Piesporter Goldtröpfchen GP 2014

| 22. Juni 2016 | 0 Kommentare ...alles

Von wegen Tröpfchen, das ist Teufelszeug

Kann Riesling rieseln? Ja, er kann. Und im Mund explodieren frische Melonen und Orangen und sorgen für ein echtes Feuerwerk.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von einem stark verwitterten, mit silbergrauem Schiefer durchzogenen Südhang.

Piesporter Goldtroepfchen 2014 Riesling GP Allgemeines: Bis ins vierte Jahrhundert reicht die Geschichte zurück, denn da wurden die spektaktulären Hänge von denen der heutige Wein von Stefan Steinmetz, das Piesporter Goldtröpfchen, stammt, zum ersten Mal von den Römern mit Rebstöcken bepflanzt. Seit dem 15. Jahrhundert wird darauf Riesling angebaut. Die Trauben für das legendäre Piesporter Goldtröpfchen GP 2014 wachsen dort auf einem stark vertwitterten, mit silbergrauem Schiefer durchzogenen Südhang heran. Den Wein baut Stefan Steinmetz zur Erhaltung seiner Frische ausschliesslich im Stahltank aus. Nachdem ich in der letzten Zeit einige wirklich feinste wie auch aussergewöhnliche Rieslinge vom Magier der Moselsteillagen verkostet habe, bin ich deshalb heute mehr als nur gespannt, ob dieser hier, dem man Lobeshymnen hinterher singt in der Lage ist, seine “Vorgänger” noch zu toppen. Sein Name ist Legende, ob er auch das Zeug zu dieser hat, das werde ich jetzt untersuchen. Umgefüllt in die Karaffe kommt er ohne Wartezeit ins Glas.

Im Glas: Frisches, grünlich schimmerndes Strohgelb leuchtet wie poliert aus dem Glas heraus.

In der Nase: Und dann, reiner Schiefer in der Nase. So wie ich es liebe. Klar, leicht rauchig, nicht feucht; so duftet das Piesporter Goldtröpfchen vor sich hin. Begleitet von ausgeprägten Aromen von Melonen und Orangen. Darüber steht eine Würze die an frisch gemähte Wiese erinnert, sogar etwas Rosenblütenduft steigt auf und verwirrt das Riechorgan, weil man diesen in der Regel in einem Riesling nicht gerade findet. Insgesamt viel Frucht, am Ende aber viel mehr Stein und unheimlich frisch in der Empfindung.

Im Mund: Cremig weich aber auch knackig, strömt das Piesporter Goldtröpfchen auf die Zunge. Man schmeckt auf der Stelle was man schon in der Nase hatte, nämlich Melone und Orange und spürt auf der Zungenspitze wie sich dort eine höchst lebendige Säure an ihr Werk macht. Der Wein ist weich, dabei höchst aromatisch, kraftvoll und ungemein dicht gewirkt. Der ausgeprägten Frucht gegenüber steht eine wunderbar steinige Mineralik, der Schiefer weniger rauchig als vermutet, nur ganz leicht als feiner Nebel am Gaumen wahrnehmbar. Er drängt sich nicht auf, ist aber stets da um der Frucht Einhalt zu gebieten. Im Abgang ein fruchtig-mineralisches Erlebnis, das weich und dicht die Kehle runter geht. Der Nachhall mehr würzig als fruchtig, mehr steinig und sogar leicht salzig.

Wie alle Rieslinge die ich bis jetzt von Stefan Steinmetz verkostet habe, verändert sich auch das Piesporter Goldtröpfchen in der Karaffe zu einem wahren Mineralikbomber. Zu dem hier kommt allerdings ein Aroma hinzu, das ich von Rieslingen bisher nicht kenne, Rosenblüten. Keine Ahnung woher die kommen. “Wachsen auf dem Hang dort Rosen, Stefan?” Genau diese Rosenaromatik treibt die Würze in eine ganz ungewohnte Richtung, in Kombination mit dem trockenen Schieferrauch jedoch eine ganz aussergewöhnliche. Das Mundgefühl von zarter Opulenz getragen, dabei niemals schwer, einfach muskulös und durchtrainiert. Frisch das Empfinden, lebendig die Säureader die durch den Körper strömt und im Viertelstundentakt immer auftrocknender, immer steiniger und abgespeckter. Schon wieder so ein Wein in den ich mich am liebsten reinsetzen möchte. Der hat jetzt sogar Biss hinter den Lippen und haftet sich dort zärtlich an. Von wegen Tröpfchen, das ist wieder mal ein richtig feiner Tropfen.

Resümee: Kann Riesling rieseln? Ja, er kann. So fühlt es sich nämlich im Moment gerade an. Richtig knusprig im Mund, vom Gaumen rieselt tatsächlich der Schiefer ab, auf der Zunge schlägt er auf und knistert förmlich. Wie aus vielen kleinen Fruchtexplosionen spritzen Aromen von Orangenschalen und grünen Melonen durch den Mundraum, wärmt eine Rosenwürze den Gaumen und lässt alles zu einem einzigen Spektakel verschmelzen. Faszinierend zu beobachten ist wie das Piesporter Goldtröpfchen, ohne an Saft und Dichte zu verlieren, immer trockener wird und sich immer mehr auf seine mineralische Charakteristik reduziert. Und erst am Ende wieder die Frucht los zu lassen um sich in die letzte Schlacht zu werfen. Übrig bleibe ich mit meiner Frage, woher zum Teufel diese Rosenblüten kommen. Jene Dinger, die dem Piesporter Goldtröpfchen soviel ungewöhnliche, feine und äusserst charmante Aromatik spenden. Teuflisch auch sein Trinkfluss und riesengross der Trinkspass. Die Mosel wird mir langsam aber sicher zum Verhängnis.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe tut ihm sehr gut. Danach gut gekühlt geniessen. Wiener Schnitzel, Bachforelle oder asiatisch inspirierte Küche mag er. Oder trinken Sie ihn mit frischen 10º einfach weil Dienstag, Freitag oder Feiertag ist. Oder Montag.

Einen Bericht über den Piesporter Goldtröpfchen lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Piesporter Goldtröpfchen GP 2014 vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Günther Steinmetz, Verkostet

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