. Rasse hat der Escheburg. Weich ist er und so reduziert wie die Erträge die ihn zu Wein werden liessen. Voller Saft steht auf der Zunge, ein ganzer Hang von Schiefer in ihm eingelagert. Es schmeckt salzig an den Rändern, oder sauer, oder mineralisch. Es macht Spass den Wein zu spüren. Wie überhaupt dieses Zusammenspiel von triefender Ananas mit milder, aber doch sehr präsenter Säure ein Erlebnis bescheren, das fülliger, konzentrierter und gleichzeitig charaktervoller nicht sein könnte.

Nach zwei Stunden im Sauerstoffzelt fängt der Escheburg nun auch in der Nase an Spass zu machen. Klar, marillig-ananassig und ungemein frisch und mineralisch. Auf der Zunge beginnt er jetzt förmlich zu laufen, man spürt den Schiefer sehr schön im gesamten Mundraum, man atmet ihn förmlich ein. Den Restzucker von 24 g/l merkt man, keine Frage, es ist aber nicht so, dass man es als wirklich süss empfinden würde. Vielmehr wird alles von der Säure und diesem rauchigen Schieferton wunderbar gepuffert, was alles sehr harmonisch und ausgeglichen erscheinen lässt. Reife Aprikosen dümpeln saftig auf der Zunge rum, ebenso fette Ananas, einen Tag vorm Ablaufdatum. Es ist fruchtig einerseits, die Wagenladung Schiefer aber verleiht dem Escheburg erst seinen vielschichtigen Charakter. Es trieft vor gelber Aromatik und gleichzeitg findet man sich inmitten eines Steinbruchs wieder. Und das ist erst der Anfang, weil der Tropfen erst jetzt so richtig Fahrt aufnimmt.

Resümee: Der dichte Saft der auf der Zunge steht kann eindeutig als exotisch bezeichnet werden. Nach drei Stunden spürt man jetzt die volle rassige Mineralik und ist erstaunt über die Wandlung die der Escheburg vollzogen hat. Immer klarer wird er im Mundgefühl, bleibt dabei aber stets cremig und weich. Er wirkt nur feiner zisliert, spielt mehr mit dem Schiefer und nimmt sogar die Frucht dafür ein wenig zurück um etwas mehr Rauch ins Spiel zu bringen. Die feine wie auch milde Säure trägt den Wein förmlich über die Zunge und über den Gaumen zieht ein saftiger Film von Ananaskompott. Der Escheburg ist was für Leckermäuler mit Anspruch. Ananas mit einem Hauch von Rauch und jeder Menge Steinen im Finale. Wäre interessant den Wein überhaupt erst am zweiten Tag anzutrinken. Das würde aber aufgrund der Wartezeit an Folter grenzen und somit ein Fall für die Menschenrechtskommission sein.

Tipp: 2 Stunden Luft sind empfehlenswert. Nimmt ständig zu. Mit um die 10º Trinktemperatur geniessen. Viel zu schade um was dazu zu essen. Macht als Alleinunterhalter allergrössten Spass.

Einen Bericht über den Escheburg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling ‘Escheburg’ 2009 vom Weingut Immich-Batterieberg in Enkirch an der Mosel, Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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