Podere Còncori Bianco 2012

| 24. Mai 2014 | 0 Kommentare ...alles

Weisser Individualist aus der Toskana.

Nichts für Leute die Angst vor Abenteuern haben. Mutigen Weinfreunden hingegen verschafft er jene Weinmomente, die man erlebt haben sollte.

Winzer/Weingut: Podere Còncori, Lucca/Toskana, Italien.

Lage/Herkunft: Von den Sandstein dominierten Lagen Selvapiana und Prete.

Podere Còncori Bianco Flasche/Etikett: Abgefüllt in einer Bordeauxflasche klebt auf dieser ein hohes hellgrünes Etikett. Das obere Drittel wird von feinen Linien dominiert, welche sich nach rechts unten bewegen. Da Gabriele da Prato sehr viel Wert auf die Herausarbeitung des Bodens in seinen Weinen legt liegt die Vermutung nahe, dass diese Linien die diversen Bodenschichten symbolisieren. Unter den Linien in unaufgeregter Typo Podere Còncori und unterhalb einfach der Jahrgang und Toscana. Bianco etwas grösser, damit man weiss, dass Weisswein in der Flasche drin ist.

Am kleinen weissen Rückenetikett noch einmal alles was schon vorne drauf steht sowie ein paar zusätzliche, aufs Nötigste beschränkte Informationen. Dass dieser Wein ein echter ‘Bio-Wein’ ist wird mit dem Gütesiegel der ICEA untermauert. Bevor die eigenwillige Cuvée mit ihren leichten 12,5 % aus der Toskana aber in die Gläser kommt, wird sie zwecks Akklimatisierung in die Karaffe umgefüllt um ein wenig Luft zu schnappen.

Im Glas: Saftiges Goldgelb leuchtet aus dem Glas heraus. An der Glaswand schmiert ein dichter Film ab.

In der Nase: Vom Duft her riecht es wie frischer Birnenmost! Langsam gesellt sich etwas Marille dazu sowie eine leicht hefige Note. Sofort ist klar: Das mag man oder mag man nicht. Ich mag diese Birnen-Hefekombination die saftig die Nasenflügel hoch strömt. Es wirkt kühl in der Nase, auch ein wenig mineralisch, aber in erster Linie doch gelbmatschig, ohne dabei dick zu wirken. Eine feine Wolke von Kurkuma ist dabei. Es ist frisch, etwas würzig, die dominierende Birne lässt für grosse Nebentöne wenig Platz übrig. Sie ist die Regentin in diesem Wein.

Im Mund: Etwas komplett ungewohntes kommt dann auf die Zunge. Es ist weich, es ist herb, es ist warm, es ist anders. Zwar ist auch jetzt wieder die Birne die grosse Diva, doch fühlt sich der Bianco im Mund äusserst mineralisch an. Dominiert vom sandigen Boden fühlt es sich auch eher nach Staub und Erde als nach Frucht an. Knochentrocken nimmt der Tropfen den Mundraum in Beschlag, lässt dabei seinen herben Charakter spüren und macht keinen Hehl daraus, dass die Hefe eine nicht zu ignorierende, wenn nicht sogar ‘tragende Rolle’ spielt. Obwohl Chenin Blanc für ihren relativ hohen Säuregehalt bekannt ist, macht sie in dieser Cuvée einen auf schüchtern und zeigt sich wundersam weich und mild.

Auch wenn Pinot Blanc den grösseren Teil in der Cuvée stellt (60%), sind es doch die 40% Chenin Blanc die dem Wein seinen ungewöhnlichen Charakter verleihen. Am Gaumen lässt der Tropfen unverblümt die Hefedüse offen und nimmt keine Rücksicht darauf, ob man das vielleicht als ein wenig zuviel des Guten auffassen könnte. Weisser Staub entfaltet sich sofort danach und lässt die Aromatik der Birne wie in einem feinen Nebel eingehüllt erscheinen. Zartbitter, feinst herb und trocken wie eine Zewa-Rolle steht der Wein am Gaumen und ebenso trocken zeigt er sich im Abgang. Auch wenn sich im Nachhall wieder die Birne zeigt, so ist es, als würden sich von ihrer Aromatik gerade einmal 10% hervor trauen. Sogar etwas gelbe Würze tritt hervor. Immer mehr zieht sich aber der Bianco auf das zurück, was er eigentlich sein möchte; ein Produkt des Bodens. Am Ende schmeckt man Boden pur, mit einem Schuss Birnenfrucht.

Resümee: Der Bianco ist ein verstörender Tropfen wenn man so etwas nicht kennt, eine interessante Erfahrung aber für alle, die mit Chenin Blanc zurecht kommen. Und das tun nicht wirklich viele (zumindest nicht in Deutschland oder Österreich). Es ist ein eigenartiges Mundgefühl, das, in Kombination mit dem Geschmack eine Tür in eine unbekannte Welt öffnet. Erst nach einer Stunde traut sich die Säure aus ihrem Verschlag heraus, wirkt fast frech so munter wie sich jetzt zeigt. Der Bianco legt zu an der Luft, wird immer mineralischer, immer staubiger und hefiger. Und immer trockener. Man merkt wie man nicht aufhört sich immer wieder mit der Zunge die Lippen zu lecken und dabei versucht, den Wein zu ‘fassen’. Im Nachhall endet er ganz lange nicht, lässt einen mit der Hefebirne auf sich allein gestellt. Was bleibt von diesem Wein ist die Erkenntnis, dass es sich hier um alles, nur nicht um Mainstream handelt. Dass der Bianco keinen Platz für Kompromisse lässt, dass man ihn annimmt oder einfach ablehnt. Fällt in die Kategorie Weinabenteuer und wer nicht offen ist für solche, der sollte besser die Finger davon lassen. Open-minded Weinliebhabern hingegen verschafft er einen jener Weinmomente, die man erlebt haben sollte.

Tipp: 30-60 Minuten in der Karaffe sind empfehlenswert. 10-12º Trinktemperatur sind fein. Zu regionaler Gemüseküche ebenso geeignet wie zu leichten Fischgerichten. Als Solist eher für Weinabenteurer geeignet.

Einen Bericht über den Podere Còncori Bianco lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Podere Còncori Bianco 2012 vom Weingut Podere Còncori aus Gallicano in der Toskana, Italien. Bezugsquelle: Bio Wein Online Ramsau/Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Bio Wein Online, Verkostet

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