Pour mon père 2010

| 23. September 2013 | 0 Kommentare ...alles

Liebe auf das zweite Glas.

Sauerfruchtig mit einem feinen Nebel aus Herbstlaub und Unterholz, versüsst dieser mystische Trofen jeden noch so grauen Herbsttag.

Winzer/Weingut: Château de Gaure, Rouffiac d’Aude, Languedoc, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Mergel,- Ton,- Schutt- und Schotterböden rund um die Gegend von Limoux stammenden Weinbergen.

gaure pour mon père Flasche/Etikett: Wie schon das Etikett das auf der Flasche des Oppidum klebt, ist auch dieses ein abstraktes Gesamtkunstwerk. Auch hier steht am Seitenrand in goldenen, angeschnittenen Riesenbuchstaben GAURE drauf und den Rest des Platzes nimmt ein abstraktes Gewitter an Linien, Strichen und wirren Farbklecksen die sich an keine Regeln zu halten scheinen ein. Orange, bernstein, rot, gold und schwarz sind die Hauptfarben und ganz unten steht beiläufig in Schreibschrift pour mon père. Das Rückenetikett ist auch hier in der selben gekritzelten Typo bedruckt, es steht alles drauf was Rebsorten und Vinifikation betrifft, in französisch selbstverständlich. Und weil es Ritual ist, kommt der Pour mon père für eine Stunde in die Karaffe um sich dann, so ist zu hoffen, von seiner besten Seite zu zeigen.

Im Glas: In dunkelstem kirschrot und so gut wie blickdicht steht der Pour mon père im Glas. Leichte bläulichviolette Ränder zeigt er.

In der Nase: War nach dem Umfüllen in die Karaffe erstmal nichts zu riechen, so ist es auch nach einer Stunde nicht wesentlich ‘lauter’ geworden. Man muss die Nase schon ganz tief ins Glas eintauchen um dunkle Kirschen und schwarze Johannisbeeren zu riechen. Alles ist sehr verhalten, leicht erdig, etwas braunes Gewürz sticht durch, es fühlt sich herbstlich an und überrascht durch die extreme Zurückhaltung. Dörrpflaumen scheint man zu riechen und einen Hauch von Pfeffer. Ein Duft der aufgrund seiner ‘Stille’ geheimnisvoll wirkt.

Im Mund: Kaum kommt der Pour mon père aber in den Mund ist es vorbei mit schüchtern und verhalten. Da steht ein richtig druckvoller Tropfen auf der Zunge, entlädt eine dunkelbraune Erdigkeit auf ihr, lässt einen saftige Sauerkirsche schmecken und richtig rustikale Gerbstoffe spüren. Schwarze Johannisbeeren matchen sich mit dem Saft von Schattenmorellen, man schmeckt Pfeffer und Kakako, Unterholz wie aus dem tiefsten Wald und eine überraschend agile Säureader zieht ihre belebende Spur über die Zunge. Da ist nichts fettes zu spüren, der Wein fliesst in schmaler Bahn sehr lang exakt über die Zungenmitte und verabschiedet sich erst am hinteren Teil über ihre Ränder. Vorne lässt er einen mit einem saftigen, sauerfruchtigen Pieksen übrig, das sich unmittelbar im resoluten Gerbstoffgerüst auflöst. Was bleibt ist ein braunerdigwürziges Gefühl im Mund und ein frechfruchtiger Pelz auf der Innenseite der Lippen.

Zwei Stunden Luft und der Pour mon père wird immer saftiger bei gleichbleibender Tanninstruktur. Das macht Spass. Die Fruchtaromen treten stärker hervor, es wird pfeffriger, aber auch erdiger Im Mund. Die Zunge leckt sich ob der sauren Frucht permanent über die Lippen, die Zungenränder wässern nach wenn der Tropfen über sie abfliesst und der Gaumen will mehr von dieser braunen Erde und dem herbstlich-feuchten Unterholz. Und hinter den Lippen spielt das Gerbstofforchester seinen Blues. Wirkte der Wein auf den ersten Eindruck fast nackig, so zeigt er jetzt wie lebendig er ist. Fruchtsäure, Tannine und Körper in vereinter Dreisamkeit, frech, charaktervoll und in seiner Schlankheit wuchtig, so widersprüchlich das auch klingen mag. Der Wein hat mit 14 vol.% Kraft die man nicht spürt und trotzdem weiss, dass sie da sind. Alles fühlt sich feingewirkt an, Gewürze die edel und nicht brachial sind, Erde die dezent und nicht dominierend ist, Pfeffer der würzt aber niemals scharf wird und saure Kirschen die niemals nur schlicht sauer, sondern sauerfruchtig sind. Über all dem der Herbst der aus dem Wald strömt, etwas feucht, ein wenig morbid und wie zum Trotz eine Säure, die man niemals nicht erwartet hätte. Alles eigehüllt in ein wunderbares Gerbstoffkleid.

Resümee: Der Pour mon père ist interessanterweise ein Wein, der sich einem erst auf den zweiten Blick, oder besser gesagt, beim zweiten Glas erschliesst. Spätestens beim Preis von 16 Euro sollte auch jedem klar sein, dass es sich hier nicht um einen banalen, seelenlosen ‘Tischwein’ handelt, sondern dass man wirklich feinen Stoff im Glas hat. Wie schon der Oppidum, erreicht der Pour mon père nach zwei Stunden seine ‘Reiseflughöhe’ wo er anfängt wirklich grossen Spass zu machen. Einlagern und einfach über die nächsten Jahre hinweg geniessen.

Tipp: Eine, besser 2 Stunden in die Karffe und bei 15-18º geniessen. Toller Wein zu Lamm, rotem Fleisch, kräuterbetonten Gerichten und Käse. Ohne alles ein Wein der gerade im Herbst ein bezaubernder, fast mystischer Begleiter ist.

Einen Bericht über den Pour mon père lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Gaure ‘Pour mon père’ 2010 vom Château de Gaure im Languedoc, Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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