Ried Froschau 2013 Traminer

| 30. November 2016 | 0 Kommentare ...alles

Phänomenales Mundgefühl

Ohne jeden Zweifel ein Wein der sich “Saufwein” nennen darf. Wenngleich das fast schon beleidigend ist bei all seiner Finesse und Persönlichkeit.

Winzer/Weingut: Weingut Harrer, Neusiedl am See, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von bis zu 90 Jahre alten Reben der Ried Froschau.

traminer-ried-froschau-2013 Allgemeines: Nicht zum ersten, und sicher auch nicht zum letzten Mal, steht heute ein Wein von Peter Harrer aus Neusiedl am See im Burgenland bei mir am Tisch der Wahrheit. Zu köstlich, zu aussergewöhnlich und vor allem trinkanimierend waren seine letzten beiden Tropfen die ich zur Verkostung hatte. Ein Blaufränkisch und dann ein Chardonnay Weisse Lagen. Einfach toll gewesen diese beiden. Heute steht wieder so ein eigenwilliger, um nicht zu sagen extrovertierter Wein von ihm vor mir; sein Traminer Ried Froschau 2013. Maischevergoren, ungeschönt, ungefiltert und ungeschwefelt. Ausgebaut im Holzfass. Die Lage selbst ist eine Senke, bepflanzt mit 90 Jahre alten Rebstöcken. Nachdem mir seine letzten beiden Weine ausgesprochen gut gefallen haben bin ich gespannt, was der Traminer alles drauf hat. Die Erwartung ist entsprechend hoch, ich habe eine Ahnung was auf mich zukommt und entscheide mich fürs grosse Glas. Zuerst jedoch kommt der gute Tropfen für eine Stunde in die Karaffe.

Im Glas: Was für eine Farbe! ORANGE. Und zwar richtig orange. Mit zarten rostbraunen Einschlägen. Wunderschön.

In der Nase: Und was für eine Nase! Orangenschalen, feucht und saftig, dazu Rosenblüten und ein Schuss von grüner Nuss im Hintergrund. Ich bin geflasht und würde meine Nase am liebsten in dem Saft versenken. Traminerduft für Träumer ist das. Der Ried Froschau strotzt vor Selbstbewusstsein und die Nasenflügel wissen es zu danken. Monumental phantastisch. Abartig delikat und betrörend.

Im Mund: Ein Schluck, ein “schmatz”, und hin und weg ich bin von diesem Tropfen. Glaubt man im ersten Augenblick den vollen Saft zu spüren, ist der Ried Froschau auch schon wieder aufgetrocknet bevor man diesen Eindruck noch geistig verarbeitet hat. Kurz schmeckt man feuchte Orangenschale und das war´s dann auch schon wieder weil sich augenblicklich derart Haftung auf der Zunge aufbaut, dass man mit den Ohren schlenkert. Extrem griffig, dabei aber doch soviel leichter Saft spürbar, dass man nicht wirklich weiss was letztlich überwiegt. Phänomenal das Mundgefühl, diese Herbheit, die, kurz bevor sie ins Bittere abdriftet, wie von alleine orangig-fruchtig wird. Der Abgang eine Mixtur aur Nuss und Rosenöl, gewürzt mit einer Prise Salz. Irre. Einfach irre was da abgeht.

Die Wahl des grossen Bechers war die richtige. Im normalen Glas käme sich der Tropfen wie in einer Zwangsjacke vor. Was er jedoch im Kelch zeigt ist gewaltig. Wird immer feiner an der Luft, die Orangen treten etwas in den Vordergrund und insgesamt wird der Ried Froschau auch ein wenig fruchtiger. Nach wie vor herrscht ein enormer Grip im Mund, die Zunge wird förmlich eingerieben und am Gaumen haftet der Traminer wie frisch aufgetragener Verputz. Was sich geändert hat ist, wie sich alles anfühlt. Es ist runder, weicher geworden, es scheint als würde es ein wenig “safteln” und tatsächlich auch oranger werden. Pfirsich taucht ganz plötzlich auf, auch die Rosenblätter trauen sich schön langsam wieder etwas in den Vordergrund. Der Trinkfluss steigert sich mit jedem Schluck und man bekommt ganz einfach nicht genug von diesem Tropfen. Nicht zuletzt weil er trotz aller Komplexität und Kraft ein überraschend feiner Wein ist.

Ich gestehe, je länger ich an diesem Saft herumnuckle, umso schwieriger fällt es mir wieder damit aufzuhören. Es ist dieses Spiel von saftiger Orange, die gleichzeitig wieder schneller trocknet als man “muh” gesagt hat, und der enormen Haftung die der Tropfen hat. Dieses Wechselspiel von Saft und herb, von Frucht und trocken ist faszinierend. Man trinkt und trinkt und will immer mehr davon im Mund spüren. Ich ertappe mich wie meine Schlucke immer grösser werden und wie sehr ich es geniesse mit dem Wein im Mund zu spielen.

Resümee: So wie sich der Ried Froschau nach drei Stunden offen präsentiert ist er nicht nur äusserst schmackhaft, er ist ohne jeden Zweifel ein Wein der sich das Prädikat “Saufwein” umhängen darf. Wenngleich das fast schon beleidigend ist bei all seiner Finesse und Persönlichkeit. Trotzdem, er zischt und trinkt sich weg als wäre Wein dieser Art das Selbstverständlichste der Welt. Einer der feinsten Traminer die ich in den letzten Jahren getrunken habe. Ganz grosses Lob und Daumen hoch. Das macht richtig Spass!

Tipp: Gönnen Sie ihm eine Stunde in der Karaffe und trinken sie ihn mit 12-14º aus dem Burgunderglas. Zur anspruchsvollen Gemüseküche oder zu asiatischen Gerichten eine Bank. Als Solist ein wunderbarer Zeitgenosse.

Einen Bericht über den Ried Froschau lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Traminer Ried Froschau 2013 vom Weingut Harrer aus Neusiedl am See, Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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