Rasteau ‘L´Andéol’ 2010 AOC Côtes du Rhône

| 10. August 2012 | 0 Kommentare ...alles

Wolf im Schafspelz.

Kein Schmusewein für Fruchtfanatiker, sondern richtig rustikaler Wein für Könner. Macht Spass im Mund und zeigt kompromisslos seine Herkunft.

Winzer/Weingut: Famille Perrin, Perrin & Fils, Orange, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von einem 2 Hektar großen Weinberg aus einer alten Südterrasse mit Kies, Sand und Lehmböden.

Flasche/Etikett: Auf dem Tisch steht die Burgunderflasche und zeigt uns ihr elegantes Etikett. In weiss mit roter Schrift und selbstverständlich mit allem was der kundige Weinfreund auf den ersten Blick wissen soll. Namensgeber ist die Region, wie üblich, L´Andeol gibt auch noch die genaue Lage bekannt und selbstverständlich auch der Hinweis, dass es sich dabei um einen Wein aus der Appellation Côtes du Rhône Villages handelt. Oben die kleine ‘Festung’ mit den vor ihr liegenden Weingärten drauf und am Flaschenhals das Wappen der Famille Perrin sowie der Jahrgang. Elegant, vornehm, typisch französisch. Am Rückenetikett ein paar Infos über die Famille Perrin, ein wenig über die Lage und die Bedingungen der Region sowie über die Herstellung des Weins in deutsch und somit auch für notorische Fremdsprachenverweigerer lesbar.

Auch wenn es keine explizite Dekantierempfehlung für den Rasteau L´Andéol gibt, kommt er für wenigstens eine Stunde zur Belüftung in den Dekanter. Gerade relativ junge Côtes du Rhônes danken es einem immer wieder und belohnen die Geduld dreifach.

Im Glas: Rot, roter, dunkelkirschrot. So steht der Rasteau L´Andéol im Glas und macht keine Anstalten tiefe Einblicke freizugeben. Sehr dicht sieht es darin aus und an der Wand fliesst ein dicker Film ganz langsam ab. An den Rändern blitzt es ganz verhalten violett.

In der Nase: Aus dem Glas strömen dunkelrote Fruchtaromen heraus. Saftig, fleischig, fest. Es riecht ein wenig würzig und eine feste Pfeffernote steht daneben. Ein typisches Grenache-Bukett sozusagen. Der Duft hat Kraft und die reifen Kirsch- und Beerenaromen machen ihn noch saftiger in der Nase.

Im Mund: Über die Lippen zieht der L´Andéol sehr weich, sogar recht frisch und lässt einen auf der Zunge sofort spüren, dass hier nichts opulentes seinen Auftritt sucht. Knochentrocken rieselt er förmlich auf der Zunge ab, entlädt schwarze Fruchtaromen und füllt sofort den Gaumen aus. Wer glaubt, dass da ein fruchtbetonter Wein sein ‘Spiel’ treibt irrt. Zwar schmeckt man etwas fleischig-fruchtiges, doch wird diese Wahrnehmung sofort von der kräftigen Textur mit ihren Kakaoaromen überlagert. Der Rasteau hat Kraft, wirkt fast rustikal mit seinem leichten ‘Nachschlag’ von geröstetem Fleisch, macht einem nichts vor und zeigt sich eindeutig terroirgeprägt. Da wird nichts versteckt oder verheimlicht, vielmehr legt es der L´Andéol im Mund drauf an ernst genommen zu werden.

Die 20% Syrah die in dieser Cuvée enthalten sind verleihen dem L´Andéol den rustikalen Unterbau, sie zügelt sozusagen die Fruchtigkeit der Grenache und sorgt so für einen besonders reichhaltigen Wein. Lässt man den Rasteau auf der Zunge stehen und spielt ein wenig damit, kann man sehr schön die dunklen Kakaoaromen und auch die pfeffrige Note erkennen. Alles sehr fein intergriert in einen tiefschwarzen Fruchtkern. Man kann den L´Andéol durchaus als mineralisch bezeichnen.

Straff und fest sind seine Tannine die sich präsentieren, dabei bleiben sie aber sanft und seidig fein. Trotzdem haben sie Kraft und verleihen dem L´Andéol seine ‘rustikale Ader’ die ihn so sympathisch macht. Das ist kein Schmusewein, das ist Wein der richtig Spass macht. Am Gaumen spürt man schön wie dicht uns saftig er ist und wie er gleichzeitig beängstigend trocken diesen wieder verlässt; um lange auf ihm haften zu bleiben und sich im Nachhall förmlich auf ihm einbrennt. Karg, expressiv das Terroir betonend und voll spröder Persönlichkeit.

Resümee: Der L´Andéol ist definitv kein Wein für Freunde frischer Früchte, vielmehr ist er der ideale Begleiter für Menschen die Saft und Kraft im Mund zu schätzen wissen. Dass diese Saftigkeit aber eher der einer Kakaoplantage gleicht sollte hier willkommen sein. Mit seinen 13,5% ist er kein Leichtgewicht, doch machen ihn im Sommer ein bis zwei Grad weniger Trinktemperatur zu einem erfrischend kühlen Rotwein. Im Herbst und Winter zeigt er dann was wirklich Sache ist und lässt keine Zweifel aufkommen, dass er ein Wolf im Schafspelz ist. Der L´Andéol ist ein echter ‘Kerl’ und das zeigt er auch. Um die 15 Euro kostet das ‘rustikale Vergnügen’ und Freunde von gradlinigen und authentischen Weinpersönlichkeiten kommen voll auf ihre Rechnung.

Tipp: Eine Stunde in den Dekanter, im Sommer um die 15º, im Winter um die 18º genossen und alles ist perfekt. Zu deftiger Küche bestens geeignet, je rustikaler umso L´Andéol. Solo am besten wenn draussen bitterkalt ist und die Wölfe heulen, sowie perfekt zur inneren Einkehr geeignet.

Einen Bericht über den Rasteau ‘L´Andéol’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rasteau L´Andéol 2010 von Famille Perrin aus Orange in Frankreich.

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Kategorie: Perrin & Fils, Verkostet

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