Pouilly Fumé ‘Les Vallons’ 2010

| 22. Dezember 2011 | 0 Kommentare ...alles

Ein Gedicht von einem Sauvignon.

Expressiv, charmant, gesittet und vor allem individuell. Das sind nur einige Attribute eines durch und durch gelungenen Sauvignons von der Loire.

Winzer/Weingut: Michel & David Bailly, Pouilly-sur-Loire, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus Pouilly- und Tracy-sur-Loire aus der berühmten Appellation Pouilly Fumé, Frankreich.

Flasche/Etikett: Der Inhalt der Burgunderflasche könnte genauso gut medizinischer Natur wie auch sonst was sein. Irgendwie an Apotheke erinnert das crémefarbene Etikett welches diese Flasche ziert. Nach dem Motto ‘Name und Adresse’ steht gerade mal der Name des Weins und sein Erzeuger gut sichtbar drauf. Nebensächlichkeiten wie Alkoholgehalt und sonstiges ‘Verpflichtendes’ sind an den Rand gepappt weil sie mal drauf stehen müssen. Im Grunde genommen eine gute Wahl, da es in erster Linie um den Wein und um sonst nichts geht. Ein Etikett das französischer nicht sein kann.

Im Glas: Ein schönes, reifes Strohgelb zeigt sich im Glas und blitzt mit leicht grünlichen Reflexen. Die Kirchenfenster des ‘Les Vallons’ signalisieren Gehalt und Körper.

In der Nase: Aus dem Glas springt einem nicht das typisch laute grüne Bukett entgegen, es duftet verhalten, aber trotzdem expressiv, fruchtig und auch blumig. Trotz der Zurückhaltung riecht es vollreif und schwer und nicht so brüllend wie man es von ‘herkömmlichen’ Sauvignon Blancs gewohnt ist. Typisch ‘langsam’. Dieses Bukett trieft vor gelber blumiger Fülle in der Nase und fordert einen förmlich auf ganz tief durch zu atmen. Es machen sich typisch grasige Noten bemerkbar, bleiben aber zugunsten der Fruchtaromen dezent im Hintergrund und sorgen so für ein sehr ausgewogenes und geschmeidiges Bukett.

Im Mund: Verwunderung dann wenn der Wein die Zunge trifft. Das ist kein Sauvignon wie man ihn kennt und man ist mehr als überrascht über das was hier den Mund füllt. Es schmeckt exotisch fruchtig, nach Nektarinen und reifen Pfirsichen, und es schmeckt vor allem frisch. Mit einer Mineralität ausgestattet die äusserst attraktiv, aber niemals überbordend ist. Kein Sauvignon der einen in die Zunge ‘beisst’. Meine Geschmacksnerven sind bereit zum ‘Reset’, denn den muss man machen um diesen Tropfen richtig einordnen zu können. Das hier ist nicht das laute Exemplar eines Massensauvignons, das hier ist was richtig Feines.

Spontanvergoren ist der ‘Les Vallons’ und verwöhnt einen mit einer rassigen Säure, welche aber niemals ‘zu viel’ wird. Im Gegenteil, sorgt diese hier für ein Mundgefühl, welches die fruchtige Frische noch besser zur Geltung bringt und sie perfekt unterstützt. Speziell in meinem Fall muss ich sagen, dass ich eher säureempfindlich bin und mit den meisten Sauvignons meine Probleme habe. Nicht aber mit dem hier.

Was mir an diesem Sauvignon gefällt und richtig Freude macht, ist mitunter sein Abgang. Hier flutscht nicht ein aggressiver Wein die Kehle runter und hinterlässt ‘Verätzungen’ in der Speiseröhre und im Magen-Darm-Trakt, der ‘Les Vallons’ zeichnet sich mit einem fast schon cremigen Finale aus und transportiert diese Sanftheit bis ganz weit hinunter. Auf so ein Erlebnis kann man allerdings bei einem industriell produzierten und ‘designten’ Sauvignon ewig warten.

Resümee: Es ist kein ‘harter’ Wein wie man es nur allzu oft erleben muss, es ist ein Wein der sich sanft und weich und wohltuend geschmeidig seinen Weg in die Kehle sucht. Ich mag den Tropfen. Auch auf der Zunge ist der ‘Les Vallons’ ein echter Gentlemen. So vornehm zurückhaltend zeigt er einem was er kann und wie man seine Stärken ohne grosses Aufsehen effizient einsetzt. Er macht kein Gebrüll und sonstiges Tam-tam um sich, er lässt seine ‘Mitspieler’ für ihn sprechen, was ihn nobel und erhaben macht.

Wenn die Rebsorte Sauvignon schon zu den ‘edlen’ ihrer Gattung zählt, hier wird sie diesem Attribut mehr als gerecht. So expressiv verhalten, so mineralisch aufregend und so attraktiv und trotzdem geschmeidig ‘säurig’, habe ich noch keinen Sauvignon getrunken. Alles eingebettet zwischen blumigen Aromen die dem Auftritt dieses Weines etwas richtig Feminines verleihen. Die knappen 14 Euro machen diesen edlen Tropfen zusätzlich auch preislich sehr sympathisch.

Tipp: Geniessen Sie diesen Gentleman dezent gekühlt und erleben Sie wie einfach schön und unkompliziert ein ‘echter’ Sauvignon sein kann.

Einen ausführlichen Bericht über den Les Vallons lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pouilly Fumé ‘Les Vallons’ 2010 von David Bailly aus Pouilly-sur-Loire aus der Appellation Pouilly Fumé in Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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