Quivira ‘Dry Creek Valley’ Zinfandel 2009

| 17. Dezember 2012 | 0 Kommentare ...alles

Edelstoff aus Kalifornien.

Ein Traum von einem Wein und die perfekte Ausrede, bei Minusgraden nicht aus dem Haus zu müssen.

Winzer/Weingut: Quivira Vineyards & Winery, Sonoma/Dry Creek Valley, Kalifornien, USA.

Lage/Herkunft: Aus dem Herzen des Zinfandel-Landes, dem Dry Creek Valley im Sonoma County in Kalifornien, USA.

Flasche/Etikett: Lang und schmal steht die Bordeauxflasche auf dem Tisch. Ein ebenso langes und schmales Etikett klebt auf ihr. Durchaus elegant sieht das Stück Papier aus auf dem QUIVIRA in römisch inspirierter Typo draufsteht und auch das Schwein, das in Rot darüber steht wirkt sogar vornehm. Wer auf der Website nachliest wird erfahren, dass es sich hier um Ruby handelt, welche das Maskottchen von Quivira Vineyards ist. In einer Art Kurrentschrift Zinfandel eingedruckt und am unteren Rand die Herkunft. Einfach gestaltet und dafür umso einprägsamer.

Am Rückenetikett viel Wissenswertes über das Dry Creek Valley an sich, die Gegend, die Lage und die Philosophie von Pete Knight, sowie alles über die Herstellung des Weines. Ruby, das Schwein, ist auch mit drauf und strahlt in dezentem Rot vom kleinen Etikett herunter. Damit der ‘Kalifornier’ sich akklimatisieren kann kommt er für eine Stunde in den Kübel Dekanter.

Im Glas: In dunklem Rot mit einem leicht bräunlichen Stich zeigt sich der Quivira. Was auffällt ist seine relativ hohe Transparenz welche er trotz der dichten Farbe hat.

In der Nase: Intensiv und vor allem vollkommen ‘anders’ riecht es im Glas. Gewöhnungsbedürftig, unüblich, überhaupt nicht Zinfandel-like. Es riecht nach nassem Tabak und ebenso nassem Holz, nach dunklen Gewürzen vermischt mit einem rustikalen Erdton. Erst nach mehrmaligem ‘schnüffeln’ bemerkt man ein paar Nelken und Blaubeeren im Duft. Der Quivira hat mehr Pfeffer und Würze, als Frucht und die sonst so typische Zinfandelsüsse im Gepäck. Es wird interessant zu beobachten wie sich der Duft mit der Zeit verändern wird.

Im Mund: Auf die Zunge kommt der Quivira wie eine Monsterwelle. Mit einer Kraft im Saft und einem Gerbstoffgerüst wie es muskulöser fast nicht sein kann. Nicht ungehobelt oder etwa übermässig adstringierend, nur mit soviel Druck, dass man ihn richtig spürt im Mund. All das ist eingepackt in kühler Frische, wirkt elegant, obwohl es mächtig rustikal ist. Würzig ist es was man schmeckt, Frucht tritt nur als Nebendarsteller, dafür aber mit umso genialeren ‘Dialogen’ auf. Je mehr Quivira ‘atmet’ umso saftiger wird er auf der Zunge, bleibt aber elegant und frisch und auch am Gaumen spürt man immer mehr wie seidig er eigentlich ist. Die Rustikalität verflüchtigt sich und der Wein wird immer ‘vornehmer’. Keine Spur von heiss oder marmeladig, fett oder gar opulent. Der Tropfen fühlt sich trotz seiner durchaus voluminösen Statur äusserst schlank im Mund an.

Der Quivira ist nicht unbedingt ein Zinfandel wie man ihn ‘gewohnt’ ist, also überwiegend von den typisch süssen Nelken- und Zimtaromen dominiert. Sie sind zwar da, aber sehr rücksichtsvoll und eher im Hintergrund agierend. Der Duft ist nach 90 Minuten auch runder, in sich geschlossener geworden und im Mund spürt man wie sich der Wein zu einem wahren Edeltropfen verwandelt. Er tränkt die Zunge in einen saftigen Bottich von blauen Beeren, fügt eine leicht pfeffrige und erdbetonte Note hinzu und vermischt alles mit dunklen Gewürzen. Dabei baut er saftige Kraft auf und entlädt diese vollflächig auf der Zungenmitte. Den Gaumen zieht er in fruchtbetonter Würze hinunter und wirkt ewig lange nach. Zurück bleibt von allem nur ein Hauch, von der Würze, von der Frucht, vom Saft. Und über allem schwebt ein feines Tuch von Holz und Tabak. Quivira ist einfach faszinierend, belebend, köstlich.

Resümee: Der Quivira schafft es auf spielerische Art und Weise sich von unzähligen, picksüssen und klebrigen Ausgeburten seiner ‘Artgenossen’ erfreulich abzuheben, sie zu banalen Punschvergewaltigungen zu degradieren und zu zeigen, wie echter Zinfandel schmeckt und in welche Höhen man ihn treiben kann. Die Zunge sabbert, der Gaumen jauchzt und der Mund selbst will ständig neu ‘gefüllt’ werden. Obwohl der Tropfen schlappe 15% auf die Waage bringt spürt man diese dank der kühlen Frische nicht. Was nicht heisst, dass sie nicht doch ‘zuschlagen’. 20 Euro beträgt der Tarif der für diesen Edelstoff zu entrichten ist und wenn man ihn erstmal gekostet hat, dann relativiert sich der Kulturbeitrag in der Minute. Einlagern, bunkern und hoffen, dass die nächsten Winter richtig frostig werden. Irgendeine Ausrede braucht man schliesslich um sich mit diesem Spielgefährten genüsslich die Zeit zu vertreiben.

Tipp: Geben Sie ihm 60-90 Minuten im Dekanter. 16-18º sind ideal, bei kühlen 16º ist er einfach eine Wucht. Geniessen Sie ihn zu allem was gebraten oder gegrillt ist. Oder lassen Sie das Essen weg und ‘unterhalten’ Sie sich mit Quivira einfach über den noch nicht bestätigten Sinn des Lebens.

Einen Bericht über den ‘Quivira’ Cry Creek Valley lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Zinfandel ‘Dry Creek Valley’ 2009 von Quivira Vineyards & Winery im Central Valley, Kalifornien, USA. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle aus Nürnberg zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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