Noir de Diel 2013 Rote Cuvée

| 23. September 2016 | 0 Kommentare ...alles

Gekonnte Inszenierung von Frucht und Eleganz

Frische Frucht und klare Eleganz, gepaart mit einer feinen Würze, machen diesen Wein zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk.

Winzer/Weingut: Schlossgut Diel, Rümmelsheim, Nahe, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Lagen rund um Rümmelsheim an der Nahe.

noir-de-diel-2013 Allgemeines: Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich vom Schlossgut Diel aus Rümmelsheim im Weinbaugebiet Nahe den Rosé die Diel 2014 im Glas. Heute habe ich von Armin und Caroline Diel, die das Schlossgut am Fuss der Burg Layen leiten und mit ihren Weinen zu den absoluten Renommierbetrieben der Naheregion zählen, ihren Noir de Diel 2013 am Tisch der Wahrheit stehen. Dabei handelt es sich um eine Cuvée aus Blauem Spätburgunder und Dornfelder. Vergoren wurde der Wein im Edelstahltank, im Anschluss durfte er 18 Monate in kleinen französischen Eichenfeässern weiter reifen. Viel gibt es allerdings nicht vom Noir de Diel, gerade einmal 4700 wurden abgefüllt, dazu 48 Magnums und 5 Doppelmagnums. Für die ganz grosse Sause. Ich öffne jetzt eine “normale” Flasche und lass den Tropfen erstmal eine halbe Stunde in der Karaffe seine Kreise drehen bevor ich ihn in den Burgunderkelch verfrachte.

Im Glas: Glasklar steht der Noir de Diel in sattem kirschrot im Glas.

In der Nase: Reife dunkle Brombeeren hüpfen in meine Nase, begleitet von einer dicken Zwetschke und süssen orientalischen Gewürzen. Nelke taucht auf, ein Veilchen drängt sich keck dazwischen und was an Holz vorhanden ist das löst sich in einer unglaublich feinen, sehr eleganten Würze auf. Am Ende sorgt eine reife Sauerkirsche für den perfekten Duft im Riechorgan. Betörend ist es, was da in die Nasenflügel strömt.

Im Mund: Oh ja, ist das gut! Süsse Sauerkirsche steht auf der Zunge, saftig, sexy, sündig. Danach darf sich die dicke Zwetschke zeigen und am Schluss werden zarte Röstaromen durch den Mund geblasen. Man merkt wie einem förmlich das Wasser im Mund zusammenläuft und geniesst den Augenblick wenn Kirschen, Pflaumen und ein paar reife Brombeeren sich über den Zungenrand hermachen. Das ist elegant im Mund, das ist fein und die Krone wird dem Noir de Diel von einem Gerbstoffmantel aufgesetzt, der an feinsten Kaschmir erinnert. Aus allem aber tropft der sündig süsse Saft der Sauerkirsche. Ein Schuss Vanille dann am Gaumen, ganz leicht und kurz vorm Abgang wieder diese kleine Nelke die dem Tropfen eine gewisse orientalische Note einhaucht. Der Abgang selbst ein Traum aus einer Kombination von Nelke und Sauerkirsche, man möchte reinbeissen und nimmt den nächsten grossen Schluck um alles wieder von vorne beginnen zu lassen.

Ich könnte mich ertränken in dem Wein. Zur Nelke kommt jetzt Zimt hinzu, die Vanille traut sich doch noch raus aus ihrem Versteck und arrangiert sich auf wunderbare Art und Weise mit der eleganten Würze die den Noir de Diel so herrlich unterfüttert. Das Kommando behält jedoch die Sauerkirsche und all diese Aromen zusammen sorgen a) für einen betörenden Geschmack und b) für ein wunderbar feines, klares und intensives Mundgefühl. Es ist unglaublich saftig, es ist frisch im Mund, es neckt, ist keck und lebhaft. Auf der anderen Seite pures Understatement wenn es darum geht Textur zu zeigen. Man hält sich zurück, zeigt nur, dass man da ist und lässt der Kirsche und der Zwetschke den absoluten Vortritt. Damit es nicht banal wird, gönnen diese beiden auch der Würze ihren Auftritt, was am Ende ein harmonisches Gesamtkunstwerk ergibt.

Je länger der Noir de Diel an der Luft ist, umso feiner wird er im Mundgefühl. Es ist der Blaue Spätburgunder der ihm seine Eleganz verleiht, während der Dornfelder für diese expressive Fruchtigkeit sorgt. Erst jetzt bemerkt man, dass da eine Handvoll Kräuter der Provence subtil im Hintergrund mitmischt und sich mit der Nelke und dem Zimt ein Stelldichein gibt. Die Sauerkirsche hat sich zurückgenommen, führt aber immer noch das Regiment im Mund an.

Resümee: Ich liebe diesen Wein. Weil er so trinkig ist, weil er einen Trinkfluss hat der brandgefährlich ist und weil er einfach eine Sünde ist. Weil er eine gekonnte Inszenierung von Frucht und klarer Eleganz ist, ohne deswegen banal fruchtig zu sein. Der Noir de Diel hat Stil. Und zwar ganz viel. Zum Wohl.

Tipp: Geht auch ohne Karaffe. Am besten mit frischen 16º aus dem Wikingerbecher. Zu Rind und Wildgeflügel, zu aromaintensiven Fleischgerichten und zum Lamm genießen. Als Alleinbespassung ganz gefährlich, weil man geneigt ist ihn gnadenlos zu vernichten.

Einen Bericht über den Noir de Diel lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Noir de Diel 2013 vom Schlossgut Diel aus Rümmelsheim im Weinbaugebiet Nahe in Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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