Perdix

| 8. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Fliegt wie ein amerikanischer Weisskopfadler

Unweigerlich denkt man permanent an berühmten Amontillado und muss sich kneifen um zu realisieren, dass das hier ein waschechter Österreicher ist.

Winzer/Weingut: Kloster am Spitz, Purbach im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Aus Auslesen und Spätlesen, welche seit Beginn der 80er-Jahre im Holzfass reiften.

Perdix Allgemeines: Entweder fiel Thomas Schwarz vom Weingut Kloster am Spitz in Purbach im Burgenland, der Name dieses Weines beim Verzehr eines knusprig gebratenen Rebhuhns ein, oder er hat ihn der griechischen Mythologie entnommen, wo dieser sich in den Metamorphosen des Ovid wiederfindet. Oder es gab den Namen einfach schon als sein Grossvater dieses “Projekt” 1980 startete. Vielleicht hat der am Rebhuhn genagt und sich des Namens erinnert. Egal, Thomas Schwarz hat für seinen Perdix Auslesen und Spätlesen, welche seit Beginn der 80er-Jahre im Holzfass reiften genommen und sie zu einer einzigartigen “Cuvée” vereint. Der Perdix wurde oxidativ im grossen Holzfass ausgebaut und wurde extrem lange dem Einfluss von Sauerstoff ausgesetzt. Ein paar Jahrzehnte später steht das Ergebnis, ein österreichischer Sherry, heute hier am Tisch der Wahrheit. Wie das schmeckt, dem werde ich jetzt mit Salzgebäck und Trockenfrüchten auf den Grund gehen.

Im Glas: Bernsteinfarben mit einen leichtem Schuss orange, leuchtet das Rebhuhn der Perdix seinem Auftritt entgegen.

In der Nase: Steckt man die Nase tief ins Glas, wird die von einer Tonne brauner Nuss benebelt. Dunkler Honig ist dabei, kraftvoll fühlt es sich an im Riechorgan und man bekommt augenblickich eine Ahnung wo diese Reise hingehen wird. Getrocknete Marille ist unter der Nuss vergraben, Datteln und auch etwas Feige. Fast möchte man meinen, dass mit etwas Luft sogar eine gewisse Fruchtigkeit im Hintergrund auftaucht. Einfach betörend was da aus dem Glas dampft.

Im Mund: Und schon bin ich hin und weg! Trocken wie die Sahara, dabei weich und sogar ein wenig saftig ist das was auf die Zunge fliesst. Klar, die Nuss führt das Regiment an, und wie. Lässt jedoch den Dörrmarillen reichlich Platz sich zu entfalten. Was ist das für ein Traumgefühl, wie herrlich sündig schmeckt der Saft. Einerseits sehr konzentriert in der Dichte, fühlt sich der Perdix andererseits aber sehr fein und leicht im Mund an. Am Gaumen Nuss pur. Es ist weich, ein wenig Honig unterfüttert alles, die Fruchtaromen wunderbar getrocknet, als würde man die Dinger kauen. Der Abgang mild, fein rauchig, angenehm nussfruchtig. Der Nachhall ebenso und herrlich lange. Ich bin verzaubert.

Der Hit ist allerdings die frische Säureader die dem Perdix jenes Mass an Lebensfreude einhaucht, die ihn richtig fröhlich erscheinen lässt. Es ist wunderbar trocken und doch so dicht im Empfinden. Das Duo Nuss-Marille tanzt als hätte es nie anderes gemacht. Beschwingt steht der Wein – darf man eigentlich noch Wein dazu sagen? – auf der Zunge, drückt an ohne dabei schwer zu werden, schwebt mehr als er aufliegt. An den Zungenrändern schmeckt man sogar Salz, das sich im dunklen Honig tief vergraben hat, schmeckt die orange Frucht und leckt sich ungeniert die Lippen ab. Als wäre der lange Sauerstoffkontakt im Zuge seiner Reifung nicht genug gewesen, geht der Perdix auch jetzt noch an der Luft wie eine Orchidee auf. Der Gaumen möchte permanent benetzt werden, der Rachen schreit nach einem nächsten Schluck und giert nach immer mehr. Ich fühl´ mich wohl, ich brauche Nachschub.

Resümee: Unweigerlich denkt man permanent an den berühmten Amontillado und muss sich kneifen um zu realisieren, dass der Perdix ein waschechter Österreicher ist. Frisch, saftig, animierend nussmarillenfruchtig, fein in der Säure und staubtrocken; das ist er, dieser sündhaft feine Tropfen. Und während sich der zarte dunkle Rauch über den Gaumen zieht, sich dort seiner nussigen Aromen entledigt und sich auf seinen dörrmarilligen Abgang vorbereitet, greife ich zum Handy und bestelle mir eine Kiste von dem Zeug. Erstens weil das “Rebhuhn” einfach fliegt wie ein amerikanischer Weisskopfadler, und zweitens, weil man den Tropfen mindestens noch ein Jahrzehnt lang bunkern kann. Wenn man die Geduld aufbringt und nur eine Flasche jährlich aufmacht. Wie das gehen soll frage ich mich grade, aber vornehmen darf man es sich ja. Ich geh´ jetzt die nächste Packung Chips aufmachen. Diese Kombi ist nämlich die Genialste überhaupt. Probieren, staunen, süchtig werden. Ich bin es schon.

Tipp: Kühl mit 10-14º geniessen. Als Aperitif, als Begleitung zu gerösteten Salzmandeln, zu besten Chips oder auch zu weisser Schokolade mit Trockenfrüchten drin. Oder ganz gewagt zu englischem Teekuchen oder Cherry & Almond Fruit Cake. Oder trinken Sie ihn einfach so und fliegen sie.

Einen Bericht über den Perdix lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Perdix von Thomas Schwarz vom Weingut Kloster am Spitz in Purbach im Burgenland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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