Pinot Noir San Andreas Fault 2012

| 15. Januar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Charaktervoller Minimalist

Ein Wein der mit sich selbst im Reinen ist, der in sich ruht und in Balance und voller Harmonie ist. Ganz grosses Kino.

Winzer/Weingut: Hirsch Vineyards, Sonoma Coast, Kalifornien, USA.

Lage/Herkunft: Von von 21 verschiedenen Parzellen mit Basaltböden die alle in der San Andreas-Verwerfung liegen.

San Andreas Fault Allgemeines: Ein Pinot Noir der absoluten Spitzenklasse steht heute im Zuge der Themenverkostung Von Cowboys für Cowboys am Tisch der Wahrheit. Und er kommt nicht aus Frankreich, sondern aus Cazadero an der Sonoma Coast in Kalifornien. Das ist nördlich von San Francisco und liegt im wohl bekanntesten Erdbebengebiet der Welt, der San Andreas-Verwerfung. Von hier kommt auch der Wein vom ebenso berühmten Weingut Hirsch Vineyards, dessen Pinots zu den besten Nordamerikas zählen. Die Trauben für den Pinot Noir San Andreas Fault 2012 stammen von 21 verschiedenen Parzellen die allesamt mitten in dieser Verwerfung liegen. David Hirsch’ San Andreas Fault ist im gebrauchten Barrique ausgebaut und unfiltriert, ungeschönt und nur minimal geschwefelt abgefüllt. Hier und heute wird er jedoch mit maximaler Aufmerksamkeit verkostet. Eine halbe Stunde kommt der San Andreas Fault in den Eimer um sich dort von seiner eigenen Verwerfung zu erholen.

Im Glas: Sehr klares, fast transparentes kirschrot dreht seine Runden im Burgunderkelch.

In der Nase: Der Duft verhalten, kein Gebrüll, sehr vornehm. Ganz feine Würze gepaart mit roten Kirschnoten. Kein typisches Erdbeergewitter, sondern ausgesprochen elegant und keineswegs von Frucht betont. Etwas Unterholz in der Nase, fühlt sich trocken und erdig an. Ein paar Lorbeerblätter tauchen auf und dann viel schwarzer Pfeffer. In Kombination mit der saftigen Kirsche ein aufregender Duft der aus dem Glas empor steigt.

Im Mund: Und dann geht´s los im Mund. Nichts was man erwartet hat steht plötzlich auf der Zunge, sondern eine Melange aus Nelke, Himbeere, Kirsche und ein wenig Zimt sorgen für grosses Staunen. Trocken wie ein Staubtuch, Tannine die traumhaft fein sind und wie Flugsand durch den Mundraum fliegen. Kein Pelz, nur ultrafeine Körnchen sorgen für resolute Haftung. Dem schlanken Körper des San Andreas Fault entströmt eine Pfeffrigkeit, die ich bis heute noch nicht erlebt habe. Getrocknete Kräuter und feines Geäst dominieren den Geschmack und auch die Haptik. Kirsch- und Himbeernoten begleiten nur, drängen sich nicht nach vorne und lassen dem vollkommen erdbetonten Part die Führungsarbeit. Am Gaumen herb und griffig, im Abgang von der Kirsche nur gestreift und traumhaft pfefferwürzig.

An der Luft entwickelt sich der San Andreas Fault sehr rasch enorm weiter. Man schmeckt den Hauch von Champignons im Erdmantel, feuchtes Laub und wieder die extreme Pfefferwürze. Damit diese Kombi aber nicht erdrückend wird, steht dem Ganzen eine ungemein frische wie auch hohe Säure gegenüber. Alles fühlt sich leicht im Mund an, auf der Zunge schwebt der San Andreas Fault fast, hat kein Gewicht. Am Gaumen sorgt er nur für feinen Nebel und verabschiedet sich so fein und elegant wie er ganz generell agiert. Man trinkt den Herbst in seiner schönsten Form, man spürt wie man den Duft von braun werdenden Blättern einatmet, man riecht und schmeckt die Erdaromen die sich um diese Jahreszeit in den Vordergrund drängen. Und man erfreut sich einer Frucht die nicht fruchtig sondern einfach saftig wie auch würzig ist.

Man muss den San Andreas Fault schon auf der Zunge spüren um ihn in seiner vollen Grösse zu erleben. Wenn sich seine elegante Herbheit mit der kirschsaftigen Pfeffrigkeit vermengt und sich dieses Zusammentreffen in einer Griffigkeit die einem Kaschmiranzug gleicht bemerkbar macht, dann ist das richtig grosses Kino. Herzhaft ist es was im Mund los ist, der Wein hat Biss und Ecken. Dabei ist er aber elegant und fein und dank der hohen Säure ein höchst lebendiger Geselle. Im Grunde genommen ist der San Andreas Fault ein Minimalist. In seiner Klarheit, in seiner Leichtigkeit, in seiner präzisen Charakteristik, welche letztlich aber doch so karg wie auch komplex ist, dass man mehr als Glas braucht um so richtig in diesen Tropfen einzutauchen.

Resümee: Der San Andreas Fault ist mit sich selbst im Reinen, er ruht in sich, ist in Balance und voller Harmonie. Wer wirklich einmal etwas wirklich Grosses will, für den erübrigt sich die Frage nach dem Preis von 64 Euro. Der kauft, der trinkt und der geniesst einfach in aller Ruhe.

Tipp: Eine halbe Stunde Karaffe ist fein. Entwickelt sich an der Luft rasch weiter. Leicht gekühlt mit 16-max.18º geniessen. Zu Wild und Rind perfekt, aber auch zu Wildlachs, Thunfisch oder Geflügel bestens geeignet. Als Solist ein traumhafter Begleiter der mit kühler Eleganz auftritt.

Einen Bericht über den San Andreas Fault lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pinot Noir San Andreas Fault 2012 von Hirsch Vineyards aus Cazadero an der Sonoma Coast, Kalifornien, USA. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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