Puszta Libré 2016

| 24. Oktober 2017 | 0 Kommentare ...alles

Speedmaschine ohne Bremspedal

12 PS, in 3 Sekunden auf 180 km/h, um 9 Euro für die Pulle. Wer da nicht zugreift ist ein Narr.

Winzer/Weingut: Claus Preisinger, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Golser Lagen und Weingärten des Westens und des Ostens rund um den Neusiedlersee.

Puszta Libre 2016 Allgemeines: Seinen Basic habe ich bereits vor zwei Jahren verkostet, seinen schrägen Edelgraben voriges Jahr. Heute steht sein Puszta Libré 2016 auf meinem Tisch der Wahrheit, und ich muss gestehen, dass ich von diesem “Zeug” bereits einige Flaschen in illustrer Runde gnadenlos vernichtet habe. Doch dazu später. Die Rede ist von den Weinen Claus Preisingers aus Gols im Burgenland. In diesem Fall von einer Cuvée aus St. Laurent und Zweigelt, von welcher er sagt: “Meine Re-Interpretation des burgenländischen Tischweines. Süffig und leicht. Auch im Sommer schön zu trinken, dann aber frisch gekühlt. Zweigelt und St. Laurent aus dem Burgenland, meine Hommage an guten Beaujolais.” Und genau das ist dieser fröhliche Tropfen auch. Ein richtiger Spassbolzen. Darum wird jetzt auch nicht lange rumgefackelt, die Flasche, welche eher an eine Limo als an Wein erinnert, von ihrem Korken befreit und der Inhalt ohne Umweg mit frischen 14º ins Glas befördert. Auf dass der Spass von vorn beginnen und lange nicht mehr enden möge.

Im Glas: Dunkel, fast schon violett, steht der Puszta Libré eindrucksvoll im Glass.

In der Nase: Würzig einerseits, nach Lorbeer und Wacholderbeeren duftet es, aber auch nach reifer dunkler Kirsche die sich ihrer Aromen entledigt. Etwas Lavendel lugt hervor und schiebt eine leichte violette Note ein. Weisser Pfeffer dient als leise Untermalung. In der Nase fühlt es sich leicht und frisch an und man fragt sich neugierig, wie sich das alles wohl im Mund anfühlen wird. Ich, weiss es ja bereits.

Im Mund: Und es geht von vorne los! Saftig steht der Tropfen auf der Zunge, die dunkle Kirsche eher säuerlich als süss, rotzfrech und unwiderstehlich. Da steppt der Bär im Mund und während man sich diesem frechen Auftritt hingibt, schaut die Wacholderbeere kurz vorbei und bringt frische Würze in das Spiel. Dann erst merkt man, dass der Puszta Libré so gut wie kein Gewicht hat, wie er einfach schlank und rassig durch die Zungenmitte abgeht und einem ein frohes Lächeln in die Mimik zaubert. Tannine fast nicht wahrnehmbar, und wenn, dann richtig saftig. Der Trinkfluss schlicht enorm. Ein Tempobolzer wie er rasanter nicht sein könnte. Und hinten raus … leicht violett am Gaumen und im Abgang. Der Nachhall saftig, herb und frisch. Spasswein pur.

Bekommt der Puszta Libré etwas Luft wenn er im Glas steht (so man es überhaupt schafft selbiges nicht im Eilzugstempo leer gemacht zu haben), dann merkt man wie er zarte Haftung auf der Zunge aufbaut, wie er ganz sanft griffig wird und auch wie sich die dunkle Kirsche von ihrer fruchtigen Seite zeigt. Lorbeer und weisser Pfeffer unterfüttern alles sehr gekonnt, bringen Würze in den Wein und mit jedem neuen Schluck wird man gieriger auf den nächsten. Sind das Himbeeren welche da im Hintergrund erscheinen? Wenn ja, dann hat man sie ganz fein mit etwas frischem Zitronensaft bespritzt. Ich hör auf zu denken und trinke einfach weiter, so wie ich es bereits mit all den Flaschen zuvor gemacht habe. Weil dieser Tropfen nämlich genau dazu gemacht ist; ihn zu trinken, und zwar am besten literweise.

Richtig erschreckend ist das Tempo mit welchem der Kerl durch die Luke rast. Befreit von jeglichem unnützen Ballast, idealgewichtig, modelfigürlich und ohne Bremspedal. Einfach ab durch die Mitte, einfach Spass am Leben, Freude am Genuss und von jeglichem philosophischen Anspruch befreit. Der Puszta Libré ist Rotwein zum Bechern, ich sag zu sowas immer gerne Zechsaufsommerspassrotwein. Grillwein geht auch, weil dort verdunstet er noch schneller. Überhaupt ist das der Wein für die Party. Unbeschwert, flott, frisch und frech. Und dazu noch trinkig, dass einem die Ohren wackeln.

Resümee: Ich weiss nicht mehr die wievielte Flasche vom Puszta Libré das für mich bereits war, ich weiss nur, dass noch unzählige folgen werden, weil ich mir von diesem Zeug nämlich mindestens drei Kisten in den Keller lege. 12 PS, in 3 Sekunden auf 180 km/h, um 9 Euro für die Pulle. Wer da nicht zugreift ist ein Narr. Mein persönlicher Kauftipp des Jahres.

Tipp: Korken ziehen und ab in den Becher. BITTE, mit nicht mehr als 16º, 14 sind noch besser, trinken. Zu allem was vom Grill kommt, zur Brettljause, zum Speck, zur Wurst, zum Käs und vielem mehr. Oder einfach als Partywein für sich allein genossen. Schneller weg als man bis zehn gezählt hat.

Einen Bericht über den Puszta Libré lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

Puszta Libre
Wein: Puszta Libré 2016
Winzer: Claus Preisinger
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2018x
Boden: Lehm/Ton
Ausbau: Grosses Holzfass
Besonderes: zert. Respekt®, 16 mg/l freie SO2
Dekantieren: Nein

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

Tags: , , , , , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

Ihr Kommentar