panAroma No.21 Merlot 2009

| 5. August 2013 | 0 Kommentare ...alles

Rassig, frech & feingestrickt.

Ein Merlot der eindrucksvoll beweist, dass es nicht immer dick und heiss hergehen muss. Es geht auch schlank und fein und äusserst trinkig.

Winzer/Weingut: Thomas Lehner, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von durchschnittlich 25 Jahre alten Reben am östlichen Ufer des Neusiedler Sees.

panAroma No.21 2009 Flasche/Etikett: Das Etikett das diese Flasche ziert ist schwer zu beschreiben, weil es das hässlichste ist das mir je untergekommen ist. So etwas kommt heraus wenn sich ein ‘Kreativer’ ohne Rücksicht auf Verluste auslässt und sich ausschliesslich selbst verwirklichen will. Grau und dunkel, als hätte es Edgar Allen Poe persönlich aus dem Grab heraus erschaffen. Es fehlt nur noch der schwarze Rabe drauf um das Düstere zu komplettieren. In diesem Fall tun es Regenwürmer die man aber nur mit ganz viel Phantasie als solche erkennt. Die Schrift in rot mit schwarzer Outline erinnert an amerikanische Schriftzüge der 50er und 60er Jahre. Vornehmlich zu finden auf Baseball-Shirts und Caps. Die Krone aufgesetzt wird diesem Stück Horror in Papierform aber, dass man das Etikett vom eigentlichen Etikett ablösen muss um auf dem darunter zum Vorschein kommenden etwas über den Wein und die Philosophie dahinter zu erfahren. Von alleine kommt man allerdings nicht drauf und so bleibt sicher vielen diese Information verborgen. Ein kreativer Super-GAU.

Am hinteren Etikett steht dann wenigtsens die Rebsorte und der Jahrgang oben. Selbstverständlich auch auf einem kleinen düsteren Stück Papier. Umso gespannter bin ich auf den Inhalt dieser Flasche, denn eines ist so gut wie sicher; es kann nur besser werden. Drei Stunden steht der Merlot mit der No.21 jetzt in der Karaffe und ist bereit ins Glas zu wandern und sich von seiner ‘schönen’ Seite zu zeigen.

Im Glas: In tiefdunklem Rot leuchtet No.21 aus dem Glas heraus, ist ziemlich dicht und hellt nur zum Rand hin ein wenig ins rubinrote auf.

In der Nase: Die Nasenflügel zieht ein holzig-rauchiger, aber auch sehr von Cassis dominierter Duft hoch. Es ist nicht das typische Rumtopfaroma das man riecht, es ist erdiger, brauner, würziger. Eine feine Kräuternote steht daneben, feine Röstaromen spürt man und den dichten aber keineswegs fetten Saft von dunkelschwarzen Johannisbeeren. Das Kommando haben eindeutig die Johannisbeeren in eindrucksvoller Verbindung mit der kraftvollen Rauchwolke die förmlich aus dem Glas dampft und die Nase hoch weht.

Im Mund: Ziemlich kräuterbetont kommt No.21 auf die Zunge und breitet sich sofort am Gaumen aus. Dabei fällt auf, dass der Wein relativ schlank ist, auch wenn er voll im Saft, in diesem Falle jenem von schwarzen Johannisbeeren steht. Als hätte Thomas Lehner noch eine Schaufel zusätzlich in die Flasche gekippt bevor sie zugestoppelt wurde. Was noch auffällt ist die attraktive Säureader die mit den Früchten mitzieht und für richtig schönen ‘Biss’ auf den Lippen und auf der Zunge sorgt. Fast frech könnte man die No.21 bezeichnen. Saftig, der Rauch verhaltener als in der Nase aber trotzdem da, dunkle Gewürze und erfreulicherweise nichts von banalem Rumtopf-Feeling. Irgendwie richtig rassig im Mund, feingestrickt, kein typisches Merlot-Kompott, vielmehr leichter, Fruchtsäureverspielter Weingenuss.

Das wirklich überraschende an diesem Merlot ist seine Leichtfüssigkeit. Hat er einerseits genug Saft für zwei, empfindet man ihn trotz allem nicht als dick. In Kombination mit der rassigen Säure und den grünen Kräutern die gekonnt im Aromenorchester mitmischen, erhält No.21 so etwas wie einen Extra-Drive, der sich letztlich am hinteren Gaumen, kurz bevor er sich verabschiedet noch einmal richtig aufdreht. Man empfindet es als pikant, ist fasziniert WIE klar definiert Cassis in diesem Tropfen dargestellt wird und schmeckt dem Wein eher wie süsslich-fruchtsaurem Johannisbeersirup hinterher. Begleitet wird alles von einer dezenten Holznote, einer zarten Rauchwolke und einem Hauch von brauner Erde. Das Mundgefühl bleibt angenhem frisch, es fühlt sich alles leicht und schlank an. Je mehr Luft No.21 aufnimmt umso dichter wird er, nach ein paar Stunden wird er kraftvoller, zeigt Kakao- und Schokoladenoten und gleitet wunderbar engmaschig und opulent über den Gaumen. Cassis mit Rauch und Schokolakde, jetzt begleitet von sehr verhaltenen Tanninen sorgen für ein frisches Mundgefühl, die Zungenränder freuen sich über den süsslichsauren Saft der über sie hinuntergleitet und der Gaumen sucht in der Geschmacksbibliothek nach der Bohnenart die für diese Kakaoaromen verantwortlich ist. So wie sich das im Mund anfühlt und schmeckt würde ich vermuten, dass ein nicht unerheblicher Anteil Cabernet Sauvignon mit im Spiel ist (was aber nicht der Fall ist).

Resümee: Beeindruckend ist am Ende wie fein der Wein in seiner Textur ist, trotz seiner Kraft, wie leicht er sich auf der Zunge und am Gaumen anfühlt, trotz seines Körpers und wie kühl und frisch er im kompletten Mundgefühl ist. Keine dicke, fette, alkoholgeschwängerte Bombe, sondern, ganz speziell jetzt am Ende (nach bereits sieben Stunden in der Karaffe), ein richtig eleganter Wein mit superfeinen Gerbstoffen, welche sich erst jetzt so richtig zeigen. Ebenso begeistert No.21 die zarte Holznote die Rauch, Schokolade, Würze und Cassis, wie jetzt bereits auch Weichseln und andere roten Beeren zu einem harmonischen Ganzen zusammen wachsen haben lassen. Ein Merlot der es unbedingt wert ist entdeckt zu werden.

Tipp: Drei bis vier Stunden Luft sind sicher nicht zu wenig. Um die 16º sind ideal, nicht zu warm werden lassen. Passt sicher gut zu deftigen Wurstwaren, zu Braten und zu etwas rustikaleren Gerichten. Auch als Alleinunterhalter ein toller Begleiter.

Einen Bericht über den No.21 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein panAroma No.21 Merlot 2009 von Thomas Lehner aus Gols im Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Thomas Lehner, Verkostet

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