Neuburger 2011 Nikolaihof

| 21. September 2013 | 0 Kommentare ...alles

Supersofter Faserschmeichler.

Ein sehr milder, weicher und harmonischer Wein der nicht nur histaminfrei ist, sondern auch noch äusserst wohltuend schmeckt.

Winzer/Weingut: Nikolaihof, Mautern/Wachau, Niederösterreich,Österreich.

Lage/Herkunft: Vom ältesten Weingut Österreichs aus Weingärten mit Böden von Urgestein mit sandiger Lößbodenauflage.

Neuburger Nikolaihof Flasche/Etikett: Mit einem eleganten Etikett ist die dunkle Flasche die vor mir steht beklebt. Auf hellem Untergrund ist am ‘Hauptetikett’ nur Nikolaihof Wachau in geschwungener Schrift aufgedruckt. Umrahmt von zwei goldenen achteckigen Rahmen die alles wie ein ‘Türschild’ aussehen lassen. Nicht unbedingt eine moderne Erscheinung, viel eher die Interpretation von Tradition und Zeitlosigkeit. Unter dem Hauptetikett ein schmaler Streifen mit NEUBURGER darauf, ebenfalls duch goldene Rahmenlinien eingefasst. Es wirkt wie Altes das auf neu macht, ist unaufgeregt einfach und passt für mich sehr schön zu meinen mit dem Wein verbundenen Erinnerungen.

Am hinteren Etikett erfährt man ausfühlich alles über die Philosophie nach welcher der Nikolaihof arbeitet sowie darüber, dass es sich um einen Biowein handelt der nach Demeter zertifiziert ist. Eine schwarze ‘Halskrause’ mit Nikolaihof in gold drauf rundet das elegante Erscheinungsbild stimmig ab. Nicht weil er muss, sondern weil es unmittelbar mit der Erinnerung an meines alten Herrn üblicher Bestellung “einen Halben Neuburger” verbunden ist, kommt selbiger in die Karaffe.

Im Glas: In hellem strohgelb dreht der Neuburger seine Kreise im Glas. Ein zarter Stich ins Limettengrüne funkelt auf.

In der Nase: In der Nase hat der Wein nichts mehr mit dem zu tun woran ich mich auch heute noch erinnere. Es duftet verhalten floral, nach weissen Blüten und es fühlt sich eher nach Softgummi als nach harten Drops an. Ein sehr weicher Duft mit ebenso weichen, fast cremig wirkenden Aromen zieht die Nasenflügel hoch. Nichts was mich an andere Weine erinnert, nichts was laut ist, am ehesten etwas leicht grünnussiges, das sich jedoch gekonnt zurückhält. Alles ist sehr mild, sehr rund und leise und lässt meine Spannung entsprechend steigen.

Im Mund: Hmmmmm…das ist nicht das woran ich mich erinnere. Das hier ist weich, schon fast cremig, sehr mild auf den Lippen, voll auf der Zunge und erst im Abgang ist etwas, das ich mir einbilde wieder zu erkennen. Es ist dieses Nussige, das mir im Gedächtnis geblieben ist. Auch hier spürt man diese Nuss sehr schön am Gaumen, schmeckt weisse Blüten und fühlt wie supersoft der Wein auf der Zunge liegt und diese umspült. Von Säure ist so gut wie nichts zu spüren, sie hält sich nobel zurück, was dafür sorgt, dass die zarte Würzigkeit besser zur Geltung kommt. Floral-würzig würde es am besten treffen. Wie ein Faserschmeichler steht der Neuburger auf der Zunge, fühlt sich voll an und am Gaumen zeigt er sich mit verhaltener Säure und dieser grünen Nussnote.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist für mich dieses Fehlen von aktiver und lebendiger Säure, was aber auch nicht unbedingt Sache der Rebsorte ist. Ebenso erstaunlich ist die Milde dieses Tropfens. Ungemein zart fühlt er sich auf der Zunge an, fast hat man das Gefühl er will um jeden Preis Frieden stiftend sein. Kein lauter Ton, alles warm, rund, weich und sehr harmonisch. Erst im Abgang und auch im Nachhall spürt man so etwas wie Säure, die sich aber sofort wieder hinter den leicht nussigen und feinst würzigen Aromen versteckt. Was bleibt ist ein zarter Hauch von Erde der am Gaumen haften bleibt und die Gewissheit, dass man diesen Wein ohne jedes Risiko als bekömmliche Medizin verabreichen kann.

Resümee: Insgesamt ist der Neuburger 2011 vom Nikolaihof ein ausgesprochen floraler Wein. Man sucht vergeblich nach irgendwelchen Fruchtaromen, vielmehr erinnert dieser Wein an eine von wilden Blumen übersäte Wiese und an in ihren aufgeplatzten grünen Schalen am Boden liegende Walnüsse. Mit der Zeit wird der Wein immer saftiger, driftet langsam ins Grüne und beginnt so etwas wie ‘Leben’ auf der Zunge zu entwickeln. Müsste man einen Vergleich anführen, dann würde in diesem stehen, dass sich der Neuburger 2011 im Mund wie supersofte Marshmallows anfühlt. Was eher verwundert ist, dass der Wein trotz seiner spärlichen 12,5 vol.% doch kraftvoll unterwegs ist, was sicher an der fehlenden Säure liegt die sonst alles irgendwie puffert. Es ist das Extraktreiche, das sich in den Vordergrund spielt und die volle Aromatik, die so richtig aufdreht. Zart und harmmonisch hin oder her, die Vollmundigkeit des Weines macht ihn zu einem relativ potenten Tropfen, der aber trotzem mit seiner milden Charakteristik zu überzeugen vermag.

Tipp: Es macht Sinn den Wein für 1 Stunde in die Karaffe zu füllen. Bei 12-14º zu Pasteten, Truthahn, Lamm, Kalb oder Rind geniessen. Auch zu etwas ‘Salzigem’ vorzustellen. Als Solist ein unprätentiöser Zeitgenosse der die leisen Töne mag.

Einen Bericht über den Neuburger lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Neuburger 2011 vom Weingut Nikolaihof aus Mautern in der Wachau in Niederösterreich, Österreich. Bezugsquelle: Bio Wein Online Ramsau/Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Bio Wein Online, Verkostet

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