Reuilly blanc 2010

| 1. März 2012 | 0 Kommentare ...alles

Zitrone in Basilikum-Mäntelchen.

Wer sich der Gefahr aussetzen möchte süchtig nach mehr von diesem Wein zu werden, der sollte diesem Reuilly eine Chance geben.

Winzer/Weingut: Denis Jamain, Domaine de Reuilly, Reuilly, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus der kleinen Appellation Reuilly an der Loire, einer Weinbaugemeinde südwestlich von Sancerre.

Flasche/Etikett: “Ich bin aus Reuilly”. Das muss doch reichen, oder? Das steht nämlich auf dem weissen Etikett. Kein Name wie man annehmen möchte, einzig der Name woher dieser Sauvignon Blanc stammt; nämlich aus Reuilly. Das nennt man regionalen Stolz.

Und sonst? Vollgepackt mit allem was so drauf muss auf das gute Stück Papier. Grün und Gold ist immer gut und Gott sei Dank ist der Name, pardon, die Herkunft derart gross und prominent platziert, dass man den Rest getrost vergessen kann. Ach ja, ein Wappen ist auch noch drauf. Wappen sind immer gut und untermauern die Verbundenheit zur Region. Es ist ein klassisches Etikett ohne Anspruch auf Design und Eigenständigkeit. Hier geht es um den Wein und das sollte letztlich die alleinige Entscheidungshilfe sein. Aber ein wenig schön ist es ja doch. So man grün und gold mag.

Im Glas: Richtig blass ist das was hier im Glas ist und es sieht fast albinoweissgelb aus, so es diese Farbe überhaupt gibt. Jedenfalls ist sie sehr hell, die Farbe, und lässt einen tief ein- und auch durchblicken.

In der Nase: In die Nase hüpfen einem förmlich frische Stachelbeeren und es duftet so frisch, dass man richtig zusammenzuckt ob soviel Temperament. Zitrusaromen und auch Kräuter machen sich bemerkbar. Es sind dann auch nicht die Stachelbeeren sondern vielmehr die Zitrone mit den Kräutern die dieses Bukett so lebending und frisch machen. Ein Duft der für einen Sauvignon Blanc eher unüblich, weil er nicht nur grün und laut ist, sondern auch noch diese eigenwillige Kräuternote mit ins Spiel bringt. Man kann sich gar nicht satt riechen an dieser ungewöhnlichen Expressivität.

Im Mund: Nach all der genüsslichen Riecherei darf der Tropfen endlich in den Mund. Da dieser ob soviel animierendem Duft schon regelrecht ‘unter Wasser’ steht ist es an der Zeit den ‘Reuilly’ geschmacklich zu erkunden. Kaum über die Zunge und den Gaumen geflutscht ein erstauntes WOW. Das ist mal was wirklich anderes. Kräuter und Mineralität der erste Eindruck. Erst danach die Wahrnehmung von Zitronen und Stachelbeeren, obwohl beide fast parallel dazu ‘einschiessen’. Normalerweise ist es umgekehrt, hier jedoch schmeckt man zuerst die Hülle bevor man zum fruchtigen ‘Kern’ durchdringt. Wie bei einem Lutschbonbon. Nur dass das hier wesentlich besser ist. Es ist Winter und dieser Wein versetzt einen schlagartig in den Hochsommer. Der ‘Reuilly’ ist ein Hammer.

Nochmal die Nase tief ins Glas gesteckt um die abgespeicherten Aromen beim nächsten Schluck geschmacklich zu erleben. Der Tropfen hat was. Es ist diese kräutrige Zitronennote die so fasziniert. Das ist kein Sauvignon der einen mit den üblichen massenkonditionierten Aromen erschlägt, dieser hier hat Charakter und interpretiert sich selbst als eigenwillig. So eigenwillig, dass man gar nicht nachkommt diesen Geschmack wieder und wieder erleben zu wollen. Der Wein verdunstet richtig im Glas und es ist pure Freude sich selbst dabei zu beobachten was dieser Tropfen mit einem ‘anstellt’.

Da ich selbst eher säureempfindlich bin, ist es ein grosser Spass diese jene, welche sich im ‘Reuilly’ tummelt, zu erleben. Sie ist da, hält sich aber zugunsten der saftigen Aromatik und Textur sehr zurück. Ich kann übrigens von dem Bukett nicht genug bekommen! Es ist gefährlich, denn es animiert dermassen, dass es unheimlich ist. Das ist echter Suchtstoff, der, wenn er einen schon im Winter so in Verzückung versetzt, im Sommer eine echte ‘Gefahr’ darstellt. Da ich die Weine die mich bei den Verkostungen vom sprichwörtlichen ‘Hocker’ werfen dann auch selbst einkaufe – oh ja das tue ich tatsächlich -, wird auch dieser hier seinen Platz in meinem ‘Sommerregal’ finden. Wo er jedoch, und da bin ich absolut sicher, nicht bis in den Herbst ‘überleben’ wird.

Resümee: Der ‘Reuilly’ gehört wieder einmal zu jener Kategorie Weine die mir bewusst machen, dass ich gar nicht soviel Wein trinken kann wie ich gerne würde. Diese ‘Kräuterhexe’ hat mich jedenfalls verzaubert und ich empfehle jedem der nur ein wenig nach etwas anderem als Supermarkt-Sauvignon sucht, diesen ‘Kerl’ einmal zu versuchen. Verantwortung ob einer möglich auftretenden Sucht übernehme ich aber keine ;-) Um 9,80 Euro ein Sauvignon Blanc der seiner Art mehr als nur gerecht wird.

Tipp: Kühlen Sie ihn gut (10-12º) und haben Sie einfach Spass mit diesem ‘Zaubertropfen’. Wenn Sie ihn mit mehr als nur zwei Fraunden geniessen wollen, dann legen Sie zur Sicherheit ein paar Flaschen ‘auf Eis’, der Wein geht weg wie nichts.

Einen ausführlichen Bericht über den Reuilly lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Reuilly blanc 2010 von Denis Jamains Domaine de Reuilly in Reuilly, Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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