Propiedad 2011 Rioja tinto

| 29. Januar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Orales Naturschauspiel

Muskulös wie Spartakus der Gladiator. Kraftvoll, unbezwingbar, edel. Und von erlesenstem Charakter. Ein Heldentrank.

Winzer/Weingut: Alvaro Palacios, Tarragona, Katalonien, Spanien.

Lage/Herkunft: Von bis zu 100 Jahre alten Reben von vollkommen “chemiefreien” Böden.

Propiedad 2011 Allgemeines: Aus dem berühmten Rioja kommt der Wein der heute hier am Tisch der Wahrheit steht. Von einem Winzer, der zu den bedeutendsten der Welt zählt; Alvaro Palacios. Sein L‘Ermita ist Kult in der Weinwelt und seine anderen Weine zählen ebenfalls zum besten was es vom spanischen Markt zu erwerben gibt. Alvaro Palacios ist Biodynamiker, hegt und pflegt seine bis zu 100 Jahre alten Rebstöcke auf “chemiefreien” Böden und bearbeitet seine Weingärten mit Pferd und Esel. Kurz gesagt, Alvaro Palacios ist Kult. Von ihm habe ich heute seinen Propiedad 2011, einen unfiltrierten Rioja von uralten Grenache-Reben in der Verkostung. Mit seinen 14,5 Umdrehungen gehört der Propiedad nicht gerade zu den Leichtgewichten und ich bin deshalb mehr als gespannt, wie sich dieser Power-Ranger im Trunk präsentieren wird. Bevor der gute Tropfen aber ins Glas darf, wandert er für eine halbe Stunde in die grosse Karaffe um etwas Luft zu schnappen.

Im Glas: Wie ein klar geschliffener dunkelroter Rubin leuchtet der Propiedad aus seinem Glas heraus.

In der Nase: Feine Würze strömt die Nase hoch. Rosmarin, Pfeffer, Lorbeer und auch etwas Thymian zeigen sich abwechselnd von ihrer trockenen Seite. Dunkle Waldbeeren und edle Bitterschokolade unterstreichen den Duft im Hintergrund, es fühlt sich kühl und frisch an. Überhaupt wirkt die Aromatik sehr erfrischend, alles ist wohl dosiert, nichts ist zuviel, von nichts fehlt etwas. Es riecht harmonisch und es fühlt sich auch harmonisch an im Riechorgan. Feinstes Holz und ebensolche Erdaromen umwehen das Bukett auf eleganteste Art und Weise und sorgen für einen traumhaften wie verführerischen Duft.

Im Mund: Schon wenn der Propiedad auf der Zunge aufschlägt spürt man, dass es sich dabei um Extrakt aus uralten Reben handelt. Wie flüssiger Honig fliesst der Tropfen über die Zungenmitte, setzt Aromen von Kakao, von Kirschen und Orangen frei und zieht eine Spur so weich und füllig wie feinstes Öl hinter sich her. Wer jetzt glaubt, dass sich das heiss und marmeladig oder gar breit anfühlt, der irrt gewaltig. Erstens sorgen Gerbstoffe die an einen Plüschpullover erinnern für Grip am Gaumen; weich und anschmiegsam. Und zweitens sorgt eine subtile Mineralik für ungewöhnliche wie unerwartete Frische, die sich mit einer für diesen muskulösen Körper relativ schlanken Kontur zeigt. An den Zungenrändern spürt man wie der dicke Saft abfliesst und sich dabei klar anfühlt. Am Gaumen spielen die Gewürze mit den Beeren, Leder hat sich dazu gemischt, fein, dezent, verhalten. Und während man betört vom dunkelbeerigen Geschmack sowie vom überwältigenden Mundgefühl ist, vergisst man fast, dass man es hier mit einem echten “Henker” zu tun hat. Der Abgang sündhaft opulent und ledrig-beerig. Frisch, würzig und kilometerlang der Nachhall.

Der Propiedad ist ein Monster. Im positiven Sinn. Er bringt einen dazu sämtliche Hemmungen über Bord zu werfen und sich ihm einfach auszuliefern. Man will die dunklen Kirschen und Orangen spüren, ich sage bewusst nicht schmecken, weil diese sündige Essenz für einen permanenten Schauer auf der Zunge sorgt. Man fühlt die unbeschwert ungestüme Art dieses jungen Hüpfers und will gar nicht, dass er jemals erwachsen wird. Man verliebt sich in sein unbefangen stürmisch wirkendes Wesen und will ihn einfach trinken, und trinken, und trinken. Bitterschokolade im Kirschmantel, Leder in zartherber Orangenschale und ein Gewürzkorb der für Erdbetonung sorgt. Darüber bläst man etwas Rauch und fertig ist das orale Naturschauspiel. Der Gaumen, feinst von mineralischer Herbheit eingepinselt, winselt nach dem nächsten Schluck und man ist ständig auf der Suche nach den 14,5% welche sich einfach nicht finden lassen wollen. Wie kann so ein Monster nur so fein und frisch und kühl sein? Noch dazu mit DEM Extrakt und dieser “schlanken Opulenz”? Geht nicht gibt´s nicht, oder wie?

Kann ein Wein mit 14,5 PS Rasse haben? Ja! Und zwar gewaltig. Der Propiedad schafft das Kunststück wild zu sein, forsch zu wirken und gleichzeitig eine Eleganz und Harmonie an den Tag zu legen, dass man von diesen Sinneseindrücken förmlich überwältigt wird. Füllig und saftig auf der Zunge, fein und stoffig am Gaumen, krischfruchtig, orange untermalt, herbwürzig und von edlem Leder begleitet. Nach zwei Stunden in der Karaffe ein anschmiegsamer Faserschmeichler mit extremer Griffigkeit. Hinter den Lippen eine Ahnung von Pelz, im Abgang mineralisch-herb-würzig. Erst im Nachhall wieder rote Beeren und Bitterschokolade.

Resümee: Der Propiedad ist wie ein Ausflug ins alte Rom. Da steht ein Wein im Glas der muskulös ist wie ein Gladiator und ein Schönheitsideal verkörpert, das für uns “Normalsterbliche” niemals zu erreichen ist. Der Propiedad ist Spartakus im Glas; kraftvoll, unbezwingbar, edel. Und von erlesenstem Charakter. Ein Heldentrank.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe sollten Sie ihm gönnen. Dann (ganz wichtig) mit 14-16º trinken. Nicht wärmer werden lassen. Zu rotem Fleisch, zu Tapas, zu Schmorgerichten sowie zu generell scharf Gebratenem. Als Solist ein grandioser Wein der zeigt wie sich die reine Sünde anfühlt. Grosses Kino!

Einen Bericht über den Propiedad lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Propiedad 2011 Rioja tinto von Alvaro Palacios aus Tarragona, Spanien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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