panAroma No.19 Blaufränkisch Schiefer 2009

| 4. Oktober 2013 | 0 Kommentare ...alles

Feinst gestrickt & lebensfroh.

Ein Fliegengewicht unter den Blaufränkisch des Landes, das jedes Schwergewicht mit einem einzigen Haken aus dem Ring befördert.

Winzer/Weingut: Thomas Lehner, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von durchschnittlich 25 Jahre alten Reben der Grosslage Heideboden am östlichen Ufer des Neusiedler Sees.

panAroma No.19 2009 Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt wie auf allen der Serie panAroma das Etikett des ‘Schreckens’. Düster, dunkel, mit unglaublich hässlicher Typo und auf dem grauen Untergrund mit jenen Regenwürmern die aus Edgar Allen Poes Haus entflohen sein könnten. In der Zwischenzeit habe ich das Design des ‘Grauens’ fast schon lieb gewonnen und sehe es als Tarnung für das an, was in der Regel aus den Flaschen Thomas Lehners kommt. Das war nämlich bis jetzt alles vollkommen konträr zu dem was aussen drauf klebte. So sehe ich auch diese Flasche mit Grusel an und freue mich auf deren Inhalt. Auch dieses Etikett ist für den genialen Geist gemacht und offenbart ein paar zusätzliche Informationen über Wein, Lage, An- und Ausbau wenn man draufkommt, dass es sich vom eigentlichen Etikett abziehen lässt. Gestalterischer Overkill sagt man zu sowas. Oder so.

Am Rückenetikett, das nicht minder hässlich ist, steht wieder alles drauf was nötig ist und auch hier erfährt man gerade mal, dass in der Flasche ein Blaufränkisch drin ist. Immerhin steht ‘Schiefer’ drauf damit man weiss woher der Wind weht. Bevor der gute und vor allem teure Tropfen in die Gläser kommt, darf er sich für eine Stunde von seinem gruseligen Kerker erholen und sich in der Karaffe an seine neue Umgebung gewöhnen.

Im Glas: Hell, heller, sehr hell. Leuchtendes rubinrot, funkelnd hell im Kern und dunkelschwarz an den Rändern. Von oben transparent und glasklar bis auf den Grund. So steht der Blaufränkisch Schiefer im Glas.

In der Nase: Bereits der erste Eindruck in der Nase macht Lust auf mehr. Steinig ist es, etwas ‘minziges’ steht oben drüber und vermengt sich mit leicht floralen und kecken grünkräutrigen Aromen. Der ganze Duft lebt von dieser Pfefferminznote die eindeutig das Kommando im Riechorgan führt. Frisch und erfrischend duftet es aus dem Glas heraus und als freches Tüpfelchen ganz oben drauf, dunstet eine Sauerkirsche durch die Gegend.

Im Mund: Was in den Mund strömt ist, wie eigentlich erwartet, wieder etwas ganz was Feines. Einerseits schmeckt der Blaufränkisch Schiefer kräutrig, andererseits schafft es auch dieser Tropfen mit jenem Attribut zu glänzen, das ich persönlich so liebe; mit salziger Mineralität. Man spürt dieses Salz wunderbar an den Zungenrändern abfliessen, merkt wie einem das Wasser dabei im Mund zusammenläuft und wie mineralisch der Rest auf der Zunge stehen bleibt. Er geht richtig auf auf ihr, fühlt sich federleicht und vor allem filigran an. Unterstützt wird all das mit einer äusserst agilen und erfrischenden Säure, die sich sehr fruchtig und frisch präsentiert. Da ist Leben im Wein, das spürt man, das schmeckt man und hat Spass daran. Das erste Glas zeigt einen ausgesprochen ‘feinen’ Wein, sehr schlank, sehr klar und leichtgewichtig. Man will unbedingt mehr davon.

Mich persönlich fasziniert bei diesem Wein seine mutige Kräutrigkeit. Eher untypisch für Blaufränkisch, wer aber den Weinberg gesehen hat kann nachvollziehen, warum das hier so ist. Alles grün, vom Boden bis in die Spitzen, was für jene kräutrige Spannung im Blaufränkisch Schiefer und für diese schmackhafte Kombination aus salziger Mineralität und eben jener Kräutrigkeit sorgt. Eine gelungene Verbindung welche einen Trinkflusss beschert, der angesichts des Preises schwer ins Geld gehen kann. Auf der Zunge pulsiert der Tropfen förmlich, lässt dort sein feines, seidiges Gerbstoffgerüst spüren, quetscht etwas sauren Kirschensaft raus und sorgt am Gaumen für ein edles Gefühl, welches von dieser erfrischenden Pfefferminznote begleitet wird. Eben diese Minzigkeit macht ihn so wunderbar frisch, man kann fast sagen ‘belebend’.

Resümee: Nur daran genippt steht freche Säure und sauerfruchtiges Leben auf der Zungenspitze. Den Mund jedoch voll genommen wird der ‘Schiefer’ zur kräutersalzigmineralischen Geschmacksexplosion. Sogar mit vollem Mund ist alles feinst gewirkt, keine Spur von opulent, dick, typisch dunkelmarmeladigheiss-blaufränkisch. Das hier ist ein Leicht-, nein ein Fliegengewicht unter den Blaufränkisch des Landes. Eines, das jedes Schwergewicht mit einem einzigen Haken aus dem Ring befördert. Der Gaumen hechelt hinter dem nach, was gerade über ihn hinweg gezogen ist und sehnt sich sofort nach weiterer Befeuchtung. Er will mehr von dieser minzigen Kräutrigkeit, von diesem Steinsalzbottich und von diesem federleichten Tuch das sich über ihn legt. Und die Zunge tanzt Polka, weil sie sich nicht einkriegt ob der sauerfruchtigen Säurestiche die der ‘Schiefer’ ihr versetzt. Wer einmal wissen will wie Blaufränkisch in der ‘Oberliga’ schmeckt und sich vor allem ‘anfühlt’, der nehme ca. 65 Euro in die Hand und mache sich einen netten Abend mit dem panAroma No.19. Kein Wein für jeden Tag, keine Frage. Wengleich man von dieser Interpretation von Blaufränkisch locker jeden Tag eine Flasche verputzen könnte.

Tipp: 30-60 Minuten in der Karaffe tun dem Luxusliner gut. 14-16º stehen ihm vorzüglich. Begleitet regionale fleischliche wie auch kraftvolle Gemüseküche bestens und ist als Alleinunterhalter der Star des Abends.

Einen Bericht über den panAroma No.19 ‘Schiefer’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein panAroma No.19 Blaufränkisch ‘Schiefer’ 2009 von Thomas Lehner aus Gols im Burgenland.

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Kategorie: Thomas Lehner, Verkostet

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