Porseo 2013 – Flying white pig

| 30. Oktober 2014 | 0 Kommentare ...alles

Wein gewordene Sünde.

Dieser Saft erinnert an kleine barocke Engelchen, die auf ihren Wolken liegen und glücklich ihre Flöten blasen. Erotisch, sündhaft und richtig opulent.

Winzer/Weingut: Zio Porco Wines di Marco Giovanni Zanetti, San Michele di Bassano del Grappa (VI), Italien.

Lage/Herkunft: Von Weingärten aus Bassano in der Region Venetien.

Porseo Flasche/Etikett: In gewohnter Weise stapft von rechts nach links die obligate Wildsau in das weisse Etikett das auf der Flasche klebt. Durchkreuzt vom ebenso bekannten vollflächigen X, das in diesem Fall ganz schief steht und in olivgrün und lehmbraun durch die Flanke des Ebers läuft. In der Mitte Zio Porco Wines und am grossen weissen Teil PORSEO. Mit dem oben bereits erwähnten Slogan FLYING WHITE PIG darunter. Ganz unten wie gehabt der Jahrgang, 2013, und Bianco IGT Veneto aufgedruckt. Entgegen dem Motto IN MARZEMINO WE TRUST, das die Rotweine von Marco Giovanni Zanetti begleitet, steht hier der Leitspruch MAY THE PORC BE WITH YOU. Gott kann immerhin mit jedem sein. Auch auf dieser Flasche klebt kein Rückenetikett, alles was nötig und vorgeschrieben ist steht quer über den rechten äusseren Rand gedruckt darauf. Humorlos wird der Porseo von seinem Schraubverschluss befreit und darauf vertraut, dass das Schwein mit mir sein möge. Ohne weiteres Warten wandert der Wein dann in den Becher.

Im Glas: Saftig gelb leuchtet der Porseo aus dem Glas heraus.

In der Nase: In der Nase ungewohnt, was an den Rebsorten Garganega und Vespaiola liegt, welche hierzulande nicht gerade alltäglich sind. Leicht rauchig wie auch speckig zieht sich der Duft die Nasenflügel hoch. Weisser Flieder steht neben Pfirsichen und ergibt eine eher florale als fruchtige Aromatik. Weisse Orchideen, viel Kamille, ein Tick Limette und ein Schuss von Butterblume runden den Duft ab und sorgen für ein vielschichtiges wie auch komplexes Dufterlebnis. Am Ende, wenn man die Nase aus dem Glas zieht, merkt man erst die leichte Kräutrigkeit, die dem Porseo eine grüne Note verleiht.

Im Mund: Knackig-weich ist eigentlich ein Widerspruch. Doch so wie der Porseo in den Mund kommt ist das die exakt zutreffende Beschreibung. Flüssiger Labello schmiert sich weich und mild über die Lippen und legt sich ebenso weich und mild wie auch breit auf der Zunge nieder. Um dort in kecker Knackigkeit über die Ränder abzufliessen. Ananas schmeckt man, Maracuja und auch Kamillentee. Säure eingebettet in einem Körper der am ehesten an Kaubonbons erinnert. Es schmeckt tropisch gelb und auch floral. Ein Schwall von vielschichtiger wie auch exaltierter Aromatik sorgt für ein Sinnesfeuerwerk im Mund, das von dezenten Feuersteinnoten begleitet wird. Der Wein erinnert an kleine barocke Engelchen, die auf ihren Wolken liegen und glücklich ihre Flöten blasen. Dezente Opulenz, sündhaft konzentrierter Saft und ein Schmelz, der nicht und nicht vom Gaumen abfallen will. Ferreri hätte diesen Wein, hätte es ihn schon gegeben, seinen Protagonisten garantiert zum Grossen Fressen als erotisches Abgangseselixier verabreicht.

Immer mehr gräbt sich mit der Zeit die knackige Säure ihren Weg aus dem konzentrierten Körper raus und sorgt für richtig Spass auf der Zunge. Der Porseo wird feiner, auch wenn er nichts von seiner barocken Charakteristik eingebüsst hat. Purer Saft durchtränkt die Zunge, elegante Mineralik drängt sich in den Vordergrund und am Gaumen hat sich eine Patina abgelagert, die sich weiss und rauchig anfühlt. Weisser Pfirsich übernimmt die Führung in der Fruchtabteilung, etwas Muskat ist ganz unerwartet aufgetaucht und zur Belustigung der Zunge und des Gaumens hat sich so etwas wie der Abrieb von grünen Limettenschalen eingefunden. Mild und cremig ist der Tropfen nach wie vor, nur ist er jetzt auch noch so richtig frech geworden. Jetzt tanzt die Sau der Wein im Mund, jetzt steppt der Bär Eber und man merkt, wie man sich glücklich permanent die Zunge an den Lippen ableckt. Gemäss dem Beinamen des Porseo FLYING WHITE PIG hat dieses Schwein nach einer Stunde seine ideale Reiseflughöhe erreicht.

Porseo & Gambas Wie üblich wird auch zum Porseo die Küche angeworfen und entsprechend der Empfehlung von Marco Giovanni Zanetti werden ein paar Garnelen angebraten. Mit nichts als Salz und Pfeffer, spartanisch zubereitet um der ‘fliegenden weissen Sau’ unaufdringlichen Begleitschutz zu leisten. Und wieder ist der Tipp einfach exzellent. Mit seiner cremigen Textur hüllt der Porseo sogar die in Olivenöl eingelegte Deko-Chili ein und verleiht ihr eine sanfte Note. Das weisse knackige Fleisch der Gambas begleitet er mit Dichte, Körper und jetzt, am zweiten offenen Tag, mit einer ausgeprägten mineralischen Aromatik. Es ist seine Opulenz die den Porseo so sexy, ihn in seiner sündhaft molligen Weise begehrenswert macht und ihm seine Erotik verleiht.

Resümee: Der Porseo ist Wein gewordene Sünde, die durch keine Beichte wieder gut gemacht werden kann. Das ist Sex mit Grösse 40 und erotisch wie … ich muss jetzt aufhören, weil dieser Wein mir sonst die Sinne raubt und ich mich in den Wahnsinn der puren Wolllust manövriere.

Tipp: Aufmachen, einschenken und fliegen lernen. Mit 12-14º am besten zu geniessen. Gambas sind perfekt dazu, aber auch zu Gemüse oder sonstigem Getier aus den Ozeanen ein Gedicht. Als Solist die Wein gewordene Sünde für die es keine Reue gibt.

Einen Bericht über den Porseo lesen Sie auch hier.

Zum Hund wird der Porseo es wohl nicht ganz schaffen, aber als fliegendes Schwein wird er sicher für Furore sorgen.

Verkostet wurde ein Porseo 2013 – Flying white pig von ZIO PORCO WINES di Marco Giovanni Zanetti, San Michele di Bassano del Grappa (VI), ITALY.

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Kategorie: Verkostet, Zio Porco Wines

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