panAroma No.23 Zweigelt 2009

| 4. September 2013 | 0 Kommentare ...alles

Edel-Zweigelt mit Charakter und Persönlichkeit.

Ein Zweigelt der es dank ausgeprägter Mineralik schafft, weit über den typischen Zweigelt-Genuss hinaus zu gehen.

Winzer/Weingut: Thomas Lehner, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von durchschnittlich 25 Jahre alten Reben am östlichen Ufer des Neusiedler Sees.

panAroma No.23 2009 Flasche/Etikett: Wie schon beim panAroma No.21 Merlot klebt auch auf dieser Burgunderflasche jenes Etikett, das noch einmal ausführlich zu beschreiben ich mir nicht antun möchte. Nur soviel: Auf grauem Untergrund winden sich Würmer durch die Gegend und in der Mitte steht in amerikanischer Kinotypo panAroma No.23 in rot darauf. Mit schwarzem Schlagschatten damit es noch düsterer und furchteinflössender wirkt. Der ganze Unsinn dieses Etiketts gipfelt darin, dass man (vorausgesetzt man weiss es), das Etikett unten rechts abziehen kann und dann auf ein darunterliegendes stösst auf welchem man mehr über panAroma, die Lage und den Ausbau erfährt. Was als kreative Idee gedacht war ist in diesem Fall der totale Widerspruch zum ökologisch nachhaltigen Grundgedanken der hinter Thomas Lehners Weinen steht. Doppelter Papieraufwand, Einsatz von Klebemittel, erhöhter Druckaufwand, sind nur drei Punkte die dem gegenüberstehen. Nonsens pur.

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Am kleinen Rückenetikett erfährt man, dass es sich um einen Zweigelt handelt und der Rest ist wie schon auf den anderen Flaschen auch nur Pflichtinformationen die eben angeführt sein muss. Erfreulich auch wieder die moderate Zahl 13 was die Volumenprozent angeht. Damit sich der Zweigelt aus der ‘Edelserie’ entsprechend fein machen kann, darf er sich für eine Stunde in der Karaffe austoben in der Hoffnung, auch hier als Antwort auf das grottige Design wieder einen umso feineren Wein im Glas zu erleben. Der panAroma No.21 Merlot 2009 hat es bereits eindrucksvoll vorgemacht und so sollte auch der Zweigelt mit der Nummer 23 diesem überraschenden Erlebnis um nichts nachstehen.

Im Glas: Tiefdunkel leuchtet ein sattes Rubinrot aus dem Glas heraus. Leicht aufgehellte Ränder die ins krischrote gehen, etwas violetter Schimmer. Auch der No.23 keinesfalls blickdicht, sondern sehr schön tiefe Einblicke zulassend.

In der Nase: Sehr moderat der Duft der aus dem Glas strömt. Man riecht schwarze Kirschen, überraschend viel Pfeffer und auch Veilchen. Was richtig überrascht ist die ausgeprägte Kalknote die über allem schwebt und den Boden dem dieser Wein entspringt ausdrucksstark hervorhebt. Es ist nicht dieses typische Zweigeltaroma das man riecht, es ist, wie schon beim Merlot, der Boden der dominiert und einen alles sehr geerdet wahrnehmen lässt.

Im Mund: Kirschkräutrig. Dieser Gedanke schiesst einem unmittelbar ein wenn der erste Schluck auf die Zunge und den Gaumen trifft. Sehr frisch mit einer ebenso aktiven Säure setzt sich No.23 auf der Zunge und drückt auf die Fruchtdüse. Saftig fühlt sich die knallrote Kirschfrucht auf ihr an, ebenso saftig umspült sie den Gaumen und ebenso fruchtig verabschiedet sich der Tropfen auch wieder. Man schmeckt auch Weichseln, nimmt einen Hauch Schokolade wahr und dem Holz, das sich ganz hinten eingeschlichen hat, muss man hinterher hetzen um es überhaupt zu erfassen. Erst am Ende schmeckt man diese leichte Kräuternote und kaum spürt man sie, löst sich alles in einer feinen Kalkwolke auf. Was bleibt ist ein käuterkirschiger Stich auf der Zunge und ein feiner Nebel am Gaumen. Und lange fühlt man noch den Saft der in No.23 haust.

Immer mehr nimmt No.23 Fahrt auf je länger er offen in der Karaffe steht. Er wird dichter, driftet mehr ins schokokirschfruchtige hinein und zeigt auch was seine Textur angeht viel mehr Kraft. Es wird zunehmend kalkiger auf der Zunge und am Gaumen, samtige Gerbstoffe spürt man und insgesamt wirkt das Mundgefühl konzentrierter, kraftvoller. War das Empfinden der Kirschfrucht vor einer Stunde noch knallrot, so ist es jetzt schon ziemlich dunkel geworden und der Saft der über die Zungenränder abfliesst ist deutlich üppiger als zuvor. Obwohl No.23 zulegt bleibt er frisch und frech im Mundgefühl, was er zweifelsohne seiner agilen Säureader verdankt. Sie lässt den Wein trotz seiner Muskeln die er zeigt knackig und auch ‘wendig’ auf der Zunge erscheinen. Am Gaumen spürt man immer mehr den Kalkschleier der wie feiner Nebel über ihn hinweg zieht. Zuerst schmeckt man Kirsche, dann Schokolade und vollkommen unscheinbares Holz. So wenig, dass es sich rasch mit der Kalknote verbindet und für einen leicht rauchigen Abgang sorgt, welcher von dunkler Kirsche begleitet wird. Auf den Lippen spürt man so etwas wie hauchfeinen Pelz. Für drei Sekunden, bevor er wieder weg ist und einen mit einem kalkig-saftigen Mundgefühl sich selbst überlässt.

Resümee: Was den No.23 auszeichnet ist der Umstand, dass er alles andere als der typische Alltagszweigelt den man einfach so verputzt ist. Der panAroma No.23 Zweigelt 2009 ist ein ausdrucksstarker Vertreter seiner Sorte, einer der es schafft die typische Fruchtigkeit mit einer ebenso ausgeprägten und klaren Mineralik zu vereinen und ein Trinkerlebnis ermöglicht, das weit über den schnellen Zweigelt-Genuss hinausgeht. No.23 hat Charakter und Persönlichkeit und ebenso seinen Preis. 28 Euro für einen Zweigelt sind nicht ohne, wer ihn aber erst einmal gekostet hat der wird verstehen in was er investiert hat.

Tipp: Geben Sie dem Wein 1 Stunde in der Karaffe. Am besten bei 16-18º genossen, zu regionaler Küche, zu Fleisch und Wurst wie auch zu kraftvollen Gemüsegerichten. Als Solist ein exklusiver Zweigelt der jeden Abend zu einem besonderen werden lässt.

Einen Bericht über den panAroma No.23 Zweigelt lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein panAroma No.23 Zweigelt 2009 von Thomas Lehner aus Gols im Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Thomas Lehner, Verkostet

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