Pithos rosso IGT 2010 – COS

| 11. April 2012 | 0 Kommentare ...alles

Rotweinspass aus der Amphore.

Zeitreise in die Vergangenheit, mit einem Wein aus einer anderen Epoche. Feinfühliges Geschmacksabenteuer für Freunde von Geschichte und Kultur.

Winzer/Weingut: Azienda Agricola COS, Vittoria, Ragusa, Sizilien.

Lage/Herkunft: Aus der Region um Bastonaca auf 250m Seehöhe in Vittoria/Ragusa, im Südosten Siziliens.

Flasche/Etikett: Auch der Pithos ist, wie übrigens alle anderen Weine der Azienda Agricola COS auch, in die typische Flaschenform römischer Herkunft abgefüllt, welche jetzt dick und geduckt auf dem Tisch steht. Wie schon erwähnt wurde diese Form aus auf dem Weingut gefundenen Tonscherben aus der Römerzeit rekonstruiert und speziell für die Weine von COS nachgebaut.

Das Etikett ist von der Grafik her das Gleiche wie schon jenes des Cerasuolo, mit der gleichen architektonischen Kulisse drauf. Mit ebenso klassischer Typo und dem typisch italienischen Touch sowie dem Hinweis auf den IGT-Status (Indicazione Geografica Tipica) des Weins. Man denkt unweigerlich an Kirche, Rom und Papst wenn man dieses Etikett betrachtet. Hier wird Klischee aufs Beste bedient.

Im Glas: Nach 40 Minuten kommt der Wein aus dem Dekanter dann ins Glas. Von der Farbe ist der Pithos noch eine Spur heller und noch transparenter als der Cerasuolo. In einem saftigen krischrot steht der Wein im Glas und gibt tiefe Einblicke frei.

In der Nase: Das Bukett ähnelt stark jenem des Cerasuolo, nur dass es noch um einen Tick duftiger ist, noch ein wenig kühler. Es riecht sehr fein und filigran, anders als man es von herkömmlich ausgebauten Rotweinen kennt. Es ist ein leichteter, flüchtigerer Duft der aus dem Glas strömt, dabei aber mit Finesse und Frische zu überzeugen vermag. Im Kombipack würde ich sagen es duftet nach roten reifen Beeren, Blumen und Steinen. Die leichte mineralische Würze untermalt gekonnt die schöne Frucht in der Nase.

Im Mund: Im Mund zeigt sich der Pithos dann überraschenderweise völlig anders als der Cerasuolo, obwohl für ihn das gleiche Verhältnis (40/60) von Frappato und Nero d´Avola erwendet wurde. Der Pithos schottert dermassen mineralisch über den Gaumen, dass es ein Freude ist dieses Rieseln zu geniessen. Er ist insgesamt noch leichter, noch luftiger und noch feingliedriger als der Cerasuolo und man ist überrascht wie leicht sich Wein im Mund anfühlen kann. Die Gerbstoffe sind fein wie Flugsand, wehen förmlich über den Gaumen und hinterlassen im Nachhall einen feinherben, mit einem Hauch von Bitterkeit behafteten Geschmack. All das eingepackt in eine kühle Würze die über die Zunge und den Gaumen zieht und den Mund angenehm erfrischt.

Nach einer Stunde im Dekanter dreht der Pithos ein wenig an der ‘Schraube’ und gibt sowohl in der Nase wie auch im Geschmack mehr Frucht preis. Er wird weicher und runder, behält aber insgesamt seine tolle Mineralik. Die Gerbstoffe werden direkter, fester und der Wein wird insgesamt kompakter und etwas herber. Bei all dem bleibt der Pithos ein herrlich leicht wirkender Wein, der im Gleichschritt mit seiner Transparenz ebenso feingliedrig im Mundgefühl wirkt. Der Tropfen ist definitiv kein Wein wie man Wein an sich gewohnt ist. Soviel Lebendigkeit und kühle Frische in einem Glas zu finden ist ein Highlight für jeden weltoffenen Weinfreund und verleitet zu ehrlichem Applaus. Direkt und ohne Umweg zischt der Pithos über die Zunge, hüllt die Ränder mit seinen feinfruchtigen Gerbstoffen ein und verabschiedet sich trocken, herb und richtig grazil über den Gaumen.

Resümee: Ein Wein mit Rasse wie auch Klasse und vor allem, ein Wein der auch die heissen Tage des Sommers mit seiner Kühle angenehm zu lindern vermag. Auch der Pithos liegt bei 20 Euro im Verkauf und ist jeden einzelnen davon mehr als wert. Seine so gut wie nicht wahrnembaren 12% machen ihn noch zusätzlich zu einem erfrischend leichten Zeitgenossen der echten Mehrwert in Glas und Mund verschafft.

Nachdem ich den Cerasuolo schon in zwei Etappen verkostet habe, wird dem Pithos das gleiche Recht eingeräumt und der Rest der Flasche am Abend, nach einer halben Stunde ‘Belüftung’ nachverkostet. Der Pithos ist jetzt weich, saftig und voll im Körper und fruchtig-herb geworden ist. Die Gerbstoffe sind weitgehend mit der Frucht verschmolzen und so entsteht ein fülliges, saftiges, wenn auch trotzdem trockenes Mundgefühl. Im Abgang und im Nachhall ist er noch mineralischer als zu Beginn. Interessante Wandlung des Weins in der Flasche und im Geschmack.

Tipp: Wer volle Mineralität und Leben spüren will, der trinke den Pithos nach 30 Minuten an der Luft. Wer den Wein ‘voll im Saft’ erleben will, der lasse ihn ein bis zwei Stunden im Dekanter. 14-16º sind perfekt.

Einen Bericht über den Pithos rosso lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pithos rosso IGT 2010 von der Azienda Agricola COS aus Vittoria in der Region Ragusa, Sizilien.

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Kategorie: Az. Agricola COS, Verkostet

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