Riesling ‘Bruck’ 2010

| 31. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Spannung wie bei Hitchcock.

Kann filigran voluminös sein und kann kristallklar gleichzeitig saftig und rund sein? Ja, es kann! Dieser Wein tritt eindrucksvoll den Beweis an.

Winzer/Weingut: Peter Veyder-Malberg, Spitz/Donau, Wachau, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Glimmerschieferböden der auf ca. 400 Meter Seehöhe liegenden Lage Bruck.

Riesling Bruck Flasche/Etikett: Auf der superschlanken Schlegelflasche klebt eines der schönsten Etiketten die ich persönlich seit längerer Zeit gesehen habe. Auf gedeckt weissem Untergrund präsentiert sich ein in grün gehaltenes, sehr traditionell gestaltetes Motiv wie man es von früheren Etikettendesigns kennt. Es ist aber durch die feine grafische Gestaltung vollständig aufs Wesentliche reduziert und so weit ‘abgespeckt’, dass man durchaus ‘Tradition meets Neuzeit’ sagen kann. In der Mitte was in der Flasche drin ist und Wachau in Grossbuchstaben runden alles stimmig ab.

Am Hals der Flasche verkündet ein eigens aufgebrachter Kleber, dass der Wein ein Produkt echter HANDARBEIT ist. Das steht auch am Rückenetikett ganz oben drauf und ebenso informiert dieses ausführlich über die Philosophie des Weinguts, sowie über die Lage und die mühevolle Bewirtschaftung dieser. Nachdem der Riesling Bruck von seinem Glasverschluss befreit ist, kommt er (extra nachgefragt) für drei Stunden in die Karaffe um dort Luft zu schnappen.

Im Glas: Im Glas steht der Riesling Bruck fast goldgelb mit einem hauchfeinen grünlichen Schimmer. Es sieht satt und konzentriert darin aus und macht Lust darauf die Nase rein zu stecken.

In der Nase: Unmittelbar nach dem Umfüllen sind einem superfruchtige Aromen in die Nase gesprungen, jetzt, nach drei Stunden Luftaufnahme, duftet es wunderbar weich und mild, saftige Mango hebt den Finger und auch Quitten und Marillen mischen kräftig mit. Gelbe Fruchtaromen und ein Hauch von Fenchel ziehen einprägsam ihre Kreise. Alles wirkt wie von einer feinen Honigschicht überzogen, riecht sehr reif, sehr ‘erwachsen’ und doch so anders als man es gewohnt ist. Es duftet intensiv, ist aber trotzdem leise und verhalten und macht keinen Krach im Riechorgan. Weich, rund und warm fühlt es sich an.

Im Mund: Aber Hallo! Was kommt hier zuerst? Die gelben Früchte, die kristallklare Ader, oder doch die rassige Säure welche alle Nervenstränge im Mund in Beschlag nimmt? Lässt man den Riesling Bruck über die Zunge gleiten spürt man auf dieser in erster Linie pure Mineralität, gefolgt von einer weichen, Saft ablagernden Spur die sich über eine subtil feine Bitternote verabschiedet. Das eindrucksvolle Säurespiel findet gleichzeitig auf der Zunge und am Gaumen statt und man ist damit beschäftigt all diese intensiven Eindrücke unter einen Hut zu bekommen. Trotz des sehr lebhaften Charakters welche die Säure dem Wein verleiht, wird alles eindrucksvoll von einer weichen Saftigkeit in Zaum gehalten. Neben den eingangs erwähnten Fruchtaromen steht eine ebenso eindrucksvolle, wenn auch verhalten vorsichtig wirkende würzige Note die dem Riesling Persönlichkeit verleiht.

Was beim Riesling Bruck so fasziniert ist die Spannung die er aufbaut. Fast bissig breitet er sich vordergründig im Mundraum aus und kaum hat man das wahrgenommen, öffnet er die Mineralikdüse und schiesst eine Ladung Schiefer dazu um sie ein wenig abzuschwächen. Die weissen Pfirsich- und Lycheenoten enden in einer subtilen Bitternote und über den Gaumen zieht der Riesling Bruck trotz kristallklarem Säurespiel in harmonisch warmer Konsistenz hinweg. Der Wein wirkt in der ersten Sekunde schlank und filigran und zeigt sich dann trotz allem dicht und saftig, hat Schmelz und Volumen und wirkt insgesamt reif und rund. Der Riesling Bruck fasziniert, ergreift Besitz von einem und fordert auf sich seiner kristallinen Persönlichkeit zu stellen. Es ist beeindruckend zu erleben wie der Tropfen einerseits richtig ‘knackig’ ist, wie er sich fast verbeisst im Mund und andererseits zu fühlen wie vollmundig, fast üppig er ist ohne dabei jemals auch nur in die Nähe von fett zu kommen.

Resümee: Kann filigran voluminös sein und kann kristallklar gleichzeitig saftig und rund sein? Ja, es kann! Der Riesling Bruck tritt diesen Beweis mit einem Lachen im Gesicht an. Als Draufgabe kommt der Wein dann auch noch mit gerademal 12% daher und empfiehlt sich damit fast als sommerlicher Durstlöscher. Angesichts des Preises dürfte er das aber eher nicht werden, sind 32 Euro nicht gerade Sozialtarif. Sieht man sich allerdings an mit wieviel Herzblut und mühevoller Handarbeit dieser Wein realisiert wird, dann ist der Tarif zwar notwendige, aber letztlich nebensächliche Begleiterscheinung für jene die ‘handwerklich’ hergestellte Weine zu schätzen wissen.

Tipp: Unbedingt für drei Stunden in die Karaffe mit dem Wein und dann bei 10-12º erleben. Geduldige verfolgen den Wein über einen Tag hinweg und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Zu den üblichen ‘Riesling-Menüs’ oder einfach als Alleinunterhalter. Mir persönlich fast zu schade um ihn mit Feststofflichem zu ‘teilen’.

Einen Bericht über den Riesling ‘Bruck’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling ‘Bruck’ 2010 von Peter Veyder-Malberg aus Spitz an der Donau in der Wachau, Österreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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